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Drusen in Syrien und Israel : „Mit unserem Blut, mit unserer Seele“

Kämpferisch: Israelische Drusen demonstrieren auf dem Golan am Grenzzaun zu Syrien. Bild: Reuters

Die Drusen in Syrien werden durch radikale Islamisten bedroht - damit gerät auch Israel unter Druck. Angehörige der Bevölkerungsgruppe dienen dort in der Armee und wollen nicht tatenlos zusehen.

          Die Rufe hallen über den Grenzzaun bis hinüber nach Syrien. „Mit unserem Blut, mit unserer Seele verteidigen wir Suweida und unsere Märtyrer“, skandieren Hunderte Männer auf dem Rathausplatz von Madschd al Schams. Sie tragen Fahnen der Drusen mit sich - und die syrische Nationalflagge. Die Kleinstadt Madschd al Schams liegt am Fuß des Hermon-Gebirges auf der von Israel eroberten Seite der Golanhöhen. Die meisten Demonstranten würden am liebsten sofort nach Syrien weitermarschieren: nach Suweida, wo die Mehrheit der syrischen Drusen lebt, und in die drusischen Orte auf dem Golan, aus denen der Gefechtslärm bis nach Madschd al Schams dringt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Aus Quneitra, wo der einzige Grenzübergang zwischen Syrien und Israel liegt, wurde eine neue Offensive eines säkularen Rebellenbündnisses gemeldet. Am Abend zuvor hatte die israelische Armee zeitweise Teile der Grenzregion zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Angeblich wollte man damit auch verhindern, dass Drusen den israelischen Grenzzaun überwinden, um ihren bedrängten Glaubensbrüdern zur Hilfe zu eilen.

          Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs hat Israel mit aller Macht versucht, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Seit die Kämpfer der Terrororganisaton „Islamischer Staat“ (IS) und des syrischen Al-Qaida-Ablegers Nusra-Front auch die Drusen ins Visier genommen haben, geben jedoch die mehr als 130.000 Angehörigen der Minderheit keine Ruhe mehr. Jeden Tag demonstrieren sie für ihre bedrohten Glaubensbrüder im Nachbarland. Ihre Stimme hat Gewicht, denn als loyale Bürger leisten die meisten Männer Wehrdienst in der israelischen Armee. So versprach der israelische Generalstabschef Gadi Eizenkot jetzt, Israel werde ein Massaker an der Minderheit nicht zulassen.

          Aus Angst vor Verfolgung hatten sich die ersten Mitglieder der mehr als tausend Jahre alten Religionsgemeinschaft früh in ihrer Geschichte in die sicheren Bergregionen des Libanons und Syriens sowie im Karmelgebirge niedergelassen, das mittlerweile in Israel liegt. Immer wieder zogen die heute etwa 1,5 Millionen Drusen die Feindschaft der anderen Muslime auf sich, weil sie sich zu der Geheimreligion bekennen, die aus dem schiitischen Islam entstanden ist. Schutz fanden die Drusen traditionell, indem sie sich den jeweiligen Machthabern als verlässliche Untertanen unterstellten. Jahrzehntelang konnten sie in Syrien auf ihr Bündnis mit der alawitischen Minderheit bauen, die sich dort ebenfalls gegen die sunnitische Mehrheit behaupten muss. Doch der alawitische syrische Machthaber Baschar al Assad gerät militärisch immer stärker in Bedrängnis, und die regimetreuen Drusen fürchten, dass die islamistischen Extremisten sie bald ähnlich gnadenlos bekämpfen wie im vergangenen Sommer die yezidische Minderheit.

          „Es kommen nur noch schreckliche Nachrichten“

          Auf dem Rathausplatz von Madschd al Schams haben die Demonstranten ein Porträt des syrischen Staatschefs aufgestellt. Die rund 20.000 Drusen auf den Golanhöhen sind auch nach der Eroberung durch die israelische Armee 1967 syrische Staatsbürger geblieben. „Wir vertrauen der syrischen Armee“, ruft ein Redner, und die Menge jubelt, obwohl bei vielen längst die Zweifel überwiegen. Spätestens seit die islamistische Nusra-Front in der vergangenen Woche in der syrischen Provinz Idlib 23 Drusen ermordete, fürchten viele, dass auch die anderen Angehörigen der Minderheit einem Vormarsch des Al-Qaida-Ablegers und des IS schutzlos ausgeliefert sind, wenn nicht bald etwas geschieht.

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