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Damaskus : „Islamischer Staat“ stürmt Flüchtlingslager

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Das Flüchtlingslager Jarmuk im Juni 2014. Bild: AFP

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat ein Flüchtlingslager im Süden von Damaskus gestürmt. Die Islamisten kontrollieren zwar einen Großteil des Geländes, doch die Kämpfe gehen weiter.

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          Die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist am Mittwoch erstmals in Teile der syrischen Hauptstadt Damaskus vorgerückt. IS-Kämpfer eroberten große Teile des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk im Süden der Stadt, wie ein Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) der Nachrichtenagentur AFP sagte. In dem Lager werde weiterhin gekämpft. Im Süden Syriens lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen Gefechte um einen Grenzübergang nach Jordanien.

          IS-Kämpfer hätten das Flüchtlingslager am Mittwochmorgen gestürmt und weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der PLO-Vertreter Anuar Abdel Hadi. Die Kämpfe zwischen den Dschihadisten und den Mitgliedern palästinensischer Milizen dauerten an. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Angaben.

          Das etwa zwei Quadratkilometer große Lager Jarmuk liegt im Süden der syrischen Hauptstadt. Vorübergehend lebten dort bis zu 160.000 Palästinenser und Syrer; derzeit sind es noch etwa 18.000 Flüchtlinge. Das Camp wurde seit Juli 2013 mehr als ein Jahr lang von der syrischen Armee belagert, zahlreiche Menschen kamen durch Mangel an Nahrung und Medizin ums Leben. Nach einem Abkommen mit den bewaffneten Palästinensergruppen zogen sich die syrischen Rebellen im Februar 2014 aus dem Lager zurück.

          Die IS-Miliz hatte im vergangenem Sommer weite Gebiete in Syrien und im benachbarten Irak erobert und dort ein „Islamisches Kalifat“ ausgerufen. Die Dschihadisten bekämpfen die Regierung von Syriens Staatschef Baschar al-Assad, sind aber auch mit anderen Rebellengruppen verfeindet.

          In der südsyrischen Provinz Daraa attackierten Rebellen am Mittwoch den letzten von der Regierung kontrollierten Grenzübergang nach Jordanien. Mehrere bewaffnete Gruppen, unter ihnen Islamisten, starteten am Morgen einen Angriff auf den Kontrollposten in Nassib, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Die Armee warf demnach Fassbomben auf Stellungen der Rebellen rund um Nassib ab und feuerte Raketen auf sie ab. Die radikalislamische Al-Nusra-Front hatte in den vergangenen Wochen Geländegewinne in der Provinz Daraa verzeichnet.

          Als Reaktion auf die Kämpfe wurde der Grenzübergang auf jordanischer Seite am Mittwoch geschlossen. Der Grenzposten Dschaber sei aus Sicherheitsgründen vorübergehend abgeriegelt worden, teilte das Innenministerium in Amman mit.

          In Syrien hatten sich Proteste gegen Machthaber Assad vor vier Jahren zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Mehr als 215.000 Menschen wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle seither getötet, Millionen weitere sind im In- und Ausland auf der Flucht. Die Kriegswirren führten auch zum Aufstieg der radikalsunnitischen IS-Miliz.

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