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Drogen in Saudi-Arabien : Flucht in die Sucht

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Hinter dem Glanz das Elend: Saudi-Arabien wird von Drogen aus der ganzen Region überschwemmt. Bild: 55113558 © ArabianEye / Agentur

In Saudi-Arabien steht auf Drogenhandel die Todesstrafe. Trotzdem floriert das Geschäft. In dem Land, wo weder Kinos noch Theater existieren, suchen Saudis andere Abenteuer.

          Die Kreativität der Schmuggler kennt keine Grenzen. In Friseurstühlen, Nusstütchen oder Autoreifen, aber auch eingenäht in Frauenkleider haben die Drogenhändler ihre Fracht versteckt. Cola-Dosen, Wasserpfeifenschläuche und Bewässerungsanlagen dienen als Transportmittel, um Captagon-Pillen, Haschisch und Heroin über die langen Grenzen ins Land zu bringen. Ein Sammelsurium beschlagnahmter Gegenstände ist im Eingangsbereich des saudischen Innenministeriums ausgestellt. Die in Glasvitrinen präsentierten Funde dienen der Abschreckung und setzen ein Zeichen: Den Kampf gegen Drogenschmuggler schreibt das streng religiöse, autoritäre Herrscherhaus ganz groß. Offiziellen Zahlen zufolge sind 200.000 Saudis drogensüchtig.

          Herr über die Behörde im Zentrum von Riad ist Innenminister Muhammad Bin Nayef, der im April zum Kronprinzen ernannte starke Mann an der Seite von König Salman. 2009 überlebte er ein Selbstmordattentat nur knapp - die gnadenlose Verfolgung von Al Qaida gehört seitdem ebenso zu seinen Markenzeichen wie die Jagd nach organisierten Kriminellen, die im florierenden Rauschgiftgeschäft Millionen machen. Es ist eine doppelte Herausforderung, welcher der mit 56 Jahren vergleichsweise junge Nayef gegenübersteht. Beide sind hausgemacht: religiöser Fanatismus und der vom Islam verbotene Drogenkonsum. „Die Drogenhändler finden ständig neue Wege“, sagt Nayefs Sprecher Mansur al Turki vor der Vitrine mit den Schaustücken. „Wie bei Tom und Jerry jagen wir uns gegenseitig.“

          Der Kampf um die Kontrolle des riesigen Marktes in Saudi-Arabien ist ein gefährliches Geschäft: 35.000 Menschen wurden vergangenes Jahr wegen Verstößen gegen die harten Drogengesetze des Landes verhaftet, rund ein Viertel davon wegen Schmuggelns oder Dealens. Allein seit Jahresbeginn wurden mehr als fünfzig Menschen wegen Rauschgiftdelikten geköpft, 13 von ihnen stammten aus Pakistan. Obwohl die Anwendung der Todesstrafe in anderen Fällen als Mord gegen internationales Recht verstößt, dürfte die Zahl der Enthauptungen diese Woche hundert erreicht haben. Das sind bereits nach knapp sechs Monaten mehr als im gesamten vergangenen Jahr und könnte bis zum Jahresende dazu führen, dass der Negativrekord von 1995, als 192 Menschen hingerichtet wurden, noch übertroffen wird.

          Von Kriegen abgelenkt

          Dass drastische Abschreckung allein zur Lösung des wachsenden Suchtproblems auch in Saudi-Arabien nicht taugt, wird schon durch die Zahl der beschlagnahmten Drogen deutlich: Rund hundert Millionen Captagon-Kapseln stellte die saudische Polizei 2014 sicher - bei einem Stückpreis von umgerechnet 14 Euro ein großer Schlag gegen die organisierte Kriminalität. Hinzu kommen Jahr für Jahr fast sechzig Kilo Heroin und etwa dieselbe Menge Haschisch. Da die Sicherheitsbehörden davon ausgehen, jeden zehnten Transport abzufangen, dürfte sich das Gesamtvolumen auf weit mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr belaufen. Das erklärt, weshalb die Händler trotz der drohenden Todesstrafe weitermachen. Zudem erleichtern ihnen die Kriege in den Nachbarstaaten das Geschäft: Im Jemen, in Syrien und im Irak sind die Sicherheitsbehörden mit anderem beschäftigt als mit der Grenzsicherung.

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