https://www.faz.net/-gq5-yeq4

Bernard-Henri Lévy : Der Resolutionsführer

  • -Aktualisiert am

Bernard-Henri Lévy am 10. März vor dem Élysée-Palast Bild: Reuters

Welcher Intellektuelle kann schon von sich sagen, einen Beschluss des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen herbeigeführt zu haben? Bernard-Henri Lévy kann es. Wie er seinen politischen Gegenspieler Nicolas Sarkozy mit aller Macht zum Eingreifen in Libyen brachte.

          Bernard-Henri Lévy ist seit der Nacht zum Freitag der König von Paris. Er war es gewohnt, wegen seiner Dauerkarte in allen Medien, seiner Eitelkeit und Besserwisserei belächelt, ausgelacht oder angemacht zu werden, nun ist alles anders. Welcher Intellektuelle kann schon von sich sagen, einen Beschluss des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen herbeigeführt zu haben? Und welches Land kann sich rühmen, so einen zu haben?

          Es ist Freitagmorgen, ein Rentnerehepaar aus der Provinz tritt an seinen Tisch in einem Pariser Restaurant und sucht nach Worten: „Monsieur, also wir wollten danke sagen, dass Sie diese Menschen in Benghasi gerettet haben. Das ist auch für Frankreich gut. Wir hätten uns ja sonst so schämen müssen, wenn es Sie nicht gegeben hätte.“ Frankreich erkennt in BHL, der schon so lange so berühmt ist, plötzlich seine besten nationalen Traditionen als Heimat der Menschenrechte und eines humanitären Internationalismus. Ein Jude, der nicht ruht, bis er eine Stadt voller Araber, die ihm bis dato völlig unbekannten Bewohner der libyschen Küstenstadt Benghasi, vor ihrem eigenen Staatschef rettet - das gibt es nur in Paris.

          Jede Attacke macht ihm zu schaffen

          Anfang März war BHL auf eigene Faust nach Libyen gereist, hatte in Benghasi den Rat der Widerstandsregierung besucht und danach Sarkozy angerufen. Der lud die Libyer nach Paris ein, empfing ihre Delegation im Élysée, und BHL begleitete sie dorthin. Es war der Beginn einer dramatischen Anti-Gaddafi-Kampagne zweier Männer, BHL und Sarkozy, die mit dem Votum des UN-Sicherheitsrates ein glückliches Ende fand, vorläufig wenigstens.

          Und doch sind an diesem Morgen, wie es bei BHL fast immer der Fall ist, das Erhabene und das Lächerliche wieder so verflixt verwoben. In seinem Wagen liest er seine E-Mails. Wieder einmal hat jemand seinen Wikipediaeintrag verzerrt. Nun steht er da als „Zionistischer Sexualwissenschaftler“. Er bittet einen Freund, sich der Sache anzunehmen, es regt ihn ziemlich auf. Jede Attacke macht ihm zu schaffen, auch wenn er das Gegenteil beteuert. Verloren in der Landschaft einer nun einhellig positiven Presse, gibt es einen moderat unfreundlichen Artikel im hippen Kulturmagazin „Les Inrocks“ - den aber zitiert er immer wieder, wie unter Zwang.

          Er hat seit mehreren Nächten kaum geschlafen, trotzdem ist sein Äußeres kameratauglich wie eh und je. Auf dem Fernsehschirm sieht man, dass er glücklich ist, man sieht es dort deutlicher, als wenn man neben ihm steht: Im Studio des Canal-plus-Mittagsmagazins „Édition Spéciale“ tritt er in Hemdsärmeln auf, lacht nach den albernsten Fragen. Es ist eine Unterhaltungssendung mit einem sehr lockeren Nachrichtenteil, aber BHL ist auch darauf vorbereitet: Von seiner Reise durch Libyen hat er tolle Fotos mitgebracht, die Regie kann sie einblenden, während er alles erklärt, so wird es nicht langweilig. Er kennt seine Auftrittszeit besser als die Aufnahmeleitung, ebenso Marktanteil und Altersaufbau der Zuschauer. Und es macht ihm wirklich Spaß, ins Fernsehen zu gehen. Nach seinem Auftritt kommt die Nachricht, dass Gaddafi den Waffenstillstand verkündet habe. Er wird wieder verkabelt, geht noch einmal vor die Kameras, um zur Vorsicht zu mahnen. Aber die Freude ist ihm anzumerken.

          Topmeldungen

          Was sollte eine Wurst kosten?

          Agrarlobby : Was kostet die Wurst?

          Tiere leiden, der Planet auch. Dabei wäre das leicht zu ändern. Ganz ohne Fleischsteuer. Die meisten deutschen Fleischesser sind hier längst weiter als die Bauern und ihre Bundesministerin.
          Unser Sprinter-Autor: Cai Tore Philippsen

          F.A.Z.-Sprinter : Eiserner Vorhang, sterbender Gletscher

          Vor 30 Jahren bekam der Eiserne Vorhang in Ungarn erste Risse. Wo der Kampf für die Freiheit auch heute noch ein brandaktuelles Thema ist und warum mit dem Gletscher Ok gar nichts okay ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.