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Kampf um Mossul : Die Waffen des IS

Einfach, aber effektiv: Die Waffen des IS, hier eine selbstgebaute Rakete Bild: Picture-Alliance

Es wird immer deutlicher, dass Mossul bis zum Ende der Amtszeit Barack Obamas nicht aus den Händen des IS befreit sein wird. Denn die Dschihadisten sind zur Verteidigung der Stadt gut gerüstet.

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          Immer mehr zeichnet sich ab, dass Präsident Barack Obama am 20. Januar aus dem Amt scheidet und Mossul nicht, wie erhofft, aus den Händen des „Islamischen Staats“ befreit sein wird. Dabei bieten der Irak, die kurdischen Peschmerga und die Anti-IS-Koalition eine große Streitmacht auf, um die schätzungsweise 8000 IS-Kämpfer aus der Stadt zu vertreiben. Die Operation dauert schon länger als sieben Wochen, sie steckt aber in den Randbezirken der zweitgrößten Stadt des Iraks fest. Nur Teile des nichtarabischen Ostens Mossuls sind befreit. Westlich des Tigris, wo überwiegend Araber wohnen, ist die Stadt weiter fest im Griff des IS.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Operation ist ins Stocken geraten. Den Vormarsch im äußeren Verteidigungsring um Mossul haben Selbstmordattentäter und Scharfschützen verlangsamt. Auf erbitterten Widerstand stoßen die Befreier Mossuls, je näher sie dem inneren Verteidigungsring kommen, wo erfahrene Krieger kämpfen. Die Befreier stoßen auf IS-Kämpfer, die sich gut vorbereitet haben. Sie haben einfache, aber wirksame Waffen und Kriegstechniken entwickelt, mit denen sie jedem Gegner große Verluste zufügen.

          Einen Einblick in ihre Verteidigungsstrategie ermöglicht ein Video, das der IS Ende November öffentlich gemacht hat. Es zeigt Kampfeinheiten und Scharfschützen, Straßenbarrikaden und mit Sprengstoff beladene Autos. In Gebieten, aus denen sie sich zurückziehen, lassen sie Sprengfallen zurück, Raketen und giftige Chemikalien. Die Gegner sollen wissen, auf was sie sich einlassen.

          Der IS hatte Mossul am 10. Juni 2014 eingenommen. In den 30 Monaten seither haben seine Einheiten unter der Stadt Tunnel gegraben, die sie nun nutzen, und sie haben einfach handhabbare Sprengfallen entwickelt, die sie an unverdächtig erscheinenden Gegenständen anbringen, die beweglich sind und harmlos aussehen. Angebracht werden können sie etwa an Leichen und an Kinderspielzeug, an Büchern und an Küchenartikeln, auch unter Schachtdeckeln. In Mossul haben die IS-Kämpfer Sprengfallen an Schuhen angebracht, die sie auf einen Koran stellten, weil sie wissen, dass nahezu jeder Muslim das als Schändung wahrnimmt, die Schuhe wegzieht und dadurch getötet wird.

          Techniken, die Gräben des Gegners zu überwinden

          Die Gegenstände, an denen Sprengfallen angebracht sind, detonieren, sobald sie berührt oder bewegt werden. Damit gelingt es dem IS, die Vorwärtsbewegung einer gegnerischen Kolonne zu stoppen. Tritt dies ein, nehmen Scharfschützen die Kolonne, die aufgehalten worden ist, unter Beschuss. Wirkungsvoll setzt der IS auch die Tunnel ein. So wird berichtet, dass aus diesen Kämpfer stürmen, sie das Feuer auf die Front des Gegners eröffnen und damit einem mit Sprengstoff beladenen und von einem Selbstmordattentäter gefahrenen Wagen die Chance bahnen, in die Front des Gegners einzubrechen.

          Der IS hat zudem Techniken entwickelt, um die Gräben des Gegners zu überwinden. Solche Gräben sollen verhindern, dass der IS in einer Ebene die eigene Front durchbricht. Daher bringt der IS an Spezialfahrzeugen Stahlplatten an, die diese zunächst gegen Flachfeuer schützen, also gegen ein Gewehrfeuer, bei dem das Ziel direkt anvisiert und in gestreckter Flugbahn erreicht wird; an einem Graben angelangt, fahren sie dann die Platten aus, sie setzen über und können hinter der Front einen Selbstmordanschlag verüben.

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