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Nusra-Front in Syrien : Moderate Terroristen?

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Mitglieder der Nusra-Front, nachdem sie die nordwestliche Stadt Ariha eingenommen haben Bild: Reuters

Die Nusra-Front in Syrien bietet sich als Partner an, um das syrische Regime unter Baschar al Assad zu besiegen. Der Al-Qaida-Ableger war nicht nur an den jüngsten Erfolgen in Idlib beteiligt.

          Der Siegeszug der syrischen Islamistenallianz „Armee der Eroberung“ (Dscheisch al Fatah) in der an die Türkei angrenzenden Provinz Idlib setzt sich fort. Mit der Einnahme der Stadt Ariha hat das syrische Regime am Donnerstag die Kontrolle über das letzte urbane Zentrum in der nordwestsyrischen Provinz verloren. Dem Fall der Stadt waren die Einnahme der Provinzhauptstadt Idlib sowie weiterer strategischer Orte vorausgegangen. Ein Sprecher der Aufständischen sagte, sie würden demnächst die angrenzenden von den Regierungstruppen gehaltenen Provinzen Hama, Aleppo und Latakia angreifen.

          Der Erfolg der aus sieben Milizen gebildeten „Allianz der Eroberung“, zu der auch der syrische Ableger Al Qaidas, die Nusra-Front, gehört, dürfte auf die neue Zusammenarbeit zwischen Saudi-Arabien und der Türkei zurückzuführen sein. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan war im März in Riad mit dem saudischen König Salman zusammengekommen, um eine gemeinsame Strategie zum Sturz des syrischen Regimes von Präsident Baschar al Assad zu vereinbaren. Wichtigster lokaler Partner des sunnitischen Regionalbündnisses ist neben der mächtigen „Ahrar al Sham“-Miliz die Nusra-Front. Der Al-Qaida-Ableger war nicht nur an den jüngsten Erfolgen in Idlib beteiligt, sondern auch bei Geländegewinnen an der Grenze zu Jordanien im Süden des Landes.

          In arabischen Medien heißt es, die Vereinigten Staaten hätten dieser Strategie bei dem Treffen der Führer des Golf-Kooperationsrats (GCC) mit Präsident Barack Obama Mitte Mai in Camp David zugestimmt. In einem Interview mit dem qatarischen Nachrichtensender Al Dschazira bemühte sich der Nusra-Front-Führer Muhammad al Golani am Donnerstag, seine Gruppe als moderate Alternative zur Terrorgruppe „Islamischer Staat“ darzustellen. „Die Nusra-Front hat keine Pläne oder Befehle, den Westen anzugreifen“, sagte er. Für Al Qaida insgesamt möge das gelten, nicht aber in Syrien. Anders als der IS, der sich 2014 von seiner Organisation abgespalten hatte, setze die Nusra-Front allein auf den Sieg gegen das syrische Regime. Zudem würden seine Kämpfer, anders als der IS, nicht gegen Angehörige der alawitischen Minderheit vorgehen, der Machthaber Assad angehört.

          Qatar bemüht sich seit längerem darum, die Nusra-Front von der Al-Qaida-Führung loszueisen und die Gruppe in Syrien als islamistische Alternative zum „Islamischen Staat“ aufzubauen, die eines Tages auch zu Verhandlungen mit Repräsentanten der Regierung in Damaskus bereit sei. Der syrische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Baschar al Dschaafari, warf der Führung in Doha, wo Al Dschazira seinen Sitz hat, vor, durch das Interview „mit dem Führer einer Terrorgruppe“ das „Image der Nusra-Front weißzuwaschen“. Auch Qatar hat seine Differenzen mit Saudi-Arabien über Syrien beigelegt, um vier Jahre nach Beginn des Aufstandes gegen Assad einen neuen Anstoß zum Sturz des Regimes zu geben. Die Nusra-Front könnte dabei zum entscheidenden Akteur werden.

          Obwohl die Vereinigten Staaten und Russland zuletzt bekundeten, an einer neuen diplomatischen Initiative zur Lösung des Konflikts zu arbeiten, dürften die kommenden Kapitel der syrischen Tragödie eher auf dem Schlachtfeld stattfinden. Der ohne größere Gegenwehr des Regimes erfolgte Verlust Idlibs sowie Palmyras weisen darauf hin, dass sich Assads Führungsclique möglicherweise bereits auf eine Teilung einstellt: Mit Hilfe der libanesischen Hizbullah kämpft die ausgezehrte Rumpfarmee um das westliche Grenzgebirge Qalamun, das auf der strategisch wichtigen Verbindung zwischen der Hauptstadt und Homs liegt.

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