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Terror im Irak : IS-Miliz nimmt Bagdad ins Visier

  • -Aktualisiert am

Mit Straßenkontrollen und einer nächtlichen Ausgangssperre versucht das irakische Militär, ein Einsickern von IS-Kämpfern zu verhindern. Bild: Reuters

Dutzende Tote bei Anschlägen in Bagdad und Kämpfe westlich der irakischen Hauptstadt lassen die Sorge vor einem Vorrücken des „Islamischen Staats“ wachsen.

          Kurz vor Beginn der Selbstmordanschlagserie gab Ministerpräsident Haider al Abadi sich noch zuversichtlich. Bagdad sei so „geschützt“, dass die „heimtückischen Terroristen“ die Hauptstadt „nicht erreichen können und werden“, sagte der schiitische Ministerpräsident. Den „mutigen Sicherheitskräften“ sei es gelungen, „Bagdad und seine Umgebung zu sichern“.

          Doch mehr als vierzig Tote bei Anschlägen allein am Donnerstag sprechen eine andere Sprache. Zellen des „Islamischen Staats“ seien fest in der Hauptstadt verankert, berichten Sicherheitskräfte. Vor allem in schiitischen Vierteln schlugen sie diese Woche zu –  nur wenige Minuten nach Abadis Rede im Stadtteil Talibiya, eine Dreiviertelstunde später mit einem Doppelanschlag in Dawlai. Mitglieder schiitischer Milizen rüsten sich deshalb bereits für einen neuen Konfessionskrieg. Die Anschläge seien eine „Kampfansage“, sagte ein Mitglied der Badr-Organisation der Nachrichtenagentur Reuters. Die Botschaft lautet: „Wir können euch direkt in eurem Zuhause treffen.“

          Nicht vor dem Fall, doch bedroht

          Noch dürfte der Verteidigungsring der Spezialeinheiten halten, ein unmittelbarer Fall Bagdads droht offenbar nicht. „Es gibt keine Massen von Formationen um Bagdad herum, die kurz davor stünden, einzumarschieren“, sagte der amerikanische Armeesprecher John Kirby am Donnerstag. Doch die bevorstehende Übernahme der mehrheitlich sunnitischen Provinz Anbar vor den Toren der Hauptstadt lässt alle Alarmglocken bei den Verbündeten Abadis läuten. Nicht so sehr als Bedrohung empfunden wird dabei die IS-Präsenz in der Nähe des internationalen Flughafens, der 20 Kilometer vor der Hauptstadt liegt – dort haben sich die sunnitischen Extremisten schon seit Jahresbeginn festgesetzt.

          Bedeutender sind die Kämpfe, die seit Tagen rund um Amariya al Fallujat toben, das etwas vierzig Kilometer südwestlich von Bagdad liegt. Die Einnahme der Stadt würde eine Lücke im Versorgungsnetz der Dschihadisten schließen, die bislang offen blieb: Von Falludscha den Euphrat hinab bis in den Norden der Provinz Babel südlich von Bagdad kontrollierten sie dann einen Korridor, der die Schlinge um Bagdad mittelfristig enger schließen könnte.

          Zwei Eroberungsversuche scheiterten

          Schon zwei Mal in den vergangenen Monaten haben die Kämpfer Abu Bakr al Bagdadis versucht, Amariya al Falluja einzunehmen, wurden jedoch von Regierungseinheiten und verbündeten sunnitischen Gruppen wie dem Albu-Esa-Stamm zurückgeschlagen. Im Vergleich zu den Stammesverbänden, die sich dem IS angeschlossen haben, befinden sich deren Gegner in Anbar jedoch in der Minderheit. Das Angebot des schiitischen Ministerpräsidenten Haider ABadi, ihnen in einer sunnitisch dominierten Nationalgarde eine neue Heimat zu geben, ist bislang nicht aufgegangen.

          Allein 180.000 Menschen flohen seit September aus Anbar, wo der „Islamische Staat“ zuletzt die Stadt Hit einnahm und Regierungstruppen am Wochenende zur Flucht auf den in der Wüste gelegenen Luftwaffenstützpunkt Asad zwang. Neben ihrem Vormarsch auf Amariya al Falluja haben sie auch die Provinzhauptstadt Ramadi im Visier, wo seit Wochenbeginn Hunderte Polizisten und Soldaten zur Verstärkung angekommen sind. Von Norden, Süden und Westen rückten die Dschihadisten Richtung Zentrum vor, sagen Mitglieder des Provinzrats. Am Freitag wurde deshalb eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

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