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Demonstrationen im Jemen : Zehntausende protestieren friedlich in Sanaa

  • Aktualisiert am

Beistand von oben: Demonstranten in jemenitischer Tracht beten für einen Machtwechsel Bild: dpa

Inspiriert von den Ereignissen in Ägypten hat auch die jemenitische Opposition zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen. Die Demonstrationen im ganzen Land blieben trotz Gegenveranstaltungen weitestgehend friedlich. Zur Mittagsruhe lösten sich die Menschenansammlungen wieder auf.

          Zehntausende Anhänger der Opposition haben in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa erneut friedlich gegen die Regierung von Präsident Ali Abdallah Saleh protestiert. Die Demonstranten forderten einen Führungswechsel und demokratische Reformen. Nur wenige hundert Meter entfernt gingen Anhänger des Präsidenten auf die Straße und signalisierten diesem ihre Unterstützung.

          Die Redner des Gemeinsamen Forums, einem Bündnis der parlamentarischen Opposition, das zu der Kundgebung aufgerufen hatte, zeigte sich entschlossen, die Proteste bis zum Sturz des „ungerechten Regimes“ fortzusetzen. Nach Angaben des Bündnisses folgten 100.000 Menschen dem Aufruf, womit es die größte Demonstration seit dem Machtantritt Salehs vor fast 33 Jahren wäre. Andere Quellen sprachen von etwa 20.000 Menschen. Auf einem Spruchband stand „Nein zur Erbdynastie, nein zur Mandatsverlängerung“. Die Polizei war präsent, blieb aber auf Distanz.

          „Aufstand der Gerechtigkeit“

          Ursprünglich hatte die Opposition am „Tag des Zorns“ auf dem zentralen Tahrir-Platz (Freiheitsplatz) demonstrieren wollen, der den gleichen Namen trägt wie der Ort der Proteste in Ägyptens Hauptstadt Kairo. Nachdem die Anhänger der Regierungspartei den Platz aber in den frühen Morgenstunden besetzt hatten, verlegte die Opposition den Ort der Demonstration zur Universität von Sanaa - offenbar auch, um blutige Zusammenstöße wie in Kairo zu vermeiden.

          „Tag des Zorns”: Bei den Demonstrationen in Sanaa kamen Zehntausende zusammen

          „Wir haben uns versammelt, um ein korruptes und tyrannisches Regime zum Sturz zu bringen“, rief Nadschib Ghanem, Abgeordneter der islamistischen Partei El Islah, die dem Gemeinsamen Forum angehört, der Menge zu. Der Aufstand für Gerechtigkeit habe in Tunesien begonnen, nun gehe er weiter in Ägypten, und morgen werde auch der Jemen von der Ungerechtigkeit befreit werden, sagte Ghanem. „Gott helfe dem ägyptischen Volk gegen den Tyrannen Husni Mubarak“, rief daraufhin die Menge im Chor.

          Gegendemonstrationen der Regierungsanhänger

          Auf dem Tahrir-Platz riefen die Demonstranten dagegen Parolen zur Unterstützung von Präsident Saleh. „Bei unserer Seele, bei unserem Blut, wir opfern uns für den Jemen“, riefen sie und hielten Spruchbänder hoch, auf denen stand: „Nein zur Zerstörung, nein zum Aufruhr“. Die Veranstalter der Regierungsdemonstration gaben die Zahl der Teilnehmer mit 100.000 an, zu Zwischenfällen kam es nicht. Auch hier sprechen unabhängige Quellen von einer Teilnehmerzahl, die eher bei 20.000 liegt. Beide Kundgebungen zerstreuten sich am frühen Nachmittag, der Zeit des Kath, einem im Jemen weit verbreiteten, leichten Rauschmittel.

          Bereits vor einer Woche waren in Sanaa tausende Jemeniten gegen Staatschef Saleh auf die Straße gegangen. Unter dem Druck der Proteste kündigte Saleh am Mittwoch an, nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen, zudem schloss er eine „Erbfolge an der Staatsspitze“ aus. Im Gegenzug forderte er die Opposition auf, auf die Proteste am Donnerstag zu verzichten. Der Präsident ist seit dem Jahr 1978 an der Macht. Seine derzeitige Amtszeit läuft regulär im Jahr 2013 aus.

          Instabiles Land

          Auch in anderen Landesteilen kam es zu Protesten. In Aden wurden Regierungsgegner von Sicherheitskräften daran gehindert, sich einigen Tausend Demonstranten im Zentrum anzuschließen. Später setzten Polizisten Tränengas ein, um die Versammlung in der Nähe eines Regierungsgebäudes zu beenden. In Handgemengen mit Sicherheitskräften wurden zwei Demonstranten verletzt. Augenzeugen zufolge gab es sieben Festnahmen.

          Der Jemen ist seit langem instabil. Das Land ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Al-Kaida. Das Land muss sich eines Ablegers der Extremistenorganisation erwehren und hat es mit schiitischen Rebellen im Norden und separatistischen Bestrebungen im Süden zu tun. Ein Drittel der Bevölkerung hungert, 40 Prozent der Jemeniten müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen.

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