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Reaktionen auf Peres’ Tod : Bundesregierung würdigt Peres als „Mann des Ausgleichs“

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Für seine Bemühungen um eine Lösung im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern erhielt Peres 1994 den Friedensnobelpreis. Bild: AFP

Kanzlerin Merkel würdigt ihn als Mann des Ausgleichs: Die Welt trauert um den israelischen Staatsmann. Nur die Terrororganisation Hamas applaudiert.

          Die Bundesregierung hat den verstorbenen Schimon Peres als einen „großen Mann“ und einen „Mann des Ausgleichs“ gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) blicke mit großer Dankbarkeit auf viele Jahre der Gespräche mit dem ehemaligen israelischen Präsidenten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.

          Merkel würdigte in einem Kondolenztelegramm an Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Peres' Friedensvision für einen tragfähigen Frieden im Nahen Osten. Diese habe maßgeblich zum Friedensschluss von Oslo beigetragen. Die Kanzlerin erklärte, Peres habe allen Widrigkeiten zum Trotz  „unermüdlich“ für einen Ausgleich mit der arabischen Welt gearbeitet.

          „In all seinen Ämtern setzte sich Schimon Peres mit seiner ganzen Kraft für die Sicherheit, die Freiheit und die Entwicklung des Staates Israel ein“, so die Kanzlerin. Er sei zutiefst davon überzeugt gewesen, dass Israelis und Palästinenser friedlich nebeneinander leben könnten. Merkel schloss mit den Worten: „Die Verwirklichung seines Traumes zu erleben, ist ihm und uns bis heute versagt geblieben. Weiter dafür zu arbeiten – das ist sein Vermächtnis und unsere Verpflichtung.“

          Großes Ansehen in der internationalen Öffentlichkeit und in diplomatischen Kreisen: der damalige stellvertretende israelische Ministerpräsident und Präsidentschaftskandidat Schimon Peres im Juni 2007 vor einer Sitzung der Kadima-Fraktion in der Knesset Bilderstrecke

          Ähnlich äußerte sich auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Er bezeichnete Peres als „mutigen“ Partner für den Frieden. Abbas habe ein Kondolenzschreiben an Peres’ Familie geschickt und darin seine „Trauer und Betroffenheit“ zum Ausdruck gebracht, meldete die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur Wafa am Mittwoch.

          Als „Partner“ von Palästinenserführer Jassir Arafat und dem israelischen Regierungschef Jizchak Rabin habe Peres einen „mutigen Frieden“ ausgehandelt, erklärte Abbas mit Blick auf das Osloer Friedensabkommen. „Bis zu den letzten Augenblicken seines Leben“ habe sich Peres „unermüdlich“ darum bemüht, mit dem Abkommen einen „dauerhaften Frieden“ zu erreichen.

          Hamas bezeichnet Peres als „Kriminellen“

          Während Peres im Westen als Vorkämpfer für den Frieden gewürdigt wird, sehen ihn viele Palästinenser bis heute kritisch, unter anderem wegen seiner Beteiligung an mehreren Kriegen und der Besetzung des Westjordanlands. Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hatte Peres’ Tod sogar begrüßt und ihn als „Kriminellen“ bezeichnet. „Wir sind sehr glücklich, nachdem wir die Neuigkeiten vom Tod des ehemaligen israelischen Präsidenten Schimon Peres gehört haben“, sagte der Sprecher der Hamas im Gazastreifen, Sami Abu Suhri, am Mittwoch. Peres habe Kriegsverbrechen gegen die Palästinenser begangen und deren Blut vergossen.

          Mit Blick auf den Staat Israel, dessen Existenzrecht die Hamas bestreitet, sagte Sami Abu Suhri: „Schimon Peres ist der letzte führende Vertreter der Gründer dieses Gebildes.“ Sein Tod stelle einen Einschnitt in der Geschichte der israelischen Besatzung dar. „Ich denke, es ist der Beginn einer neuen Phase der Schwäche.“ Die Hamas hatte 2007 im Gazastreifen gewaltsam die Macht übernommen. Sie wird von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft. Israel und Ägypten haben eine Blockade über den Küstenstreifen verhängt.

          Der israelische Geheimdienst Mossad drückte in einer Mitteilung seine Trauer über den Tod des Ex-Präsidenten aus: „Peres hat lange Jahre mit dem Mossad in vielen Operationen und Einsätzen für die Sicherheit des Staates Israel zusammengearbeitet“, hieß es am Mittwoch nach Medienberichten in der Mitteilung, unter Berufung auf den Mossad-Chef Jossi Cohen. Der im Alter von 93 Jahren gestorbene Friedensnobelpreisträger sei „eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten“ Israels gewesen. Die Organisation würdige ihn als „Symbol des Friedens und der Brüderlichkeit“. Peres habe der Sicherheit Israels einen „riesigen Dienst“ erwiesen.

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte Peres mit den Worten: „Schimon hat sein Leben der Wiedergeburt unseres Volkes gewidmet“. Israels Präsident Reuven Rivlin erklärte, es gebe „in der Geschichte des Staates Israel kein einziges Kapitel, in dem Schimon nicht erwähnt wird“.

          Führende Persönlichkeiten zu Beerdigung erwartet

          Am Donnerstag wird Peres' Sarg wird vor dem Parlament in Jerusalem aufgebahrt, damit sich die israelischen Bürger von ihm verabschieden können. Am Freitag soll Peres dann auf dem Friedhof auf dem Jerusalemer Herzl-Berg beigesetzt werden, auf dem viele israelische Politiker ihr Grab haben. Zu Peres' Begräbnis werden führende Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet. Aus Deutschland komme Bundespräsident Joachim Gauck, teilte das israelische Außenministerium am Mittwoch mit. Neben dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama und seinem Außenminister John Kerry werden auch der französische Präsident François Hollande und der britische Prinz Charles erwartet.

          Peres, am 2. August 1923 im polnischen Wiszniew geboren, bekleidete in seiner langen politischen Karriere hohe politische Ämter in Israel. Unter anderem amtierte er mehrfach als Ministerpräsident und von 2007 bis 2014 als Staatspräsident. Zusammen mit Jitzchak Rabin und Jassir Arafat wurde er 1994 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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