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Bürgerkrieg in Syrien : EU: Hilfskonvoi steht vor Aleppo bereit

  • Aktualisiert am

Syrische Hilfstruppen bergen am 28.September ein kleines Mädchen, das in den Trümmern eines eingestürzten Hauses in Aleppo überlebt hat. Bild: AP

Aleppo erlebt die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Syrien-Krieges. Krankenhäuser liegen in Schutt und Asche, Medikamente fehlen. Die Europäische Union will nicht länger zuschauen und reagiert mit konkreten Nothilfen.

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          Angesichts der katastrophalen Lage in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo plant die Europäische Union eine Nothilfe-Initiative. Es gehe darum, Hilfsorganisationen den Einsatz zu ermöglichen und Zivilisten zu schützen, teilten die Außenbeauftragte Federica Mogherini und der Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, am Sonntag in Brüssel mit. Die Vereinten Nationen seien ebenfalls mit im Boot.

          Nach Angaben der Union steht ein Hilfskonvoi im Westen Aleppos bereit, um medizinische Güter, Wasser und Lebensmittel in den Ostteil der Stadt zu liefern. Der Konvoi könne bis zu 130.000 Menschen versorgen. Gleichzeitig sollen Kranke und Verletzte aus dem Osten Aleppos evakuiert werden, insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen.

          Evakuierungen aus medizinischen Gründen auch aus anderen belagerten Gebieten müssten ermöglicht werden, forderten die EU-Vertreter. Die EU sei bereit, falls nötig auch eine Behandlung von Menschen in Europa zu ermöglichen. Zudem kündigten sie ein 25 Millionen Euro schweres Hilfspaket an.

          Aleppo erlebt seit einigen Tagen die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren. Die Luftangriffe auf Krankenhäuser bringen laut UN die medizinische Versorgung der Bevölkerung an den Rand des totalen Zusammenbruchs.

          Patienten müssten abgewiesen werden, es fehle an allen Ecken und Enden an Medikamenten, sagte der Koordinator des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), Stephen O'Brien. „Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit.“ Nach UN-Angaben sind mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden, darunter eine Kinderklinik für Tausende Patienten.

          Die Menschen müssten unter schlimmsten Bedingungen in der Stadt ausharren, sagte O'Brien am Sonntag in Genf. Er wiederholte die Forderung, die Angriffe einzustellen. Das Mindeste sei eine 48-stündige Feuerpause pro Woche, um die Kranken und Verletzten aus der Stadt bringen zu können. Eine Waffenruhe für Syrien war im vergangenen Monat gescheitert.

          Die EU rief die Konfliktparteien dazu auf, die nötigen Schritte zu ermöglichen und kündigte an, man werden „in den nächsten Stunden und Tagen“ intensiv darauf hinarbeiten. Die Durchführung solle allein bei humanitären Organisationen liegen. Am 19. September war ein Hilfskonvoi der Vereinten Nationen aus der Luft angegriffen worden. UN-Vertretern zufolge war der Konvoi der Lastwagen mit Hilfsgütern für die Region Aleppo in intensiven Verhandlungen mit den dortigen Kriegsparteien vorbereitet worden. Er sei klar als humanitärer Transport gekennzeichnet gewesen.

          Schwere Verluste unter den Rebellen

          Mit Hilfe russischer Luftangriffe sind syrische Regierungstruppen weiter gegen Rebellen in der umkämpften Metropole Aleppo vorgerückt. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag berichtete, konnte die Armee im Norden der Stadt Gebiete der Rebellen zurückerobern. Unter den Rebellen habe es „schwere“ Verluste gegeben.

          Die Führung der syrischen Armee rief zudem alle Aufständischen im Osten der geteilten Stadt dazu auf, die belagerten Viertel zu verlassen. Die Armee werde einen sicheren Abzug garantieren, berichtete die syrische staatliche Nachrichtenagentur Sana.

          Zerstörtes Lazarett in Aleppo

          Ein von Saudi-Arabien dominiertes Bündnis von Golfstaaten forderte unterdessen den UN-Sicherheitsrat dazu auf, angesichts der Gewalt in Aleppo schnellstmöglich einzugreifen. In einem Bericht der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA verurteilte der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrates (GCC), Abdel Latif al Sajani, die schweren Luftangriffe als Verstoß gegen internationales Recht und menschliche Ethik. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse endlich relevante Resolutionen beschließen.

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