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Entscheidungsschlacht in Tripolis : Rebellen stürmen Gaddafis Hauptquartier

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Rebellen haben die Kontrolle über die Residenz von Libyens Machthaber Gaddafi übernommen: Auf den Diktator stießen sie dabei nicht. Der Vorsitzende des Übergangsrats, Mahmud Dschibril, appellierte an die Kämpfer, ihre Gefangenen fair zu behandeln.

          6 Min.

          Die Aufständischen in Libyen haben die Residenz von Muammar al Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis erstürmt und dort ihre Flagge gehisst. In den schweren Kämpfen um den Komplex hätten sich etliche Kämpfer Gaddafis ergeben; die Männer seien abgeführt worden. Ob sich der Machthaber in Bab al Azizija aufhält, blieb zunächst ungewiss.

          Bei der Erstürmung der mit hohen Mauern befestigten und mehreren Toren versehenen Anlage seien zwölf Aufständische getötet worden. Die Rebellen innerhalb der Residenz feierten den Sturm der Residenz mit Freudenschüssen und riefen: „Gott ist groß“. Immer mehr Rebellenkämpfer stürmten in die Anlage. Sie öffneten die Waffenkammern in dem Komplex und plünderten sie. Die Nachrichtensender CNN und Al Dschazira zeigten Bilder von Aufständischen, die Waffen und Munition aus der Anlage trugen. Al Dschazira zeigte Bilder eines Rebellen, der ein vergoldetes Kalaschnikow-Sturmgewehr erbeutet hatte.

          Auf anderen Bildern war die von Einschusslöchern übersäte Fassade des Gebäudekomplexes zu sehen. Davor versuchten Kämpfer ein Denkmal umzustürzen, das eine goldene Hand zeigt, die ein Flugzeug zermalmt. Das Denkmal erinnert an die Bombardierung der Gaddafi-Residenz durch die Vereinigten Staaten in den 80er Jahren.

          Bild: OpenStreetMap, Stepmap

          Über den Verbleib Gaddafis herrscht Unklarheit. Sein Sohn Saif al Islam al Gaddafi hatte in der Nacht auf Dienstag in Tripolis behauptet, Gaddafi befinde sich „selbstverständlich“ in Tripolis. Am Montag hatten die Aufständischen noch behauptet, Saif Gaddafi befinde sich in Gefangenschaft. Wie sein Vater wird Saif Gaddafi wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit per internationalem Haftbefehl gesucht.

          Der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, rief die Libyer am Dienstagabend zur Einheit auf. „Wir müssen uns jetzt auf den Wiederaufbau konzentrieren und darauf, die Wunden zu heilen“, sagte Dschibril in einer am Dienstagabend vom arabischen Nachrichtensender Al Dschazira aus Doha übertragenen Pressekonferenz.

          Er versicherte, dass die Sicherheit in Tripolis und im ganzen Land wiederhergestellt werde. „Die Übergangsperiode hat jetzt begonnen.“ Dschibril appellierte an die Verantwortung der Kämpfer. Gefangene sollten fair und nach den Regeln der Genfer Konvention behandelt werden.

          Ban fordert Versöhnungsprozess

          Zuvor hatte auch UN-Generalsekretär Ban ki-Moon angesichts befürchteter Repressalien gegen libysche Regierungstruppen zur Versöhnung aufgerufen. Ban telefonierte nach Angaben eines UN-Sprechers am Dienstag mit Rebellenchef Mustafa Abdel Dschalil und forderte einen Versöhnungsprozess „unter Einschluss aller Parteien“. Dschalil habe ihm zugesichert, dass der Nationale Übergangsrat dies ernst nehmen werde. Zugleich habe er darauf hingewiesen, wie wichtig die Unterstützung der Vereinten Nationen für die Ära nach Machthaber Muammar al Gaddafi sei.

          Am Montag hatte Ban ein internationales Gipfeltreffen zu Libyen noch in dieser Woche in New York angekündigt. Italienische Medien berichteten unterdessen, Staatschef Silvio Berlusconi werde am Donnerstag in Mailand mit Dschalils Stellvertreter Mahmud Dschibril zusammentreffen. Das amerikanische Außenministerium kündigte die Freigabe eingefrorener libyscher Staatgelder an. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, noch in dieser Woche zwischen einer und anderthalb Milliarden Dollar aus Libyen in den USA freizugeben“, sagte eine Sprecherin in Washington. Das Geld solle für „humanitäre Zwecke“ zur Verfügung gestellt werden.

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