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Drogen in Saudi-Arabien : Flucht in die Sucht

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Aufhalten aber lässt sich der stetig steigende Drogenkonsum dadurch nicht. Immer wieder würden dieselben Patienten in der Klinik auftauchen, sagt eine in Australien ausgebildete Ärztin in einem der ruhigen Innenhöfe. Wochen gnadenloser Alkoholexzesse in Ägypten oder im Libanon, wo Alkohol frei verkäuflich ist, wechselten sich so mit den zurückgezogenen Tagen der Therapie ab, die viele lediglich dazu nutzen würden, um bis zum nächsten Absturz körperlich aufzutanken. Zwar hätten das Internet und die sozialen Medien dafür gesorgt, dass Drogensucht inzwischen in breiteren Kreisen als Problem erkannt werde - ein soziales Stigma für Familien mit kranken Angehörigen bleibt es in dem konservativen Gottesstaat dennoch.

„Saudi-Arabien bildet keine Ausnahme vom Rest der Welt“ sagt Oberarzt al Ibrahim, der bereits seit 13 Jahren an der Klinik arbeitet. In dieser Zeit habe sich das Engagement vieler Familien, nach Ende der Krankenhaustherapie unterstützend zur Seite zu stehen, stark erhöht - die Zahl der Abhängigen allerdings auch. Hinzu komme die Angst vieler Suchtkranker, sich den Ärzten zu stellen, nicht zuletzt deshalb, weil sie die strafrechtliche Verfolgung fürchten. Die strenge Scharia-Gesetzgebung des wahhabitischen Königreichs bestraft nicht nur den Handel mit Heroin, Haschisch und Amphetaminen scharf, sondern auch deren Besitz.

„Niemand kann das Werk Gottes übertrumpfen“

Dass Repression allein nicht das Allheilmittel im Kampf gegen die Drogensucht sein kann, hat sich inzwischen auch bei den Hardlinern im Innenministerium herumgesprochen. „Man kann nicht alle der 35.000 jedes Jahr Verhafteten einfach ins Gefängnis stecken“, sagt General al Turki, der Sprecher des Kronprinzen, im Büro der Generalabteilung für Rauschgiftkontrolle im Innenministerium. Dazu reiche allein schon der Platz nicht aus. An den Wänden des Ministeriums hängen Fotos der bei der Jagd nach den Dealern ums Leben gekommenen Polizisten. Hinter Glaswänden verfolgen Beamte gerade eine Operation, die zur Ergreifung einer Gruppe von Amphetamin-Händlern führen soll. Im vergangenen Jahr gelang es den Fahndern in ihrer erfolgreichsten Operation, 22 Millionen Kapseln auf einen Schlag sicherzustellen.

Die Tatsache, dass vor allem Pakistaner unter den verhafteten Heroinschmugglern seien und keine Saudis, erklärt Turki damit, dass Einheimische vor allem am Weiterverkauf verdienen und nicht am Schmuggel. Für die vielen wie Menschen zweiter Klasse behandelten Südasiaten bedeutet der drastische Anstieg der Hinrichtungen nichts Gutes. Im März verteidigte die staatliche Menschenrechtskommission die Vollstreckung der Todesstrafe mit den Worten, dass Saudi-Arabien stolz darauf sei, „islamisches Recht sowohl in der Verfassung wie auch methodisch“ umzusetzen. „Niemand kann das Werk Gottes übertrumpfen.“

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