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Gaza : Tausende Jugendliche trainieren für den Krieg

Mit Sprüngen durch brennende Reifen sollen jugendliche Kämpfer laut Hamas-Offiziellen auf einen möglichen israelischen Angriff vorbereitet werden Bild: Reuters

Die Hamas bildet im Gazastreifen Tausende Jugendliche für den nächsten Krieg mit Israel aus. In einem Ferienlager lernen sie, mit der Kalaschnikow zu schießen, Granaten zu werfen und Bomben zu bauen.

          Der Wiederaufbau nach dem letzten Krieg hat im Gazastreifen noch nicht richtig begonnen. Ganze Stadtviertel gleichen immer noch Trümmerlandschaften. Mehr als 500 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Sommer getötet, doch an Nachwuchs für die nächste Konfrontation scheint es dem bewaffneten Arm der Hamas nicht zu mangeln.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zum ersten Mal veranstalteten die Qassam-Brigaden, deren mehr als 20.000 Kämpfer Israel durch Tunnel und mit Raketen angriffen, in den vergangenen Tagen eigene Ferienlager: 17.000 Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren nahmen daran teil. Qassam-Kommandeure zeigten ihnen, wie man ein Kalaschnikow-Sturmgewehr bedient, Granaten wirft und einfache Sprengsätze baut. Als Zielscheiben dienten angeblich Fotos israelischer Politiker. Auch die Entführung israelischer Soldaten soll geübt worden sein. An der Abschlussfeier nahm Hamas-Führer Ismail Hanija teil.

          Gelegenheit, dem tristen Alltag zu entfliehen

          Für die jungen Teilnehmer, die die Hamas als „Pioniere der Befreiung“ bezeichnet, war es offenbar vor allem eine Gelegenheit, in den kurzen Ferien nach den Zwischenzeugnissen ihrem tristen Alltag zu entfliehen: Die Grenzen des Gazastreifens sind geschlossen. Die meisten jungen Einwohner haben den schmalen Küstenstreifen, in dem sich 1,8 Millionen Menschen drängen, noch nie in ihrem Leben verlassen. Von Urlaub im Ausland können sie nur träumen.

          Deshalb bieten Ferienlager, die sonst im Sommer am Strand stattfinden, für viele Kinder eine willkommene Abwechslung. Bisher hat sie meistens der politische Arm der Hamas veranstaltet, und vormilitärische Ausbildung spielte keine so wichtige Rolle wie jetzt bei den Qassam-Brigaden. Früher gingen bis zu 250.000 Kinder zu den mehrwöchigen „Sommerspielen“, die das Palästinenserhilfswerk UNRWA veranstaltete.

          Dort malten sie, machten Sport und stellten sogar einen Weltrekord auf: So ließen sie am Strand auf einmal so viele Drachen wie nie zuvor auf der Welt fliegen. Aber es gab radikale Muslime, denen das zu weit geht. Maskierte Angreifer verübten Brandanschläge auf die Lager. Sie störte, dass dort Mädchen und Jungen gemeinsam ihre Freizeit verbringen.

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