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Gaza-Konflikt : Israel bricht Gespräche über Waffenstillstand ab

  • Aktualisiert am

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Bild: AFP

Als Reaktion auf neue Raketenangriffe militanter Palästinenser während der vereinbarten Feuerpause hat Israel die Verhandlungen abgebrochen und Vergeltungsangriffe angeordnet.

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          Israel hat nach Medienberichten als Reaktion auf neue Raketenangriffe aus dem Gazastreifen seine Delegation bei den Verhandlungen in Kairo abgezogen. Das Team sei angewiesen worden, nach Israel zurückzureisen, berichteten israelische Medien am Dienstag. Sprecher des israelischen
          Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu waren zunächst nicht
          erreichbar.

          Die israelische Armee griff nach neuen Raketenangriffen aus dem Gazastreifen Ziele in dem Palästinensergebiet an. Ministerpräsident Netanjahu hatte am Dienstag Vergeltungsangriffe gegen „Terrorziele“ im Gazastreifen angeordnet.

          Wenige Stunden vor dem Ende eines Waffenstillstandes hatten militante Palästinenser am Nachmittag abermals Raketen auf Israel abgeschossen. Nach Angaben der israelischen Armee wurden aus dem Gazastreifen drei Flugkörper abgeschossen, die in der Nähe der Negev-Hauptstadt Beerscheba niedergegangen seien. Berichte über Opfer gab es nicht.

          Waffenstillstand in zwei Schritten?

          Die Verhandlungen über einen längerfristigen Waffenstillstand im Gazastreifen gestalten sich ohnehin schwierig. Obwohl aus der palästinensischen Delegation von einer grundsätzlichen Einigung über ein Abkommen berichtet worden war, war in der Nacht zum Dienstag die auslaufende Feuerpause nur um weitere 24 Stunden verlängert worden. Sie läuft offiziell um 23 Uhr (MESZ) aus.

          Nach palästinensischen Angaben zeichnet sich ab, dass Israel zunächst unter internationaler Aufsicht vor allem mehr humanitäre Hilfe für den Wiederaufbau nach Gaza lassen, die Fischereizone schrittweise auf 12 Seemeilen ausdehnen und eine ausreichende Stromversorgung sicherstellen soll. Erst in einem Monat soll dann über weitere Streitfragen wie den Bau eines See- und eines Flughafens, die Entwaffnung Gazas und die Verkleinerung der israelischen Pufferzone an der Grenze entschieden werden. Aus Israel gab es zunächst keine Bestätigung für diesen von Ägypten vermittelten Plan, über den laut Presseberichten am Dienstag in Kairo weiter verhandelt wurde.

          Israelische Politiker wie Wirtschaftsminister Naftali Bennett schlagen vor, auf einen formellen Waffenstillstand zu verzichten und Hilfe für den Wiederaufbau zu leisten, ohne den Palästinensern verbindliche Zusagen machen zu müssen.

          In dem seit Anfang Juli dauernden Konflikt wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums auf Seiten der Palästinenser 2016 Menschen getötet, die meisten von ihnen seien Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten.

          Unterdessen ordnete der palästinensische Präsident Mahmud Abbas an, die israelischen Berichte zu überprüfen, nach denen die Hamas plante, die Autonomiebehörde im Westjordanland von der Macht zu vertreiben.

          Laut israelischen Presseberichten wurden in den vergangenen Wochen mehr als 90 Hamas-Mitglieder festgenommen, die durch Terroranschläge und andere Aktionen in den Palästinensergebieten eine dritte Intifada hervorrufen sollten. Nach Erkenntnissen des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet organisierte der Hamas-Führer Saleh al Aruri von der Türkei aus diesen detailliert geplanten Umsturzversuch.

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