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Gaza-Konflikt : Mit Hilfe des Emirs

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Der Emir von Katar (links) hat erneut seine Schlüsselrolle bei der Lösung regionaler Konflikte gestärkt. Bild: AP

Der ägyptische Präsident Muhammad Mursi hat die Hamas aus der Achse Iran-Hizbullah-Syrien gelöst. Eine Schlüsselrolle nahm dabei der Emir von Katar ein, der gemeinsam mit den arabischen Staaten eine Aufwertung der Hamas betreibt.

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          Von Muhammad Mursis Quartett spricht keiner mehr. Vor einem Vierteljahr hatte der ägyptische Präsident den Syrien-Konflikt im Bunde mit der Türkei, Saudi-Arabien und Iran lösen wollen. Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die vier Regierungen nicht. Nun hat Mursi aber einen Erfolg vorzuzeigen, den er nicht mit Hilfe aus Riad oder Teheran, sondern mit qatarischer Unterstützung errungen hat.

          Ägyptens Erfolg bei der Schlichtung des Gaza-Konflikts wäre ohne den Emir Hamad Bin Khalifa Al Thani nicht möglich gewesen. Spätestens seit 2008, als Doha den libanesischen Kleinkrieg zwischen der von Iran unterstützten Hizbullah und den vom Westen unterstützten Kräften beilegte, beansprucht die kleine Golfmonarchie eine Schlüsselrolle bei der Lösung regionaler Konflikte. Auch die Einigung der syrischen Opposition auf eine neue Führung kam in Doha zustande. Amerikaner und Europäer sind deshalb voll des Lobes über Al Thanis Rolle. Nur wenn die Rede auf die Hamas kommt, wird es plötzlich still.

          Präsident Mahmut Abbas spielte keine Rolle

          Dabei hat Al Thani die Hamas aus den Armen nicht nur des kollabierenden Syriens, sondern auch aus der Umklammerung Irans gelöst. Voller Enttäuschung gab Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah diese Woche kund, dass es die Staaten der Arabischen Liga im Gaza-Konflikt versäumten, der bedrängten palästinensischen Bevölkerung wirksam beizustehen. Verhandlungen brächten nichts. Doch schon im arabischen Aufstandsjahr 2011 lockte der Emir von Qatar den Chef des Hamas-Politbüros, Khaled Meschal, von Damaskus nach Doha. Angesichts von Assads Krieg gegen die eigene Bevölkerung scherte er aus der „Achse des Widerstands“ mit Iran, Syrien und der Hizbullah aus, in der Meschal der sunnitische Gegenpart des Schiitenführers Nasrallah war. Finanziell kann Teheran mit Doha ohnehin nicht mithalten.

          So verschieben sich die Koordinaten des Palästina-Konflikts. Seite an Seite mit den Außenministern der Arabischen Liga präsentierte sich Meschal Anfang der Woche in Gaza; Präsident Mahmud Abbas von der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) spielte keine Rolle. Die von den arabischen Staaten betriebene Aufwertung der Hamas, deren Sieg bei freien Wahlen nicht nur im Gazastreifen, sondern auch im Westjordanland 2006 der Westen nie anerkannte, könnte diesen zum Umdenken zwingen. Außenminister Guido Westerwelle etwa hat am Dienstag in Kairo wieder die Rolle der Arabischen Liga gerühmt. Da ging es freilich nicht um die Hamas, sondern um Syrien - von dessen Diktator Baschar al Assad sich Meschal längst abgewendet hat.

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