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Gaza-Konflikt : Zahlreiche Tote in UN-Schule bei israelischem Angriff

Die Schule der Vereinten Nationen in Beit Hanun war Anlaufpunkt vieler Flüchtlinge im Gazasatreifen Bild: AP

Bei einem israelischen Beschuss einer UN-Schule sind nach palästinensischen Angaben mindestens 17 Menschen getötet worden. Israels Armee beschuldigt die Hamas, vom Schulgelände aus Raketen abgeschossen zu haben.

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          Bei einem Angriff auf eine UN-Schule im nördlichen Gazastreifen sind am Donnerstag laut Presseberichten mindestens 17 Menschen getötet worden, die zu Hunderten in dem Gebäude Schutz gesucht hatten. Man habe die israelische Armee darüber informiert, dass sich Zivilisten in der Schule in Beit Hanun aufhielten, teilte der Sprecher des UN-Hilfswerks UNRWA mit. Zuvor sei vergeblich versucht worden, mit der Armee einen sicheren Abzug der Flüchtlinge zu koordinieren.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die israelische Armee teilte mit, sie habe die Betreiber der Schule jedoch vor Beschuss gewarnt. Aus der Umgebung der Schule in Beit Hanun habe die militante Hamas Raketen abgeschossen, teilte das Militär mit. Es habe deshalb dazu aufgefordert, das Gebäude zu räumen. Die Hamas habe die Zivilisten aber daran gehindert, das Gebäude zu verlassen.

          Aus zwei Flüchtlingslagern in der Mitte des Gazastreifens wurde am Donnerstag ebenfalls starker Beschuss gemeldet. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden seit Beginn des Kriegs in Gaza damit mehr als 760 Menschen getötet. Ungeachtet der andauernden internationalen Vermittlungsbemühungen kündigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag an, dass die Gaza-Offensive weitergeht.

          Obwohl die Hamas nach eigenen Angaben am Donnerstag abermals versuchte, den Tel Aviver Flughafen mit Raketen anzugreifen, hob die amerikanische Luftverkehrsbehörde FAA am Donnerstag ihr seit Dienstagabend geltendes Verbot für Flüge nach Israel auf. Die europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) zog ebenfalls ihre Warnung vor Flügen nach Tel Aviv zurück. Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit kritisierte die Entscheidung. Die Bedrohungslage habe sich „nicht grundlegend geändert“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Mehrere Fluggesellschaften kündigten an, ihre Flüge nach Tel Aviv wiederaufzunehmen.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry wirbt in der Region für den Frieden
          Der amerikanische Außenminister John Kerry wirbt in der Region für den Frieden : Bild: AP

          In Israel stieß unterdessen der Beschluss des UN-Menschenrechtsrats in Genf auf Kritik, eine internationale Kommission einzusetzen, die mögliche Kriegsverbrechen im Gazastreifen untersuchen soll. Einen von den Palästinensern eingebrachten Antrag unterstützten 29 Mitgliedsländer, darunter die arabischen und islamischen Staaten des Gremiums. Nur Amerika stimmte dagegen, 17 europäische Staaten, darunter Deutschland enthielten sich. Netanjahus Büro sprach von einer „Travestie“, da die Kommission das Vorgehen Israels untersuche und die Hamas ausklammere, die israelische Zivilisten angreife. Nach dem Gaza-Krieg Anfang 2009 hatte eine Kommission des Menschenrechts schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben.

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