https://www.faz.net/-gq5-89tr4

Flug 9268 : Briten und Amerikaner gehen von einer Bombe aus

  • Aktualisiert am

Die Flugschreiber wurden schon geborgen, sie werden in Ägypten ausgewertet. Bild: AFP

Großbritannien und Amerika gehen inzwischen davon aus, dass der „Islamische Staat“ die russische Maschine über dem Sinai zum Absturz brachte - mutmaßlich mit einer an Bord geschmuggelten Bombe. Was wir wissen und was noch nicht.

          2 Min.

          Die Hinweise darauf, dass ein Anschlag den Absturz des russischen Flugzeugs über dem Sinai verursacht hat, verdichten sich. Es bestehe eine „hohe Wahrscheinlichkeit“, dass der IS das Flugzeug zum Absturz gebracht habe, sagte der britische Außenminister Philip Hammond am Donnerstag. Dieses Urteil stütze sich auf Erkenntnisse der Geheimdienste.

          Europäische und amerikanische Sicherheitsexperten sagten, die Spuren deuteten darauf hin, dass der IS eine Bombe an Bord geschmuggelt habe. Die Extremistengruppe selbst hatte sich zu einem Anschlag bekannt und kündigte an, später Details zu nennen.

          Was wissen wir?

          Ein Airbus 321 ist am Samstag bei einem Charterflug vom ägyptischen Sharm el Sheikh nach Sankt Petersburg auf der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Menschen an Bord kamen bei dem Unglück ums Leben. Fast alle waren russische Staatsangehörige. Das Flugzeug war nur etwa 20 Minuten in der Luft, bevor es abstürzte.

          Es sank beinahe senkrecht und nicht so langsam wie bei einem technischen Versagen üblich. Dazu passt, dass erste Auswertungen des Stimmenrekorders laut „Wall Street Journal“ ergaben, dass die Piloten sich vor dem Absturz nicht über technische Probleme unterhalten hatten. Auch hatten russische Ermittler kurz nach dem Absturz erklärt, die Maschine sei schon während des Flugs zerbrochen.

          Das abgestürzte russische Flugzeug - war es eine Bombe?

          Der ägyptische Ableger des „Islamischen Staats“, der sich „Provinz Sinai“ nennt, bekannte sich auf Twitter dazu, „russische Kreuzzügler“ getötet zu haben. Am Mittwoch bekannte er sich abermals zu dem vermeintlichen Anschlag. Russland unterstützt im syrischen Bürgerkrieg das Regime Baschar al Assads gegen Milizen wie den IS.

          Die Region um die Sinai-Halbinsel ist für Flüge nicht gesperrt. Verschiedene Luftfahrtbehörden warnen aber davor, zu tief zu fliegen, weil der IS dort mit Waffen aktiv ist.

          Was wissen wir nicht?

          Wie es dem IS gelungen sein soll, das Flugzeug zum Absturz zu bringen, ist noch unklar. Zunächst hieß es, die Terroristen hätten es abgeschossen.

          Ägyptische und russische Behörden bezweifeln diese Version. Sie weisen darauf hin, dass der IS auf der Sinai-Halbinsel nicht über Waffen verfüge, um eine in rund 9000 Metern Höhe fliegende Maschine abzuschießen.

          Der ägyptische Außenminister erklärte, die Verlautbarungen der britischen Regierungen seien verfrüht und ungerechtfertigt. Russland kündigte am Donnerstag immerhin eine harte Reaktion und schärfere Sicherheitsmaßnahmen an, sollte der Verdacht sich bestätigen.  

          Inzwischen gehen Briten und Amerikaner aber von einer Bombe an Bord und nicht mehr von einem Abschuss aus. „Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Absturz durch einen Sprengsatz an Bord verursacht wurde“, sagte der britische Außenminister Philipp Hammond am Mittwochabend in London.

          Namentlich nicht genannte amerikanische Sicherheitsbeamte äußerten am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, es gebe Hinweise darauf, dass der IS einen Mitarbeiter des Flughafens oder der Fluglinie bestochen habe, eine Bombe an Bord zu schmuggeln. Andere Erklärungen für den Absturz würden aber nach wie vor nicht ausgeschlossen.

          Zudem sagte eine den Ermittlungen nahestehende Person der Nachrichtenagentur Reuters, die Absturzstelle werde auf Spuren untersucht, die auf eine Bombe schließen ließen.

          Video zeigt Absturz

          Unterdessen ist ein Video im Netz aufgetaucht, das mutmaßlich den Absturz des Airbus 321 zeigt. Mehrere andere Videos waren zuvor als Fälschungen enttarnt worden. Bei diesem Video gingen Sicherheitskreise davon aus, dass es authentisch sei, berichtet die „Welt“.

          Nach dem Stopp aller Flüge zwischen Großbritannien und Scharm el Scheich sitzen nach Angaben des britischen Verbands der Reiseanbieter mindestens 9000 Briten in der ägyptischen Urlaubsregion fest.

          Der Sinai ist Schauplatz erbitterter Auseinandersetzungen zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und aufständischer Islamisten. Sollte der IS tatsächlich das Flugzeug zum Absturz gebracht haben, wäre das ein schwerer Schlag für die ägyptische Tourismusbranche, die eine wichtige Säule der Wirtschaft ist. Zudem wäre es ein Rückschlag für den ägyptischen Präsidenten al Sisi, der zuletzt erklärt hatte, die Lage auf dem Sinai sei unter Kontrolle.

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.