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Gaza-Konflikt : Vertraute Eskalation

Wer hat die Macht bei der Hamas?

In einer seltenen Tonbandbotschaft hatte Deif Ende Juli verkündet, die Hamas habe „die zionistische Armee geschlagen“. Während der von Ägypten vermittelten Verhandlungen in Kairo machten die palästinensischen Islamisten wenig später durch weniger kriegerische Töne auf sich aufmerksam. Doch die Machtverteilung innerhalb der Hamas-Führung lässt sich von außen nur schwer abschätzen. Klar ist, dass schon die Beschlussfassung weiterhin sehr schwierig sein muss: In den Bunkeranlagen unter dem Schifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt wird der frühere Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija vermutet.

Von ihm war - abgesehen von einer aufgezeichneten Rede, in der er vor zwei Wochen den Sieg seiner Organisation lobte - nichts zu hören. Sein Wohnhaus hatte die israelische Armee während des Krieges ebenso zerstört, wie das des früheren Hamas-Außenministers Mahmud Zahar. In Kairo verhandelte für die Hamas der stellvertretende Politbürochef Musa abu Marzuq, mit dessen Erfolgen die Hamas-Führung offenbar nicht zufrieden war: Sie verlangte, dass Israel die Blockade des Gazastreifens vollständig aufhebt und nicht nur lockert. Eigentlich wollte Hamas-Politbürochef Khaled Meschal in der ägyptischen Hauptstadt verhandeln. Doch die ägyptische Regierung erlaubte ihm nicht, aus Qatar, wo Meschal im Exil lebt, nach Kairo zu kommen.

Rivalität zwischen Qatar und Ägypten

Diese Zurückweisung hatte mit der regionalpolitischen Rivalität zwischen dem Golfemirat und Ägypten zu tun, die offenbar auch bei der jüngsten Eskalation eine Rolle spielte. Die ägyptische Regierung unter dem früheren General Abd al Fatah al Sisi nimmt Qatar die Unterstützung der ägyptischen Muslimbrüder übel, die das ägyptische Militär im vergangenen Sommer in Kairo von der Macht vertrieben hatte. Qatar versucht wiederum durch die Unterstützung der Hamas im Nahen Osten politisch an Einfluss zurückzugewinnen, den es zuletzt auch im Bürgerkrieg in Syrien verloren hatte.

Dabei bestärkte die Regierung in Doha - zusammen mit der Türkei - Hamas-Politibürochef Meschal in seinen Maximalforderungen, die die ägyptischen Vermittlungsgespräche über einen Waffenstillstand. Es wurde berichtet, das Meschal mit früheren Feuerpausen nicht einverstanden war. Seine persönlichen Beziehungen zur gegenwärtigen israelischen Regierung sind ohnehin problematisch: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte während seiner ersten Amtszeit 1997 den Auslandsgeheimdienst Mossad beauftragt, Meschal in der jordanischen Hauptstadt Amman zu töten. Der Plan schlug fehl. Israel musste das Gegengift liefern, um die Beziehungen zu Jordanien zu retten.

Laut arabischen und israelischen Presseberichten war es Khaled Meschal, der den bewaffneten Arm der Hamas am Dienstag aufforderte, die jüngste Waffenruhe vorzeitig zu beenden und wieder Raketen abzufeuern. Dabei soll der Politbürochef unter dem Druck qatarischen Gastgeber gestanden haben: Sie drohten nach Informationen der arabischen Zeitung „Al Hajat“ damit, ihm sein Exil zu entziehen, sollte die Hamas den ägyptischen Vorschlag für Gaza akzeptieren.

Meschal setzte sich schon seit Wochen dafür ein, dass Qatar und die Türkei im Gaza-Konflikt vermitteln, die sich weitgehend die Forderungen der Hamas zu eigen gemacht hatten. Nach palästinensischen Angaben verlangten Meschal und die Regierung in Doha, dass der Außenminister und der Geheimdienstchef Qatars an den Verhandlungen in Kairo teilnehmen. Dazu kam es demnach nicht: Die Führung in Kairo habe zur Bedingung gemacht, dass sich die qatarische Führung dafür entschuldige, dass sie die ägyptischen Muslimbrüder unterstützt habe.

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