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Krieg im Irak : Gute Kurden, böse Kurden

Bild: AP

Die Türkei setzt im Irak auf kurdische Peschmerga-Kämpfer – auch gegen kurdische Freischärler aus Syrien. So will sie die einen Kurden gegen die anderen ausspielen.

          Am Sonntag vermeldete das türkische Militär nicht zum ersten Mal in diesen Tagen erfolgreiche Angriffe gegen Stellungen „kurdischer Terroristen“ in Syrien: Neben acht Stellungen des „Islamischen Staates“ (IS) habe die türkische Luftwaffe in Syrien auch mehr als 50 kurdische Ziele bombardiert. Zugleich sind türkische Medien voll von Berichten über die Erfolge kurdischer Einheiten im Irak, die von der Türkei unterstützt werden.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Diese Meldungen sind nur scheinbar widersprüchlich. Tatsächlich bekämpft die Türkei die kurdischen Freischärler in Syrien mit aller Macht, während sie die kurdischen Freischärler im Irak, die Peschmerga-Einheiten, nicht nur unterstützt, sondern einige von ihnen im türkischen Militärstützpunkt bei Bashiqa unweit von Mossul sogar ausgebildet hat.

          Ankara will kurdisches Herrschaftsgebiet verhindern

          Das hat mit der ideologischen Ausrichtung der verschiedenen Kurdengruppen und mit der regionalen Machtbalance zu tun. Im Norden Syriens gibt es zwar verschiedene kurdische Gruppierungen, aber die dominierenden und bei weitem schlagkräftigsten Truppen sind die „Volksschutzeinheiten“ (YPG). Sie stehen ideologisch und organisatorisch der „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) nahe, die auch in der EU und in den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft wird.

          Seit sich nach dem Beginn der Unruhen in Syrien im Jahr 2011 abzeichnete, dass der syrische Staat in einen Zerfallskrieg abgleiten würde und die syrischen Kurden im Norden des Landes dies zur Ausrufung von autonomen Regionen ausrufen könnten, versucht Ankara diese Entwicklung mit allen Mitteln zu bekämpfen. Offiziell lautet die türkische Begründung, man setze sich für die territoriale Integrität Syriens ein, doch dahinter stecken längst andere Ziele. Unter anderem will man verhindern, dass die eng an die PKK angelehnten syrisch-kurdischen „Volkschutzeinheiten“ in Syrien ein zusammenhängendes kurdisches Herrschaftsgebiet schaffen.

          Mit dem ersten, der aus der amerikanischen Invasion von 2003 hervorgegangenen kurdischen Autonomieregion im Nordosten des Irak, hat Ankara ein wirtschaftlich engmaschiges und politisch meist solides Auskommen gefunden. Massud Barzani, der Präsident des kurdischen Teilstaates im Irak, wird von Ankara gleichsam als Gegengewicht zu dem seit 1999 auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer festgehaltenen und von Millionen Kurden verehrten PKK-Führer Abdullah Öcalan unterstützt.

          Einen deklarativen Höhepunkt erreichte diese Politik im November 2013 bei einer gemeinsamen Großkundgebung Barzanis und des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan in der anatolischen Kurdenhochburg Diyarbakir, als beide Politiker Türken und Kurden zur Aussöhnung aufriefen. Damals ließ Erdogan noch Friedensgespräche mit der PKK führen und sandte sogar Unterhändler zu Öcalan ins Gefängnis.

          Erst als sich abzeichnete, dass die politische Führung der türkischen Kurden nicht bereit war, seine Pläne zur Umwandlung der Türkei in ein Präsidialregime zu unterstützen, brach Erdogan die schon zuvor stockenden Friedensgespräche ab und kehrte zur alten Politik der gewaltsamen Konfrontation mit der PKK zurück.

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