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Eroberung von Palmyra : Putin will in Syrien weiterkämpfen

  • Aktualisiert am

Syrische Soldaten schleppen am Karsamstag einen verwundeten Kameraden aus den Ruinen von Palmyra. Bild: dpa

Syrische Regierungstruppen bereiten dem IS seine schwerste Niederlage – flankiert von zahlreichen Angriffen der russischen Luftwaffe. Nun stellt Wladimir Putin weitere Hilfe für Palmyra in Aussicht.

          Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem syrischen Staatspräsidenten Baschar al Assad in einem Telefongespräch zur Rückeroberung der antiken Stadt Palmyra gratuliert. Ungeachtet des Teilabzugs des russischen Militärs aus Syrien werde Moskau der Regierung in Damaskus weiterhin im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) helfen, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow, der über den Inhalt des Gesprächs Auskunft gab, am Sonntag. Assad erwiderte demzufolge, dass „Erfolge wie die Befreiung Palmyras ohne Russlands Hilfe unmöglich“ seien.

          Der Kreml ist ein enger Partner des Regimes in Damaskus. Der Westen kritisiert, Moskau treffe mit Attacken auch die gemäßigte Opposition.

          Mit Dutzenden Luftangriffen unterstützte Russland nach eigenen Angaben abermals die syrische Armee bei der Rückeroberung von Palmyra. Bei 40 Einsätzen hätten Kampfjets rund 120 Stützpunkte bombardiert, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Sonntag auf Twitter mit. Dabei seien innerhalb von 24 Stunden etwa 80 Terroristen getötet sowie Munitionsdepots, Panzer und großkalibrige Geschütze zerstört worden.

          Russland will nach der Einnahme in Palmyra den syrischen Truppen dabei helfen, Minen zu räumen. Der Erhalt dieser „einzigartigen Stadt“ sei wichtig für das Weltkulturerbe. Soldaten Assads hatten laut Informationen der Nachrichtenagentur AFP direkt nach der Einnahme mit der Entschärfung begonnen. Kremlsprecher Peskow zufolge telefonierte Putin auch mit der bulgarischen Unesco-Generalsekretärin Irina Bokowa. Sie habe zugesagt, Moskau über den Plan zur Wiederherstellung zerstörter Anlagen in Palmyra zu informieren.

          Nach der Rückeroberung durch syrische Regimetruppen will die Unesco sobald wie möglich eine Kommission zur Sichtung der Kriegsschäden in der Stadt entsenden. Die UN-Organisation werde am 4. April über einen Besuch beraten, kündigte die russische Unesco-Vertreterin Eleonora Mitrofanowa an. Die Kommission soll auch über eine mögliche Wiedererrichtung zerstörter Denkmäler beraten. „Erst brauchen wir einen völligen Überblick. Die Terroristen haben den berühmten Triumphbogen sowie antike Tempel und Statuen zerschlagen und einen Teil der Anlage vermint“, sagte Mitrofanowa.

          Die syrischen Regierungstruppen hatten am Wochenende die Oasenstadt Palmyra vollständig zurückerobert und dem IS damit eine schwere Niederlage beigefügt. Die Armee habe die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Stadt nach heftigen nächtlichen Kämpfen gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Militärvertreter in Palmyra am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

          Der IS hatte Palmyra im Mai 2015 erobert. In den folgenden Monaten schockierten die selbsternannten Gotteskrieger mit Fotos brutaler Hinrichtungen in den Ruinen der antiken römischen Stadt und der Zerstörung zahlreicher Tempel, Grabmäler und Skulpturen.

          Die schwersten Niederlagen des IS

          Kobane

          Nach einer Reihe von Siegen erleidet die IS-Miliz im kurdischen Kobane am 26. Januar 2015 ihre erste, große Niederlage. Kurdische Kämpfer vertreiben die Dschihadisten - unterstützt durch amerikanische Luftangriffe - aus der Stadt in der Nähe der Grenze zur Türkei. Vier Monate erbitterter Kämpfe waren dem Sieg vorausgegangen.

          Tikrit

          Die Heimatstadt des einstigen irakischen Machthabers Saddam Hussein wird am 31. März 2015 von irakischen Regierungstruppen und schiitischen Milizen zurückerobert. Die Militäroperation in Tikrit, damals der größte Einsatz irakischer Soldaten gegen die  IS-Miliz, wird dadurch einfacher, dass die meisten der 200.000 Einwohner aus der Stadt geflüchtet sind.

          Sindschar

          Kurdische Einheiten im Irak vertreiben die IS-Kämpfer am 13. November 2015 aus der Stadt Sindschar nordwestlich von Bagdad. Damit wird auch ein entscheidender Nachschubweg für die Dschihadisten zwischen ihren Stellungen in Syrien und im Irak unterbrochen. Die IS-Miliz hatte Sindschar im August 2014 erobert und war danach brutal gegen die kurdischen Jesiden in der Region vorgegangen. Massaker, Vergewaltigungen und Versklavungen von jesidischen Frauen lösten weltweit Entsetzen aus.

          Ramadi

          Irakische Truppen erobern am 8. Dezember 2015 wichtige Bereiche der sunnitischen Stadt Ramadi im Irak. Zwei Wochen später, unterstützt von amerikanischen Luftangriffen, erreichen die Regierungseinheiten das Zentrum der Hauptstadt der Provinz Anbar, die seit Mai von der IS-Miliz besetzt war.

          Palmyra

          Syrische Regierungstruppen unterstützt durch russische Luftangriffe nehmen am 27. März 2016 die antike Wüstenstadt Palmyra wieder vollständig ein. Damit bereiten sie der IS-Miliz in Syrien ihre bis dahin schwerste Niederlage. Mit Palmyra geht den Dschihadisten de facto auch die syrische Wüste bis zur Grenze zum Irak verloren. (AFP)

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