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Beirut : Dschihadisten bekennen sich zu Anschlag auf Irans Botschaft

  • -Aktualisiert am

Brennende Autos am Dienstag nahe der iranischen Botschaft in Beirut Bild: AP

Bei einem Anschlag auf die iranische Botschaft in Beirut sind mindestens 23 Menschen getötet worden. Eine Al Qaida nahestehende Gruppe bekannte sich zu der Attacke.

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          Bei einem Doppelanschlag vor der iranischen Botschaft in Beirut sind am Dienstag 23 Menschen getötet und 147 weitere verletzt worden. Unter den Opfern befand sich auch der iranische Kulturattaché im Libanon, Ibrahim al Ansari, wie das iranische Außenministerium bestätigte. Die dem sunnitischen Terrornetz Al Qaida zugerechneten Abdallah-Assam-Brigaden bekannten sich im Kurznachrichtendienst Twitter zu dem Anschlag. Es seien „zwei unserer Helden, Sunniten aus dem Libanon, zu Märtyrern geworden“. Als Motiv nannten die Extrtemisten die Beteiligung der schiitischen Hizbullah-Miliz am Bürgerkrieg in Syrien.

          In Sicherheitskreisen hieß es, am Dienstagvormittag habe sich zunächst ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft gesprengt, nachdem das Wachpersonal ihn abgewiesen hatte, danach sei ein in einem Kleinlastwagen deponierter Sprengsatz detoniert. Die iranische Botschaft liegt im von der Hizbullah kontrollierten Süden der libanesischen Hauptstadt. Der iranische Botschafter Ghadanfar Roken Abadi blieb unverletzt; das Gebäude wurde leicht beschädigt. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Teheran sagte am Dienstag, der Anschlag sei „von Zionisten und ihren Söldnern“ verübt worden.
          Der amtierende libanesische Ministerpräsident, Nadschib Miqati, verurteilte den Anschlag und berief eine Krisensitzung des Kabinetts ein. Der Führer des antisyrischen und antiiranischen „8.-März-Bündnisses“, Saad al Hariri, bezeichnete die Tat als „verachtenswert“.

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          Löscharbeiten an den zerstörten Autos :

          Die Explosion sei ein weiterer Grund dafür, „dass sich der Libanon vom angrenzenden Aufruhr distanziert“, sagte er und spielte damit auf den Krieg im benachbarten Syrien an. Das Regime in Damaskus beschuldigte indirekt die ölreichen sunnitischen Monarchien Saudi-Arabien und Qatar hinter dem Anschlag zu stecken, dem „der Geruch der Petrodollar“ anhafte.
          Während Hariris antiiranische und antisyrische Allianz die mehrheitlich sunnitische syrische Opposition unterstützt, sind Iran und die Hizbullah neben Russland die engsten Verbündeten des alawitischen Assad-Regimes. Der Syrier-Konflikt, der im März 2011 als friedlicher Aufstand gegen Machthaber Baschar Assad begonnen hatte, hat verstärkt konfessionelle Züge angenommen. Auch im Libanon nehmen im Zuges des Bürgerkriegs im Nachbarland die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten zu. Wegen des Konflikts konnte seit April keine neue Regierung gebildet werden; im August waren zwei sunnitische Moscheen in der nordlibanesischen Stadt Tripoli Ziel von Anschlägen.

          Dass Selbstmordattentäter den Angriff auf die iranische Botschaft führten, sei wurde in westlichen Sicherheitskreisen als maßgebliche Eskalation gewertet. Das habe eine „neue Qualität“, hieß es. Zudem sei erstmals ein iranisches Ziel direkt angegriffen worden, nicht nur Einrichtungen der mit Teheran verbündeten schiitischen Hizbullah. Deren Generalsekretär Hassan Nasrallah hatte Assad erst vergangene Woche versichert, bis zum Ende weiter an seiner Seite zu kämpfen.

          Die Hizbullah erhöhte unmittelbar nach dem Anschlag ihre Sicherheitsvorkehrungen in der südlichen Beiruter Vorstadt Dahiye. Erst im Oktober war hier ein mit einem Sprengsatz versehener Wagen entdeckt und die Bombe entschärft worden. Bis zum Beginn des Revolution gegen Assad galt das Gebiet als sicher vor Anschlägen. Durch die steigende Zahl syrischer Flüchtlinge hat sich die Sicherheitssituation jedoch auch in den von der Hizbullah kontrollierten Vierteln stetig verschlechtert. Der Anschlag von Dienstag war schon der dritte in der Region seit Juli. Im Mai war die Dahiye mit Raketen beschossen worden. Am Tag zuvor hatte Nasrallah in einer Fernsehansprache erstmals öffentlich bestätigt, dass in Syrien Hizbullah-Kämpfer die Truppen Assads unterstützen.

          Auch an der Offensive des syrischen Regimes gegen Stellungen Aufständischer rund um die westsyrische Stadt Qara ist die Hizbullah beteiligt. Das syrische Staatsfernsehen meldete am Dienstag, die Gemeinde, die entlang der strategisch wichtigen Verbindungsstraße zwischen Damaskus und Homs und nur wenige Kilometer von der Grenze zur libanesischen Bekaa-Ebene entfernt liegt, sei von der Armee eingenommen worden. Wegen der Kämpfe sind Tausende aus der bergigen Region um Qara in der vergangenen Woche in den Libanon geflohen. Am Montag bombardierte die syrische Luftwaffe Außenbezirke der Stadt Arsal, wohin allein am vergangenen Wochenende 12.000 Syrer geflohen waren. Mehr als 40.000 Flüchtlinge halten sich inzwischen in der nordostlibanesischen Gemeinde auf, deren Außenbezirke auch von sunnitischen Aufständischen als Rückzugsort genutzt werden.

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