https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/gaza-eine-offensive-mit-ansage-11961745.html

Gaza : Eine Offensive mit Ansage

Rauch über Gaza: Die Palästinenserstadt am Freitagmorgen, nach neuen Angriffen israelischer Kampfflugzeuge

Rauch über Gaza: Die Palästinenserstadt am Freitagmorgen, nach neuen Angriffen israelischer Kampfflugzeuge Bild: REUTERS

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu gilt als Zauderer. Viele bezweifeln seine Entschlossenheit, notfalls auch Bodentruppen zu schicken, um den Raketenbeschuss zu stoppen. Innenpolitisch wäre das Risiko groß.

          4 Min.

          Israel habe selbst die „Tore der Hölle geöffnet“ und müsse nun die Folgen tragen: Das hatte der bewaffnete Arm der Hamas am Mittwoch mitgeteilt. Doch die angedrohte „Hölle“ mussten in den ersten 24 Stunden nach dem Tod des Hamas-Militärführers Ahmed al Dschabari vor allem die radikalen Islamisten in Gaza selbst durchleben.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Israel setzte seine Militäroperation „Säule der Verteidigung“ mit unverminderter Härte fort: Die Armee beschoss mehr als 150 Ziele im Gazastreifen. Damit  wollte sie Hamas, den Islamischen Dschihad und andere Terrorgruppen  daran hindern, ihre „Weltuntergangswaffen“ einzusetzen und weitreichende Raketen auf Großstädte wie Tel Aviv abzufeuern – dennoch wurde in der Millionenstadt am Donnerstagabend Luftalarm ausgelöst. Auf der israelischen Seite des Grenzzauns fing das Abwehrsystem „Iron Dome“ mehr als 50 Raketen ab, konnte aber einen Treffer auf ein Wohnhaus in Kirjat Malachi nicht verhindern; drei Menschen kamen dort ums Leben. Aus Gaza wurden mindestens 16 Tote gemeldet. Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg auf 16. Als bislang letztes Opfer  sei ein Baby im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt mit.

          Entschlossenheit demonstriert

          Israel habe den Terrororganisationen eine „eindeutige Botschaft“ übermittelt, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zufrieden. Man sei bereit, die Militäroperation auszuweiten, wenn es nötig sein sollte. Auch die führenden israelischen Kommentatoren zollten am Donnerstagmorgen Netanjahu Respekt für den Überraschungsschlag, den viele dem Regierungschef nicht zugetraut hatten, der bisher eher als Zauderer bekannt war. Selbst die Hamas hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass Netanjahu es wagen würde, in Gaza vor der Parlamentswahl am 22. Januar so hart durchzugreifen, wie es jetzt geschah.

          Auf beiden Seiten: Palästinenser am Donnerstag bei der Beisetzung Ahmed al Dschabaris in Gaza-Stadt und ... Bilderstrecke
          Auf beiden Seiten: Palästinenser am Donnerstag bei der Beisetzung Ahmed al Dschabaris in Gaza-Stadt und ... :

          Am Mittwoch wirkte es lange Zeit, als stehe die Führung der islamistischen Organisation unter Schock. Ohne ihren wichtigsten Militärführer sieht sich die Hamas einem schwer lösbaren Dilemma gegenüber: Hält sich sie sich bei ihrer Rache für Dschabaris Tod zu stark zurück, diskreditiert sie sich gegenüber ihren radikalen Herausforderern in Gaza; mit ihren andauernden Angriffen auf Israel hatten der Islamische Dschihad und kleinere salafitische Gruppen die Hamas zuletzt so stark unter Zugzwang gebracht, dass ihr bewaffneter Arm selbst wieder Raketen abfeuerte. Wenn die Hamas aber ohne Rücksicht auf Verluste zurückschießt, droht eine Bodenoffensive. Die israelische Armee könnte die dann Aufbauerfolge der vergangenen Jahre zunichte und die in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebte Hamas noch unpopulärer machen - wenn sich nicht die israelische Regierung gleich dazu entschließt, so lange zu kämpfen, bis die Hamas ganz von der Macht vertrieben ist.

          Eine Bodenoffensive ist jedoch auch für Ministerpräsident Netanjahu und seine Koalitionspartner riskant. Mit dem Überraschungsangriff konnten er und sein Verteidigungsminister Ehud Barak Entschlossenheit demonstrieren und zeigen, dass sie alles tun, dass sie bereit sind zum Äußersten zu gehen, damit der Raketenbeschuss im Süden endlich aufhört. Sollte die israelische Armee in Gaza einmarschieren, sind Verluste unter den eigenen Soldaten zu befürchten und die Militäroperation könnte in einen wochenlangen Krieg mit offenem Ausgang ausarten. Israelische Politiker haben nicht vergessen, dass die letzte Gaza-Offensive vor vier Jahren der bis damals regierenden Kadima-Partei nicht half, bei den Wahlen im Februar 2009 das Amt des Ministerpräsidenten zu verteidigen.

          Topmeldungen

          ETFs sind für den langfristigen Vermögensaufbau attraktiv. Der Einstieg relativ einfach – auch, wenn man kein Börsenprofi ist.

          Die Vermögensfrage : Wie Sie mit ETF ein Vermögen aufbauen

          Gemächlich, still und leise, nebenbei: Auch mit geringen Sparsummen im Monat können mit ETF ansehnliche Beträge angesammelt werden – für die Enkel, die Kinder oder sich selbst.
          Bild des Ajatollahs Ali Khamenei an einer Wand in Teheran

          Teherans langer Arm : Irans Schergen sind überall

          Die Agenten der Mullahs beobachten nicht nur Demonstranten im eigenen Land genau, sondern auch die Opposition im Westen. Manchmal entführen sie auch Kritiker.

          Autonome Lastwagen : Truck ohne Trucker

          Muss der „King of the Road“ bald abdanken? Die amerikanische Daimler-Tochter Freightliner will führerlose Lastzüge auf die Interstates schicken und probt schon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.