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Gaza-Krieg : Israel sucht vermissten Soldaten

  • Aktualisiert am

Israelische Panzer an der Grenze zum Gazastreifen Bild: AP

Nach der mutmaßlichen Entführung eines Soldaten hat Israel Ziele in Gaza angegriffen. Aber wo ist der 23 Jahre alte Hadar Goldin? Lebt er noch? Die Hamas weiß angeblich „nichts über einen verschwundenen Soldaten“.

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          Nach der Entführung eines israelischen Soldaten setzt Israel die Suche nach dem Verschleppten fort. Eine Militärsprecherin sagte, Israel habe in der Nacht zum Samstag etwa 50 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Die meisten Angriffe seien um die Stadt Rafah erfolgt. Dort hatten militante Islamisten den israelischen Soldaten am Freitagmorgen entführt. Nach palästinensischen Angaben wurden bei den Angriffen in der Nacht 50 Menschen getötet. Das teilte ein Sprecher des örtlichen Gesundheitsministeriums mit.

          Unklar bleibt das Schicksal des vermissten 23 Jahre alten Leutnants Hadar Goldin. Politiker und Kommandeure der im Gazastreifen herrschenden Hamas machten dazu unterschiedliche Angaben. Die bewaffneten Milizen der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, teilten am Samstagmorgen mit, sie hätten den Kontakt zu ihren Kämpfern verloren, und der Soldat sei vermutlich während eines israelischen Bombardements getötet worden.

          Erinnerungsbild in den Trümmern Bilderstrecke

          Nach Angaben des israelischen Militärs arbeitete die Einheit des vermissten Soldaten an der Zerstörung eines sogenannten Terror-Tunnels, als militante Palästinenser sie angriffen. Zwei Soldaten seien dabei getötet worden. Der Angriff soll sich anderthalb Stunden nach Beginn einer dreitägigen humanitären Waffenruhe ereignet haben, die die Vereinten Nationen (UN) und die Vereinigten Staaten zwischen Israel und militanten Palästinensern vermittelt hatten. Israel erklärte daraufhin die Waffenruhe für gescheitert und verstärkte seine Angriffe.

          „Wir wissen nichts über einen vermissten Soldaten“

          Ein ranghohes Hamas-Mitglied widersprach dieser Darstellung. Die Entführung habe sich schon vor Beginn der Waffenruhe ereignet, sagte Mussa Abu Marsuk, der Vize-Auslandschef der radikal-islamischen Hamas, der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

          Welche der bewaffneten islamistischen Gruppen für die Entführung verantwortlich ist, ist ebenfalls ungeklärt. Die Al-Kassam-Brigaden bestritt in der Nacht auf Samstag, den Soldaten entführt zu haben. „Wir wissen nichts über einen vermissten Soldaten, seinen Verbleib oder die Umstände seines Verschwindens“, hieß es in einer Pressemitteilung. „Wir haben den Kontakt zu den an dem Überfall beteiligten Kämpfern verloren, und wir vermuten, dass sie alle bei dem Bombardement getötet wurden.“ Dabei sei wohl auch der Soldat ums Leben gekommen. Nach einer Meldung der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan hatten die Al-Kassam-Brigaden zuvor noch bestätigt, Goldin gefangen genommen zu haben.

          Zuletzt war 2006 der Soldat Gilad Schalit von einem Kommando unter Leitung der Hamas von israelischem Boden aus durch einen Tunnel in den Gazastreifen verschleppt worden. Er kam erst mehr als fünf Jahre später frei - im Tausch gegen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge. Israel hat inzwischen eine Reihe dieser Freigelassenen wieder festgenommen.

          Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Freitag eine harte Reaktion angekündigt. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich nach dem Scheitern der Waffenruhe „schockiert und zutiefst enttäuscht über die Entwicklung“. Er befürchtete „ernste Folgen für die Menschen in Gaza, in Israel und darüber hinaus“. Die Vereinigten Staaten forderten die bedingungslose Freilassung des Soldaten.

          Palästinenser: Zahl der Toten steigt auf 1650

          Die Palästinensische Autonomiebehörde gibt ihr Ringen um eine Feuerpause nicht auf. Trotz der neuen Auseinandersetzungen kündigte ihr Chefunterhändler Saeb Erekat an, am Samstag eine Delegation zu Verhandlungen über die Beruhigung der Lage in die ägyptische Hauptstadt Kairo zu entsenden. Im Sender CNN rief Erekat den amerikanischen Außenminister John Kerry dazu auf, die Israelis zu überzeugen, auch eine Delegation zu entsenden. In Kairo solle auch der Fall des verschwundenen Soldaten zur Sprache kommen.

          Die Zahl der seit dem 8. Juli getöteten Menschen im Gazastreifen ist nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bis zum Samstagmorgen auf 1650 gestiegen. Etwa 8900 Menschen wurden demnach verletzt. Auf israelischer Seite wurden im Gaza-Krieg mindestens 63 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

          Militante aus dem Gazastreifen feuerten am Samstag abermals Raketen auf Israel ab. Zwei Geschosse wurden am Morgen über Tel Aviv, eines über der südlichen Stadt Beerscheva abgefangen. Militante Palästinenser beschossen Israel nach Angaben der Armee seit Beginn der Militäroffensive mit mehr als 3000 Raketen.

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