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Benghasi : Die Flugabwehr schießt jetzt vor Freude

  • -Aktualisiert am

Gaddafis Truppen sind getroffen Bild: REUTERS

In Benghasi werden die Luftangriffe auf das Militär Gaddafis wie ein Sieg gefeiert. Doch mit der Intervention hat die Revolution lange nicht gewonnen. Für viele kommt die Hilfe aus dem Westen zu spät.

          „Wann endlich kommen sie? Wollen sie sich so lange Zeit lassen, bis es zu spät ist?“ Suleiman Dschadalla, ein Französischlehrer in der ostlibyschen Stadt Tobruk, mag nicht mehr auf die Kampfflugzeuge warten, die Frankreichs Präsident Sarkozy versprochen hat. Es ist Samstag, und aus Benghasi rufen Bekannte an und berichten von Artilleriebeschuss und Angriffen der Gaddafi-Truppen.

          Wird die Hochburg der libyschen Opposition fallen, bevor der Westen ins Kampfgeschehen eingreift? Gebannt sitzen Dschadalla und seine Freunde vor einem Fernsehbildschirm und zappen sich durch die Kanäle. Besonders häufig verweilen sie beim arabischen Dienst von „France 24“, weil sie sich dort am ehesten Aufschluss über Sarkozys Pläne erhoffen. Dazwischen versuchen sie, Verwandte in Benghasi anzurufen, doch von den zwei libyschen Mobilfunknetzen funktioniert nur noch eines, und auch das nur sporadisch. Entwarnung kommt schließlich über ein Satellitentelefon: Der Angriff der Truppen des Diktators sei zurückgeschlagen.

          Im schicken Auto eines libyschen Generals geht deshalb am Nachmittag die Fahrt los nach Benghasi. Auf der grossen Straße, die nach Ägypten führt, sind Autokolonnen mit Flüchtlingen unterwegs. Auf den Dachträgern stapeln sich Gepäckstücke, Matratzen und Decken. Durch die Fenster blicken verängstigte Gesichter. Auch Rebellen bringen ihre Frauen und Kinder ostwärts in Sicherheit. An den unzähligen Straßensperren verteilen Revolutionäre Mineralwasserflaschen und Kekse an die Flüchtlinge. Ein Stück vor dem grünen Berg, einem verkarsteten Hochplateau östlich von Benghasi, muss das Auto gewechselt werden. Der angenehme Ledersitz wird vertauscht gegen einen Platz auf der Ladefläche eines Pritschenwagens. Gegen den frostigen Wüstenwind helfen Schlafsack und Turban.

          Nach der ersten Angriffswelle: Brennende Armeefahrzeuge auf der Straße von Adschdabija nach Benghasi

          Wie das Auto die Außenbezirke von Benghasi erreicht, steht ein fahler Vollmond am Himmel. In der Stadt brennt Licht, selbst die Straßenlaternen funktionieren. An ein paar Stellen steigen dunkle Rauchsäulen auf. Die Rebellen haben ihre Kontrollposten verstärkt, um Gaddafis fünfter Kolonne in Benghasi Herr zu werden. Es sollen Angehörige dieser Untergrundtruppe gewesen sein, die maßgeblich in die Kämpfe vom Samstag verwickelt waren. Die Nachricht, dass die ersten französischen Flugzeuge am Himmel über Libyen aufgetaucht sind, verbreitet sich jetzt wie ein Lauffeuer. Während die Rebellen außerhalb der Stadt schon feiern und ihre rot-schwarz-grünen Fahnen schwenken, ist die Stimmung in Benghasi selbst noch eher gedrückt: Die Kämpfe haben zu viele Opfer gefordert, und ein Teil der Bevölkerung ist nach Osten geflüchtet. Außerdem haben die Rebellen irrtümlicherweise eines ihrer eigenen Kampfflugzeuge abgeschossen. Kurz bevor die brennende Suchoj-24 am Boden aufschlug, katapultierte sich einer der beiden Piloten mit dem Schleudersitz aus dem Cockpit. Doch es war schon zu spät, der Fallschirm konnte sich nicht mehr öffnen.

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