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Demografie : Warum sind die Ägypter nur so arm?

Schwierige Karriereplanung

Für den normalen Ägypter bot das Land geringe Auswahl bei der Karriereplanung: Am besten waren die Perspektiven in der Staatsbürokratie und im Militär. Das Regime nutzte das Werkzeug der Ämterpatronage inflationär, um Leute loyal zu halten. Finanziert wurde dieses Herrschaftssystem durch den Zufluss von ökonomischen und politischen Renten, Einnahmen also, denen kein entsprechender Arbeits- oder Investitionsaufwand vorausgegangen war. Hierzu gehören Erträge aus der Nutzung des Suezkanals, Rücküberweisungen von ägyptischen Gastarbeitern, Gewinne aus dem Export von Erdgas und Erdöl und politisch motivierte Transferzahlungen wie Entwicklungs- und Militärhilfe.

So pumpte sich die staatliche Bürokratie so weit auf, dass jeder dritte arbeitsfähige Ägypter dort unterkam. Im Militär, das ein eigenes unkontrolliertes Geflecht an Unternehmen und Lieferanten errichtete und betreibt, gibt es zumindest für Offiziere sogar die Möglichkeit, gutes Geld zu verdienen. Ein normaler Beamter hat es da schon etwas schwerer. Er beginnt in der Regel, seinen im Grunde überflüssigen Posten durch die Errichtung bürokratischer Hemmnisse zu rechtfertigen.

Korruption als Abkürzung

Als der berühmte peruanische Ökonom Hernan de Soto im Auftrag der Regierung die Verwaltung analysierte, förderte er folgende Erkenntnis zutage: In Ägypten muss sich die Person, die ein Stück staatliches Wüstenland erwerben und registrieren lassen will, durch mindestens 77 bürokratische Prozeduren in 31 Ämtern und Agenturen winden. Das kann fünf bis 14 Jahre dauern. „Ein legales Wohnhaus auf einer Ackerfläche zu errichten kostet sechs bis elf Jahre“, berichtete de Soto. Es gibt allerdings immer eine Abkürzung in Ägypten: Korruption. Das beginnt beinahe harmlos mit Polizisten, die in der Innenstadt von Kairo begehrte Parkplätze mit Holzböcken absperren, die sie erst gegen Geld räumen, oder mit Beamten im Passamt, die zur Begrüßung auf die offene Schublade ihres Schreibtisches verweisen.

So treibt die Bürokratie die Kosten für ökonomisch produktives Engagement in die Höhe und erstickt Unternehmertum. „Das Land ist voll von Leuten, die nach Chancen suchen, voranzukommen“, sagt der amerikanische Ökonom Timur Kuran. Leider liegen die besten Möglichkeiten noch in der lähmenden Militär- und Verwaltungsbürokratie statt in Privatsektoren. Doch selbst hier wird es eng, denn die Posten sind besetzt, die Alten halten krampfhaft daran fest, und neue Stellen sind rar, weil dem hochverschuldeten ägyptischen Staat längst das Geld ausgegangen ist für unproduktive Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Das provoziert große Enttäuschung: Die Schulabgänger und Hochschulabsolventen waren mit der Illusion an die Universität gegangen, der Staat werde sie schon absichern. Daraus wird nun nichts.

Wer genau hinguckt, wundert sich, dass die verrottete Kommandowirtschaft überhaupt so lange halten konnte. Er wundert sich aber nicht, dass die Vertreter des Staatsapparats daran festhalten und deshalb Schlägertrupps bezahlen. Sie wollen an ihren parasitären Positionen festhalten, sie kennen ja nichts anderes.

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