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Ethnische Säuberung in Syrien : Im Schatten des Kriegs

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Totengebet in Beirut: Für Kämpfer der Hizbullah, die in Syrien gefallen sind. Bild: AFP

Systematische Umsiedlungen und Häuserzerstörungen: Eine Studie hat konfessionelle Säuberungen des Assad-Regimes dokumentiert. Seine Helfer sind schiitische Verbündete aus dem Libanon und Iran.

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          Im Westen Syriens kämpfen an der Grenze zum benachbarten Libanon schon lange nicht mehr nur die Soldaten der syrischen Armee für das Regime. Das Regime hätte die Region ohne die Schlagkraft der schiitischen Hizbullah längst verloren. Am vergangenen Samstagabend konnte der Generalsekretär der libanesischen Hizbullah, Hassan Nasrallah, in einer Fernsehansprache bedeutende Siege seiner Miliz in dem Qalamun-Gebirge verkünden, das sich nördlich von Damaskus parallel zur Grenze zum Libanon erstreckt.

          Die Kämpfe dauerten dort schon mehr als zwei Wochen, sagte Nasrallah, und sie seien noch nicht beendet. Die Kämpfer der Hizbullah hätten nun aber die Angehörigen der Nusra-Front und anderer sunnitischer Milizen aus der strategisch wichtigen Gegend vertrieben.

          Denn die Hizbullah habe der Rebellenkoalition, die sich im Qalamun den Namen „Armee des Sieges“ gegeben hatte, entscheidende Niederlagen zugefügt, und habe die Stadt Zabadani - die zu Beginn des Aufstands im Frühjahr 2011 eine Hochburg gemäßigter Regimegegner gewesen war - von Gebieten abgeschnitten, die ebenfalls von bewaffneten Rebellengruppen gehalten würden. Nasrallah verkündete ferner, dass die Verbindungsstraße zwischen Damaskus und Homs, die für die syrische Armee lebenswichtig ist, wieder vollständig unter Regierungskontrolle sei.

          Assad verdankt zahlreiche Rückeroberungen der Hizbullah

          Der 54 Jahre alte Generalsekretär führt in Syrien für die regulären syrischen Einheiten, die nach vier Jahren ausgezehrt sind, Krieg. Auf die Hilfe der Miliz ist Assads Regime vor allem im Westen der Provinz Homs angewiesen, wo es der Opposition im ersten Revolutionsjahr gelungen war, das Regime in die Defensive zu drängen. Dort wäre die Rückeroberung des Grenzortes Qusair im Frühjahr 2013 ohne die Hilfe von Nasrallahs Truppen nicht möglich gewesen, und auch das Qalamun-Gebirge stünde längst unter Kontrolle sunnitischer Dschihadisten, wäre die Hizbullah nicht den Rufen aus Damaskus und Teheran gefolgt, die Grenzregion zu verteidigen.

          Die 1982 mit Hilfe Teherans als antiisraelische Miliz gegründete Hizbullah soll seit dem ersten Eingreifen in den Konflikt Ende 2012 mehr als tausend Mann verloren haben.

          Nasrallah hatte das Eingreifen zugunsten des Regimes in Damaskus mit der Notwendigkeit begründet, dort die Schiiten gegen sunnitische Übergriffe zu verteidigen. Die Hizbullah hat sich dabei nicht nur völkerrechtlich zulässiger Mittel bedient. Das dokumentiert ein Bericht der Organisation „Naame Shaam“ (persisch für „Brief aus Syrien“), der an diesem Montag in Washington vorgestellt wird.

          Der Titel der 56 Seiten langen Studie lautet: „Stille ethnische Säuberung – Irans Rolle bei Massenzerstörung und Bevölkerungstransfer in Syrien“. Sie war bereits Anfang Mai dem Internationalen Strafgerichtshof überreicht worden. Auch die Unabhängige Internationale Syrien-Ermittlungskommission der Vereinten Nationen ist über die Arbeit der vom Libanesen Fuad Hamdan geführten Organisation im Bild.

          Menschenrechtler aus Syrien, Iran und dem Libanon haben die Studie verfasst. Sie werfen Assad sowie seinen iranischen und libanesischen Verbündeten vor, eine systematische Politik von Zwangsumsiedlungen zu betreiben sowie gezielt Häuser und den Besitz von Regimekritikern zu zerstören. Die Regimekritiker und Rebellen sind in der Mehrheit sunnitisch, Assad und die Führung des Regimes gehören hingegen der Religionsgemeinschaft der Alawiten an, die zu den Schiiten gerechnet wird.

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