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Russisch-türkisches Verhältnis : Erdogan wirft Putin Täuschung vor

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Das Verhältnis zwischen Putin und Erdogan, die sich Anfang November beim G-20-Gipfel in Antalya getroffen haben, ist abgekühlt. Bild: AP

Der türkische Präsident Erdogan zeigt sich enttäuscht vom russischen Präsidenten. Russische Flugzeuge bombardierten weiterhin Turkmenen und nicht den IS. Dabei hatte Putin gerade erst das Gegenteil versprochen.

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          Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat Russland vorgeworfen, in Syrien gegen die gemäßigte Opposition und nicht gegen die Terrormiliz IS vorzugehen. „Sie kämpfen nicht gegen Daesh (IS)“, kritisierte Erdogan in einem am Freitag bereitgestellten Interview mit dem Sender France 24. Vielmehr bombardiere Russland die in der Grenzregion lebende Minderheit der Turkmenen.

          Erst am Donnerstagabend hatte der russische Präsident Frankreich um Kartenmaterial gebeten, um zu erfahren, wo der IS steht und wo die moderate Opposition. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten Hollande sagte Putin, man wolle wissen, wo die moderate Opposition ist und diese nicht bombardieren.

          Die Türkei versteht sich als Schutzmacht der Turkmenen in Syrien und hatte das Vorgehen gegen die Minderheit mehrfach kritisiert. Zum Abschuss des Jagdbombers im russisch-syrischen Grenzgebiet am Dienstag sagte Erdogan: „Wir wollen keine Spannungen mit Russland.“ Es sei nun wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren.

          Die türkische Zeitung Hurriyet berichtete unterdessen, dass es eine Abmachung zwischen Russland und der Türkei gebe, Luftangriffe im Grenzbereich einzustellen. Die Türkei habe daraufhin ihre Angriffe auf IS-Ziele in Syrien gestoppt.

          Erdogan sagte, er habe Putin „einige Zeit“ nach dem Vorfall angerufen, jedoch keinen Rückruf erhalten. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte am Freitag, dass Erdogan seinen Amtskollegen Putin um ein Treffen am Rande des Klimagipfels an diesem Montag in Paris gebeten habe. Ob es zu einem Treffen kommt und ob die beiden Staatschefs miteinander telefoniert haben, ließ er offen. Noch am Donnerstag hatte der russische Außenminister Lawrow gesagt, es habe keinen Anruf des türkischen Präsidenten im Kreml gegeben.

          Der Kreml hat derweilen am Freitag den visafreien Reiseverkehr mit der Türkei zum 1. Januar 2016 einseitig aufgekündigt. Diese Entscheidung habe die Regierung nach dem schweren Zwischenfall im syrischen-türkischen Grenzgebiet getroffen, sagte Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Interfax zufolge am Freitag in Moskau. Grund sei eine „tatsächlich existierende und nicht ausgedachte“ terroristische Gefahr, so Russlands Chefdiplomat – ohne Details zu nennen. Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch kündigte für diesen Samstag eine Liste mit weiteren Sanktionen gegen die Führung in Ankara an.

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