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Nach Brandanschlag auf Kloster : Sechzehn jugendliche Siedler festgenommen

Eine Nonne begutachtet das Ausmaß der Zerstörung nach dem Brandanschlag auf das deutsche Kloster. Bild: Reuters

Nach einem Brandanschlag auf ein deutsches Kloster am See Genezareth sind 16 Jugendliche festgenommen worden. Sie stammen aus jüdischen Siedlungen im Westjordanland.

          Nach einem Brandanschlag auf ein deutsches Kloster am See Genezareth in Israel hat die Polizei am Donnerstag in der Nähe des Tatorts 16 jugendliche Siedler festgenommen. Der nächtliche Anschlag auf einem von deutschen Benediktinern verwalteten Klostergelände galt der Brotvermehrungskirche, wo Jesus Jesus nach christliche Überlieferung 5000 Anhänger mit fünf Brotlaiben und zwei Fischen speiste. „In einem Gebiet nahe der Kirche wurden 16 Jugendliche zum Verhör festgenommen, um ihre mögliche Verwicklung in den Vorfall vor Sonnenaufgang zu ermitteln", erklärte Polizeisprecherin Luba Samri.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach ihren Angaben kommen die 16 Heranwachsenden allesamt aus jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland. Zehn von ihnen stammten aus der nationalreligiösen Siedlung Jizhar südlich von Nablus, die als Hochburg rechtsextremistischer Siedler bekannt ist. Bewohner von Jizhar sind schon mehrmals gewalttätig gegen palästinensische Nachbardörfer oder Soldaten der israelischen Armee vorgegangen. Mehrfach wurde in der Vergangenheit gegen Verdächtige aus Jizhar im Zusammenhang mit Hasstaten ermittelt.

          Bei dem Brandanschlag waren ein Mönch und eine Volontärin leicht verletzt worden. Der Schaden am Eingangsbereich der von vielen Pilgern aufgesuchten Kirche sei „enorm“, sagte ein Sprecher der Jerusalemer Dormitio-Abtei, zu der das Kloster am Westufer des Sees gehört. Das südliche Atrium und die Klosterpforte seien komplett zerstört worden. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts auf Brandstiftung, da an die Wände auf Hebräisch „Heiden“ und „Götzendiener müssen vernichtet werden“ geschmiert worden war. Solche Inschriften hinterließen in der Vergangenheit meist extremistische Juden bei Angriffen auf Christen und Araber. Sie wollten mit ähnlichen Hasstaten („Preisschild-Attacken“) Angriffe auf Siedler rächen oder gegen eine nach ihrer Ansicht zu palästinenserfreundliche Politik der israelischen Regierung protestieren.

          In den vergangenen Monaten war die Zahl solcher Übergriffe aber deutlich gesunken, die israelische Politiker immer wieder mit deutlichen Worten verurteilten. Der deutsche Botschafter Andreas Michaelis äußerte sich am Donnerstagmorgen erschüttert über den Brand. „Jegliche Form von Gewalt gegen Vertreter religiöser Institutionen und gegen religiöse Einrichtungen verurteile ich scharf. Es muss sichergestellt werden, dass diese Einrichtungen in Israel, ebenso in Deutschland und Europa, geschützt sind und bleiben. Die Ursache des Brandes muss jetzt zügig und gründlich aufgeklärt werden“, verlangte Michaelis in einer von der Botschaft verbreiteten Erklärung.

          Nicht der erste Anschlag auf das Kloster

          Das Benediktinerkloster war schon vor einem Jahr Ziel eines Angriffs. Auf dem Gelände hatten im Mai vergangenen Jahres etwa 70 israelische Jugendliche zwei ausländische Pilger bespuckt und mit Steinen beworfen. Bei dem Vorfall zerstörten sie zudem am Seeufer zwei Kreuze und warfen eines davon in den See.

          Auf die Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zions-Berg war dann Ende Mai 2014 ebenfalls ein Brandanschlag verübt worden. Ein Mönch habe das Feuer nur zufällig entdeckt und rechtzeitig gelöscht, sagte der Sprecher des deutschen Benediktinerklosters. Der Täter gelangte offenbar in die Kirche, kurz nachdem der Papst den wenige Dutzend Meter entfernten Abendmahlssaal verlassen und seine Rückreise nach Rom angetreten hatte. Im Jahr zuvor war die Abtei Ziel eines ersten Angriffs mutmaßlicher jüdischer Extremisten, bei dem Autos der Mönche beschädigt und antichristliche Parolen an die Wände geschmiert wurden. Die Täter wurden bis heute nicht gefasst. 

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