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Bahreins Militär zieht sich zurück : Libysche Scharfschützen schießen auf Trauernde

  • Aktualisiert am

In Tripolis fordern Demonstranten seit Tagen den Rücktritt von Muammar al Gaddafi Bild: AFP

Während sich das Militär in Bahrein zurückzieht, gehen die Sicherheitskräfte im Jemen und Libyen mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Nach Angaben von Human Rights Watch wurden allein in Libyen mindestens 84 Menschen getötet. Scharfschützen sollen 15 Menschen erschossen haben, die eine Trauerfeier für Gaddafi-Gegner besuchten.

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          Bei einer Trauerfeier für 35 getötete Gegner des libyschen Staatschefs Muammar al Gaddafi haben Scharfschützen am Samstag das Feuer auf die Menge eröffnet und dabei nach Krankenhausangaben 15 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Schützen hätten vom Dach der Zentrale der Sicherheitskräfte aus geschossen, sagte ein Informant, der namentlich nicht genannt werden wollte. Am frühen Samstagmorgen hatten Spezialkräfte in Bengasi ein Zeltlager der Protestierenden vor einem Gerichtsgebäude gestürmt. Die Zahl der Toten bei den seit drei Tagen anhaltenden Protesten gegen Präsident Muammar al Gaddafi liegt der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge bei 84.

          Die Lage in Bengasi wurde von Beobachtern als äußerst angespannt bezeichnet. In der Nacht sollen Demonstranten Polizeistationen und Regierungsgebäude in Brand gesetzt und einen lokalen Radiosender besetzt haben. Gegen 5.00 Uhr griffen Sicherheitskräfte den Angaben zufolge dann das Zeltlager an, in dem
          mehrere Hundert Demonstranten seit zwei Tagen ausgeharrt hatten. „Sie sind mit Tränengas gegen die Menschen in den Zelten vorgegangen und haben das gesamte Gelände geräumt. Viele haben auf der Flucht noch Tote oder Verletzte getragen“, sagte ein Augenzeuge. Bengasi gleiche einer Geisterstadt. Viele hätten Angst, dass am heutigen Samstag noch „etwas Großes“ passiere.

          Internet abgeschaltet

          Unbestätigten Angaben zufolge sind unterdessen Angehörige einer Eliteeinheit der libyschen Streitkräfte ins Zentrum von Bengasi sowie von anderen Städten im Osten des Landes vorgerückt. Die Mitglieder der sogenannten Khamis-Brigade unter Leitung von Gaddafis jüngstem Sohn seien zudem von ausländischen Söldnern begleitet worden.

          Die Demonstranten im Jemen fordern den Rücktritt von Präsident Salih
          Die Demonstranten im Jemen fordern den Rücktritt von Präsident Salih : Bild: AFP

          Offenbar um die Regierungsgegner an Verabredungen zu weiteren Protestaktionen zu hindern, wurde gegen 2.00 Uhr in der Nacht das Internet im gesamten Land unterbrochen. Das teilte die amerikanische IT-Sicherheitsfirma Arbor Networks mit. Unter Berufung auf Angaben aus mehreren Krankenhäusern teilte die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit, dass die Zahl der Toten sich auf mindestens 84 erhöht habe. Allein in Bengasi seien dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte am Freitag 35 Menschen getötet worden.

          Bahreins Militär zieht sich zurück

          Bahreins Kronprinz Scheich Salman bin Hamad al-Chalifa hat am Samstag die Streitkräfte aus den Straßen und Wohngebieten des Landes zurückbeordert. Der Befehl trete mit „sofortiger Wirkung“ in Kraft, hieß es in einer Erklärung der bahreinischen Regierung. Anstelle des Militärs solle nun wieder die Polizei für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen. Kronprinz Al-Chalifa ist zugleich stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

          Nach der Niederschlagung der Proteste in der Hauptstadt Manama zwei Tage zuvor blieb die Lage in dem Golfstaat am Samstag angespannt. Am Vortag waren vier getötete Demonstranten begraben worden, Tausende hatten abermals gegen die politische Führung des Königreichs demonstriert. Dabei setzten die Sicherheitskräfte wieder Gewalt gegen Demonstranten ein. Dutzende Menschen wurden verletzt.

          Das Militär hatte insbesondere den Lulu-Platz im Zentrum Manamas besetzt, von dem die Proteste gegen die Regierung ausgegangen waren. Der Abzug der Soldaten und Panzer aus den Straßen und Wohngebieten war eine der Forderungen der Opposition, an die sie die Aufnahme eines Dialogs mit der Regierung geknüpft hatte. König Hamad bin Issa al-Chalifa hatte der Opposition zuvor Gespräche angeboten. Die Proteste werden vor allem von unzufriedenen Schiiten getragen. Rund zwei Drittel der Bahreiner sind Schiiten; das Königshaus und die Regierung sind hingegen sunnitisch.

          Polizisten im Jemen schießen auf Demonstranten

          Sondereinsatzkräfte der Polizei im Jemen haben Angaben von Sanitätern zufolge am Samstag in der Hauptstadt Sanaa einen Demonstranten erschossen und fünf weitere verletzt. Die Polizisten eröffneten das Feuer auf die Menge aus tausenden Demonstranten.

          Die Menschen zogen von der Universität zum Justizministerium. Sie forderten den Rücktritt des langjährigen Präsidenten Ali Abdullah Salih. „Die Menschen wollen den Abgang des Regimes“, skandierten sie. Die Polizei ging mit Tränengas, Steinen und scharfer Munition gegen die Demonstranten vor. Seit Beginn der Protesten vor eineinhalb Wochen im Jemen wurden mindestens sieben Menschen getötet, mehr als 150 wurden verletzt. In der Hafenstadt Aden haben sich die Sicherheitskräfte nach Angaben von Bewohnern am Samstag aus den Straßen zurückgezogen.

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