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Feuerpause : In Aleppo entscheidet sich der Syrien-Krieg

Ein Mann, mit Staub bedeckt, läuft durch das zerstörte Aleppo. Bild: AFP

Besonders fatal am Krieg in Syrien ist das Engagement Russlands. Moskau zwingt alle Beteiligten zu einer neuen Bündnispolitik – die zur großen Gefahr für den Westen werden kann. Ein Kommentar.

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          Was im Februar in München mit der Vereinbarung von Feuerpausen in Syrien und der Einsetzung von drei Arbeitsgruppen hoffnungsvoll begonnen hatte, ist ein halbes Jahr später zu einem Fiasko geworden. Beide Konfliktparteien haben die kurzen Unterbrechungen der Kampfhandlungen nur genutzt, um kräftig aufzurüsten. Aus Protest gegen die Aussichtslosigkeit der in Genf tagenden Arbeitsgruppen für humanitäre Hilfe hat der UN-Syriengesandte de Mistura am Donnerstag nach nur acht Minuten eine Sitzung beendet.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Das blieb nicht ohne Wirkung. Russland hatte sich lange geweigert, einer Waffenruhe von 48 Stunden zuzustimmen, um Aleppo zu versorgen. Dann stimmte Moskau doch noch zu, wenn auch erst für kommende Woche. Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer. Denn ohne eine Kampfpause und ohne Korridore, um der notleidenden Zivilbevölkerung zu helfen, bleibt jeder Vorschlag für eine baldige politische Übergangslösung zur Beendigung des Kriegs ein Wunschtraum.

          Die Schlacht um Aleppo entscheidet über den Fortgang des Krieges. Keine Seite will sie verlieren. Der Preis ist eine humanitäre Katastrophe unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Regime und Rebellen bieten alles auf, was sie mobilisieren können. Die Folgen sind auf dem diplomatischen Parkett ein Stillstand, auf dem Schlachtfeld ein Patt – mit leichtem Vorteil für Assad. Den Krieg kann er trotz massiver Unterstützung durch Moskau aber nicht gewinnen. Gebannt ist für ihn jedoch die Gefahr, dass er ihn verliert. Auch aus diesem Grund ist das Regime in Damaskus zu keinen Zugeständnissen bereit.

          Erweiterung der Achse Moskau-Teheran-Damaskus

          Fatal ist, dass Russland kriegsentscheidende Partei wurde und das amerikanische Engagement gering ist. Unbedeutend ist es aber nicht. Denn die Rebellen, die es von Jordanien aus im Süden Syriens unterstützt, sind relativ moderat. Die Rebellen, die über die Türkei mit Nachschub versorgt werden, unterscheiden sich in ihrer Ideologie kaum mehr vom „Islamischen Staat“. Eine weitere Gefahr für den Westen ist die forcierte Bündnispolitik Moskaus.

          Die russischen Langstreckenbomber, die von Iran aus starten, sind Vorzeichen einer neuen Militärallianz. In Moskau werden erste Stimmen laut, man solle Flugzeuge auf der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik stationieren. Die Erweiterung der Achse Moskau-Teheran-Damaskus um die Türkei wäre für den Westen eine weitere Niederlage im Krieg um Syrien.

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