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Festnahme von Albert Saber : Gerücht genügt

  • -Aktualisiert am

Vor Gericht: Albert Saber bekommt Zuspruch von seiner Mutter Bild: AFP

Eine Koptin ruft in Kairo die Polizei und bittet um Hilfe: Ihr Sohn soll den Islam beleidigt haben und wird nun bedroht. Nun sitzt der 27-Jährige im Gefängnis und ist wegen Blasphemie und Propheten-Beleidigung angeklagt.

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          Kariman Masiha kann es noch immer nicht fassen. „Warum verhaftet die Polizei meinen Sohn, statt ihn vor der wütenden Menge zu schützen?“, fragt sie. Mitte September wurde der junge Kopte Albert Saber festgenommen, nachdem eine Gruppe Männer das Haus der Familie im Kairoer Stadtteil Ezbet al Nakhl belagert hatte. Seine Mutter rief die Polizei an - im Glauben, sie würde ihren Sohn vor den Angreifern in Sicherheit bringen. Doch einen Tag später führten Polizisten Albert Saber ab, angeblich, weil er das islamfeindliche Schmähvideo „Unschuld der Muslime“ auf seiner Facebook-Seite hochgeladen hatte. Bis heute hat die Staatsanwaltschaft dafür keine Beweise vorgelegt.

          Doch allein das Gerücht genügte aufgebrachten Nachbarn als Anlass, Sabers Haus zu umstellen. Sie drohten, einzubrechen und ihn umzubringen. Auch eine in der Nähe gelegene Kirche wollten sie anzünden. Gemeinsam mit ihrer Tochter ist Sabers Mutter inzwischen an einem anderen Ort untergekommen. „Ich weiß nicht, wann ich zurückkann“, sagt sie. Um ihren Hals hängt ein silbernes Kreuz. Immer wieder seit der Festnahme seien Männer vor ihrem Haus aufgetaucht. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat eine Kampagne zur Freilassung Sabers gestartet. Er sei ein „politischer Häftling, der allein deshalb verhaftet wurde, weil er von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht“ habe.

          DVD könnte zum Verhängnis werden

          Der Fall zeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann im neuen Ägypten. In den Vereinigten Staaten lebende ägyptische Kopten sollen hinter dem Schmähfilm stecken. Die christliche Minderheit wurde schnell zum Ziel muslimischer Scharfmacher. Seit den Krawallen, die am 11. September vor der Botschaft der Vereinigten Staaten in Kairo begannen, ist die Stimmung zwischen den auf acht Millionen geschätzten Kopten und der großen Mehrheit der mehr als achtzig Millionen Ägypter angespannter denn je. Und das wirkt sich auch auf die Justiz aus.

          Sabers Mutter vermutet zwar, dass auch politische Gründe hinter der Anklage stecken - schließlich war ihr Sohn schon vor der Revolution gegen den im Februar 2011 gestürzten Präsidenten Husni Mubarak politisch aktiv. Später schloss er sich der von Friedensnobelpreisträger Mohamed El Baradei geführten Nationalen Vereinigung für den Wandel an. Doch erst als die Religion ins Spiel kam, entlud sich der Volkszorn gegen Albert Saber in voller Stärke: Als die Polizei ihn abführte, rief die johlende Menge: „Allahu Akbar!“

          Zuletzt verlängerte die Verfolgungsbehörde die Untersuchungshaft Sabers. Mitte Oktober muss sich der 27 Jahre alte Kopte nun wegen Blasphemie und religiöser Verachtung von Islam und Christentum sowie Beleidigung des Propheten vor Gericht verantworten. Vor allem eine DVD, welche die Polizei in seiner Wohnung beschlagnahmte, könnte ihm zum Verhängnis werden. Darauf ist Saber zu sehen, wie er geistliche Führer aller Religionen und Konfessionen kritisiert und ihnen vorwirft, Fanatismus zu verbreiten.

          Immer mehr Verfahren gegen Kopten

          Das sind Aussagen, die unter den mehrheitlich frommen Ägyptern nicht auf besonders große Zustimmung stoßen - weder unter Christen noch unter Muslimen. Zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Haft drohen dem erklärten Atheisten Albert Saber. Die Höchststrafe strebt die Staatsanwaltschaft an, deren Vertreter ihn bezichtigen, „seine extremistischen Ansichten“ mit dem bewussten Ziel im Internet verbreitet zu haben, „konfessionelle Konflikte zu schüren“. Sabers Anwalt Ahmed Ezzat hält dagegen, dass sein Mandant niemanden tätlich angegriffen oder daran gehindert habe, seine Religion auszuüben. Er bezweifelt, dass er einen fairen Prozess bekommen werde - viele Richter seien religiös voreingenommen.

          Auch der Leiter der Ägyptischen Initiative für Persönlichkeitsrechte, Hussam Bahgat, hat das beobachtet. Vor der Revolution seien es zwei Fälle jährlich gewesen, die er wegen Verstoßes gegen das Blasphemiegesetz bearbeitet habe. Seit dem Sturz Mubaraks seien es schon 14 gewesen. Das Verfahren gegen Saber ist schon das zweite seit dem Amtsantritt von Präsident Muhammad Mursi Ende Juni, das gegen einen Kopten geführt wird. Mitte September hatte ein Gericht einen Mann wegen Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed und Präsident Mursis zu sechs Jahren Haft verurteilt.

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