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Festakt in Benghasi : Wahl in Libyen bis nächsten Juni

Kämpfer aus Sirte werden in Benghasi begeistert empfangen Bild: dapd

Hunderttausende Libyer haben sich am Sonntag in Benghasi versammelt, um die Befreiung ihres Landes zu feiern. Unterdessen hat eine Autopsie des Leichnams Gaddafis ergeben, dass dieser durch einen Kopfschuss getötet wurde.

          In der libyschen Stadt Benghasi haben sich am Sonntagabend mehrere hunderttausend Menschen zu einem Festakt versammelt, in dem sie nach der Eroberung der Stadt Sirte die Befreiung des ganzen Landes feierten. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abd al Dschalil, verkündete offiziell den Sieg über das Gaddafi-Regime und versprach, die Basis für das neue Libyen werde die islamische Rechtsprechung.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          In Benghasi hatten am 15. Februar die Proteste gegen das Regime Gaddafis begonnen. Der Nationale Übergangsrat teilte mit, die Feier markiere offiziell das Ende des acht Monate dauernden Kriegs gegen Gaddafi und leite den Übergang in eine demokratische Ordnung ein. Demnach werde der Übergangsrat innerhalb von 30 Tagen eine Übergangsregierung berufen, sagte Mahmud Dschibril, der Vorsitzende des Exekutivausschusses des Übergangsrats. Dieser Regierung werde er nicht angehören, bekräftigte Dschibril.

          Innerhalb von acht Monaten, also bis Juni 2012, solle eine verfassunggebende Versammlung gewählt werden, der „libysche Kongress“, so Dschibril weiter. Danach sind innerhalb weiterer zwölf Monate Wahlen für ein Parlament und den Staatspräsidenten vorgesehen. Dschibril nannte als wichtigste Aufgabe der kommenden Wochen, die Waffen einzusammeln, die zahlreichen Milizen zu entwaffnen sowie die politischen Gruppierungen zu einen. An der Kundgebung in Benghasi nahmen die Einheiten teil, die Sirte befreit hatten. Sie wurden mit einem Heldenempfang begrüßt. Gaddafi hatte Benghasi vernachlässigt; die Stadt fordert nun eine wichtige Rolle im neuen Libyen ein. Allerdings hat der Übergangsrat stets betont, dass Tripolis Hauptstadt bleibe.

          Eine Autopsie des Leichnams von Gaddafi hatte zuvor ergeben, dass dieser durch einen Schuss in den Kopf getötet worden sei. Das teilte Libyens führender Gerichtsmediziner mit, Othman al Zintani. Er gab aber keine Einzelheiten bekannt. Erst wolle er dem Generalstaatsanwalt seinen Bericht vorlegen. Vier Ärztegruppen hatten vorher schon den Leichnam untersucht und Schusswunden am Kopf und im Unterleib festgestellt. Gaddafis Leichnam wird mit denen seines Sohnes Mutassim und seines Verteidigungsministers Abu Bakr Yunus in einem Kühlraum eines Einkaufszentrums von Misrata aufbewahrt, wo ihn die Bevölkerung sehen kann. Misrata war während der achtmonatigen Erhebung gegen Gaddafis Regime die am heftigsten umkämpfte Stadt.

          Die neue Führung bedauert Tod Gaddafis

          Die neue Führung bedauerte den Tod Gaddafis und erklärte sich zu einer Untersuchung der Todesumstände bereit, wie sie das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte gefordert hat. Er hätte sich gewünscht, dass sich Gaddafi vor einem Gericht den Fragen des libyschen Volkes stellen müsse, sagte Dschibril. Es sei aber nicht geklärt, ob der Kopfschuss von einem Soldaten des Übergangsrats abgefeuert worden sei oder von einem Leibwächter Gaddafis. Der Diktator war am Donnerstag nahe Sirte gefangen genommen worden. Videos deuten darauf hin, dass er von Soldaten des Übergangsrats hingerichtet wurde.

          Gaddafi werde an einem geheimen Ort beigesetzt, forderte in der Hauptstadt Tripolis der Imam der größten Moschee, Muhammad al Futaisi. Das habe rasch zu geschehen, denn es gebe viele, die Gaddafi in Stücke reißen wollten. Es sei aber an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Angehörige der Familie Gaddafi haben sich an die Vereinten Nationen und an Amnesty International mit der Bitte gewandt, sich dafür einzusetzen, dass ihnen der Leichnam Gaddafis übergeben werde.

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