https://www.faz.net/-gq5-y4yj

EU-Bürger in Libyen : KSK-Kräfte halten sich bereit

  • Aktualisiert am

Die Besatzung der Transall-Flugzeuge nach ihrer Ankunft in Malta Bild: REUTERS

Die EU-Staaten bemühen sich, ihre noch in Libyen befindlichen Bürger aus dem Land zu bringen. Am Donnerstag befanden sich noch 3400 Europäer in Libyen. Für den Fall, dass Ausländer unter direkter Bedrohung stehen, halten sich auch bewaffnete Kräfte der Bundeswehr bereit.

          2 Min.

          Die EU-Staaten bemühen sich weiter, ihre noch in Libyen befindlichen Bürger aus dem Land zu bringen. Laut am Freitag veröffentlichten Zahlen befanden sich am Donnerstag noch 3400 Europäer in Libyen, 3600 wurden bereits außer Landes gebracht. Die EU-Außenbeauftragte Ashton sagte, es gebe auch Europäer mit doppelter Staatsangehörigkeit in Libyen, die das Land nicht verlassen wollten. Diplomaten am Sitz der Nato in Brüssel sagten, die Nato könne ein Lagezentrum zur Koordinierung von Evakuierungen und Hilfe anbieten; außerdem bestehe die Möglichkeit, mehrere im Mittelmeer stationierte Kriegsschiffe näher an Libyen zu verlegen.

          Die Bundeswehr hat zuletzt mit zwei „Transall“-Transportflugzeugen Deutsche und andere Europäer nach Malta verbracht, von wo aus sie nach Hause reisen konnten. Für den Fall, dass Ausländer unter direkter Bedrohung stehen, halten sich auch bewaffnete Kräfte der Bundeswehr bereit. Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Christian Schmidt sagte am Freitag, die Bundeswehr sei auch dafür gerüstet, bei der Evakuierung robust vorzugehen. Notfalls würden die Soldaten deutsche Bürger auch „mit aktivem Schutz“ in Sicherheit bringen.

          Meldungen, wonach KSK-Spezialkräfte der Bundeswehr bereits in Tripolis im Einsatz seien, wurden im Verteidigungsministerium in Berlin als unzutreffend zurückgewiesen. Doch halten sich die Spezialkräfte, die in den neunziger Jahren zunächst vor allem für bewaffnete Evakuierungsoperationen aufgestellt worden sind, in solchen Fällen für einen schnellen Einsatz bereit. Zur Unterstützung der Evakuierung hat die Deutsche Marine bereits drei Schiffe vor die libysche Küste beordert: Die Fregatten „Brandenburg“ und „Rheinland-Pfalz“ sowie einen Einsatzgruppenversorger mit einem Hubschrauber; am Freitag waren sie in Malta. Ein zweiter Hubschrauber wurde nachgeführt.

          Zwei Hubschrauber wären nötig

          Für Landoperationen wären nach den Einsatzgrundsätzen mindestens zwei Hubschrauber nötig. Das Heer verwies auf seiner Internetseite zudem auf einen bis zu 1500 Mann starken Einsatzverband von Fallschirmjägern, die mit einer Luftlandeoperation gegebenenfalls eine schnelle Evakuierung aus Krisengebieten unterstützen könnten. In der Spitze des Verteidigungsministeriums hieß es jedoch, es sei „definitiv nicht an eine größere militärische Operation oder Intervention“ gedacht.

          Auch Außenminister Westerwelle sagte, dass der Einsatz der Deutschen Marine vor Libyen nicht im Zusammenhang mit einer militärischen Intervention stehe, sondern allein dem humanitären Anliegen der Heimholung Deutscher gelte. Westerwelle sagte, dass es für Deutschland Priorität habe, zunächst die verbliebenen etwa 160 deutschen Staatsbürger aus dem Land zu holen, auf allen Wegen: „zu Land, zu Wasser und zu Luft“.

          Die türkische Regierung will ihre in Libyen festsitzenden Staatsbürger notfalls mit gezielten Militäreinsätzen aus dem Land herausholen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe den Generalstab in schriftlich angewiesen, Spezialeinheiten auf diesen Einsatz vorzubereiten, berichtete die türkische Tageszeitung „Bugün“ am Freitag. Von zunächst rund 25.000 Türken in Libyen hat Ankara bis Freitag etwa 8300 außer Landes gebracht. Die größte Zahl ist in der Hafenstadt Benghazi mit Fähren abgeholt worden. Vier Fregatten der türkischen Marine schützen den Einsatz. Auch China leitete die Evakuierung von 15.000 seiner 30.000 in Libyen arbeitenden Bürger ein.

          Topmeldungen

          Königin Elisabeth II. am Montag im britischen Parlament neben ihrem Sohn, Prinz Charles.

          Britisches Unterhaus : Queen’s Speech – und dann?

          Die britische Königin hat an diesem Montag mit ihrer Rede das Parlament wiedereröffnet und die Politikvorhaben der Regierung vorgestellt. Im Brexit-Prozess ist das jedoch nur ein Intermezzo.
          Thomas Cook macht Bankrott in einer Zeit, in der das Fliegen als unnötige, im Grunde schon unlautere Handlung gilt. Worüber aber wird berichtet? Über die Streichung von Flügen und steckengebliebene Urlauber.

          Politische Willensbildung : Wer hat noch Mut zum Zweifeln?

          Politik ist die Vertretung von Interessen. Aber die werden kaum noch ausgesprochen. Statt Streit zuzulassen, erstickt man ihn meistens schon im Keim. Über einen immer enger werdenden Spielraum.
          Die Gesundheit des Babys ist für Eltern das höchste Gebot – nicht erst ab der Geburt.

          Verfrühter Mutterschutz : Kaum schwanger, schon weg

          Immer häufiger werden Erzieherinnen und Lehrerinnen lange vor der Geburt des Kindes krankgeschrieben. In vielen Kitas und Grundschulen führt das zu Schwierigkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.