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+++ Bagdad Briefing +++ : Erst der „Islamische Staat“, dann Assad

  • -Aktualisiert am

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat in Raqqa Bild: AP

Amerikas Angriffe auf Stellungen der Terrorgruppe rund um Raqqa bedeuten eine Wende im Syrien-Krieg. Sie bieten der Opposition die Chance, endlich auch das Regime Baschar al Assads ins Visier zu nehmen.

          Knapp 400 Tage nachdem das Regime Baschar al Assads den Damaszener Vorort Ghouta mit Giftgas bombardieren ließ, hat Amerika nun doch zugeschlagen: Die Luftangriffe auf Stellungen des „Islamischen Staats“ in Raqqa bedeuten eine Wende im Syrien-Krieg. Das erste direkte militärische Eingreifen der Vereinigten Staaten in den Konflikt wird eben so wenig ohne Folgen bleiben wie die Weigerung Präsident Barack Obamas vor einem Jahr, seine Drohung wahrzumachen, die Überschreitung der von ihm selbst gezogenen „roten Linie“ eines Chemiewaffeneinsatzes zu bestrafen.

          Waffenlager, Kommandozentralen und Kasernen der Terrorgruppe Abu Bakr al Bagdadis griffen Amerika und vier arabische Verbündete in der Nacht auf Dienstag an – mit Drohnen und Kampffliegern. Die Ziele lagen allesamt im Osten Syriens, dem Kernland des „Islamischen Staats“, dem es lange vor seinem Siegeszug im Irak gelungen ist, in der Euphrat-Stadt Raqqa ein Minikalifat auszurufen. Dorthin, und in die Gegend weiter östlich nahe der irakischen Grenze, haben sich die Kämpfer um IS-Anführer Bagdadi in den vergangenen Wochen zurückgezogen, nachdem Amerika seine Luftangriffe auf Stellungen rund um Mossul begonnen hatte.

          Wende im Krieg

          Das Ausmaß der Angriffe auf IS-Stellungen in Ostsyrien deutet auf eine Wende im Krieg gegen die Islamofaschisten hin. Waren in den vergangen sechs Wochen nicht einmal 170 Angriffe geflogen worden, die meist nur Fahrzeugen oder Geschützstellungen galten, so war die Attacke in der Nacht auf Dienstag massiv: Mit Unterstützung aus Bahrein, Qatar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Jordanien griff die amerikanische Luftwaffe an.

          Das Bündnis aus den drei Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) mit dem haschemitischen Königreich hatte dem amerikanischen Außenminister John Kerry vor zwei Wochen auf einem Treffen in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschiddah seine Unterstützung im Kampf gegen die Terrorgruppe zugesagt.

          Nur ein Regimewechsel macht Verhandlungen möglich

          Offizielles Ziel der Angriffe ist es Pentagon-Sprechern zufolge, dem „Islamischen Staat“ um seine sicheren Rückzugsgebiete zu bringen. Doch ein Jahr, nachdem Obama die Frage nach eines militärischen Eingreifens in Syrien negativ beantwortet hatte, steht nun abermals im Raum, was die innersyrischen Gegner des „Islamischen Staats“ seit mehr als zwei Jahren fordern: Angriffe auf Stellungen von Regierungseinheiten und – regime change.

          Denn nur mit einem Regimewechsel in Damaskus wird der Raum frei für Verhandlungen über eine Übergangsregierung, die die zutiefst gespaltene syrische Gesellschaft wieder zusammenführen könnte. Mehr als 200.000 Tote und zehn Millionen Vertriebene in drei Jahren sind das Ergebnis einer Politik, die nicht zuletzt durch Zaudern und Zögern der Weltgemeinschaft befördert wurde. Dass nun der „Islamische Staat“ angegriffen wurde, ist ein Anfang. Die logische Konsequenz wäre, die Bastionen jenes Mannes ins Visier zu nehmen, der die Terrorgruppe bewusst groß werden ließ, um die Opposition zu spalten. Und der heißt Assad.

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