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Einsatz gegen Gaddafi : Obamas Krieg

  • -Aktualisiert am

Barack Obama am Sonntag in Rio de Janeiro Bild: REUTERS

In Obamas „Kriegs-Erklärung“ von Brasília kamen die Worte „Sieg“ oder „Erfolg“ nicht vor. Der Präsident versucht, den Einsatz gegen Libyen von dem Krieg seines republikanischen Amtsvorgängers George W. Bush im Irak abzuheben.

          Auf den Tag genau acht Jahre nach der von George W. Bush befohlenen Invasion im Irak begann Barack Obamas erster „eigener“ Krieg: Seit dem 19. März 2011 läuft der Militäreinsatz der Vereinigten Staaten in Libyen - als Führungsmacht einer neuen „Koalition der Willigen“. Es ist, nach den Kriegen in Afghanistan und im Irak, die dritte amerikanische Militärintervention in einem muslimisch geprägten Land.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Noch am Samstag, als gut 100 amerikanische „Tomahawk“-Marschflugkörper, abgefeuert von amerikanischen Lenkwaffenkreuzern und U-Booten im Mittelmeer, sowie 19 amerikanische Jagd- und Langstreckenbomber mehr als 20 militärische Ziele in Libyen trafen, versicherte Obama, die Vereinigten Staaten seien nicht die Führungsmacht bei der Militäroperation „Odyssey Dawn“. Ungeachtet des Kriegsbeginns war der Präsident zu seiner Lateinamerika-Reise aufgebrochen und wandte sich von Brasília aus an sein Volk und die Welt. Er teilte mit, „dass der Einsatz von Gewalt nicht unsere erste Wahl ist“. In Washington verriet derweil ein hoher Regierungsmitarbeiter der Presse, welchen Kriegsverlauf man dort erwartet: Der Einsatz in Libyen werde „Tage, nicht Wochen“ dauern.

          Da verwundert es nicht, dass in Obamas dreiminütiger „Kriegs-Erklärung“ von Brasília die Worte „Sieg“ oder „Erfolg“ gar nicht vorkamen. Gleich zweimal hebt der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte hervor, dass „wir als Teil einer Koalition von engen Alliierten und Partnern handeln“. Und noch etwas ist Obama besonders wichtig: „Wir werden keine - ich wiederhole - wir werden keine amerikanischen Bodentruppen entsenden“, um an der „begrenzten militärischen Aktion“ in Libyen teilzunehmen.

          Deutlicher konnte der Demokrat Barack Obama den Beginn seines vom UN-Sicherheitsrat mandatierten Libyen-Krieges nicht von dem Krieg seines republikanischen Amtsvorgängers George W. Bush im Irak abheben, den das UN-Gremium nicht gebilligt hatte. Als Modell dient Obama vielmehr der Kosovo-Krieg, in den der Demokrat Bill Clinton die Amerikaner im März 1999 geführt hatte. Auch damals ging es um eine streng begrenzte „humanitäre Intervention“ aus der Luft unter striktem Ausschluss des Einsatzes amerikanischer Bodentruppen. Am 11. Juni 1999 kapitulierte der serbische Machthaber Slobodan Milosevic. Obama wird hoffen, dass es ihm Muammar al Gaddafi nicht schwerer macht.

          Gates hatte vor massiven Kriegshandlungen gewarnt

          Hinter der amerikanischen Regierung liegt eine dramatische Kehrtwende, die vor allem Außenministerin Hillary Clinton betrieben hatte. Dabei hatte auch sie bis zum Dienstag der vergangenen Woche die vor allem von Verteidigungsminister Robert Gates formulierte skeptische Position über ein militärisches Eingreifen in Libyen geteilt. Gates hatte gewarnt, die Durchsetzung einer Flugverbotszone setze massive Kriegshandlungen voraus: Erst müsse die feindliche Luftabwehr ausgeschaltet werden, ehe man mit Patrouillenflügen im libyschen Luftraum die Einhaltung des Flugverbots für die Luftwaffe Gaddafis durchsetzen könne.

          Gates warnte darüber hinaus vor den möglichen Konsequenzen eines dritten Krieges unter amerikanischer Führung in einem muslimisch geprägten Land. Tatsächlich hat das Pentagon mit gut 95.000 Mann in Afghanistan und etwa 50.000 Soldaten im Irak alle Hände voll zu tun. Gates versicherte allerdings auch pflichtgemäß, dass die amerikanischen Streitkräfte jederzeit in der Lage seien, ein Flugverbot über Libyen durchzusetzen, wenn der Präsident das befehle. Das Weiße Haus hatte das Pentagon aufgefordert, Einsatzplanungen zu forcieren, nachdem sich die Arabische Liga am 11. März für eine Flugverbotszone ausgesprochen hatte.

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