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Bahrein : Sechs Tote bei Räumung des Perlenplatzes

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Bahreinische Sicherheitskräfte haben am Mittwoch den Perlenplatz, das Zentrum der Proteste in der Hauptstadt Manama, mit Gewalt geräumt. Bei der Aktion sind nach Angaben der Opposition mindestens fünf Demonstranten getötet und mehr als 200 verletzt worden.

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          Bahreinische Sicherheitskräfte haben am Mittwoch den Perlenplatz, das Zentrum der Proteste in der Hauptstadt Manama, mit Gewalt geräumt. Die Demonstranten hatten zuvor die Barrikaden verstärkt. Sie konnten die anrückenden Soldaten aber nicht aufhalten. Danach öffneten die Soldaten wieder die zum Finanzzentrum führenden Straßen, die zuvor blockiert waren. Bei der Aktion sind nach Angaben der Opposition mindestens fünf Demonstranten getötet und mehr als 200 verletzt worden. Das staatliche Fernsehen meldete den Tod von zwei Polizisten.

          Am frühen Mittwochmorgen stürmten von Panzern und Hubschraubern unterstützte bahreinische Soldaten und Polizisten den Platz, dem sie sich aus allen Richtungen näherten und so den Demonstranten keine Fluchtmöglichkeit ließen. Sie setzten Tränengas und Gummigeschosse ein. Auch in der Nacht zum Mittwoch hatten mehr als 500 Demonstranten auf dem Platz kampiert. Der Nachrichtensender Al Dschazira berichtete von Explosionen und über den Platz aufsteigenden Rauchschwaden. Saudische und emiratische Sicherheitskräfte, die am Montag in Manama eingetroffen waren, sind an der Niederschlagung der Proteste offenbar nicht beteiligt. Indem sie den Schutz strategisch wichtiger Einrichtungen übernahmen, ermöglichten sie aber sonst dadurch gebundenen bahrainischen Einheiten, an der Operation teilzunehmen. Am Dienstag war zunächst für drei Monate der Ausnahmezustand verhängt worden.

          Abdaldschalil Chalil, der Fraktionsvorsitzende der größten schiitischen Oppositioinspartei Wifaq, die sich aus dem Parlament zurückgezogen hat, bezeichnete die Niederschlagung der Proteste als „Vernichtungskrieg“. Ein anderes Mitglied der Partei, Ali al Aswad, forderte die Hilfe der Vereinten Nationen an. Er warf der Armee vor, mit Kampfhubschraubern vom Typ Apache auf friedliche Demonstranten geschossen zu haben. Der Nachrichtensender Al Dschazira zitierte Augenzeugen, die sagten, die Sicherheitskräfte hätten das Salmania-Krankenhaus umstellt, die Kontrolle im Gebäude übernommen, und sie ließen weder medizinisches Personal noch Opfer durch. Das Krankenhaus liegt in der Nähe des Perlenplatzes und ist die größte medizinische Einrichtung Bahreins.

          In Kairo forderte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton zu umgehenden Schritten für eine politische Beilegung der Krise auf und forderte Zurückhaltung. Sie äußerte sich nicht zur Entsendung fremder Truppen nach Bahrein. Der amerikanische Präsident Barack Obama forderte den König von Bahrein und den saudischen König in Telefongesprächen dazu auf, nach einer politischen Lösung zu suchen. Iran wiederholte seine Warnung gegen eine „ausländische Einflussnahme“. Die friedlichen Demonstrationen seien eine innere Angelegenheit des Landes, sagte ein ranghoher Diplomat in Teheran. Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad machte die Vereinigten Staaten für die Niederschlagung der Proteste verantwortlich. Teheran zog aus Protest seinen Botschafter aus Bahrein zu Konsultationen ab.

          Die arabischen Golfstaaten fürchten eine Destabilisierung der Region und stützen daher das Königshaus der Al Chalifa. Würde Bahrein, wo mehr als zwei Drittel der Einwohner Schiiten sind, eine Republik, hätte das Auswirkungen auf Saudi-Arabien und dessen nahe gelegene, ebenfalls mehrheitlich von Schiiten bewohnte Ostprovinz. Eine Schwächung der Golfstaaten führte zu einem Machtzuwachs Irans, den die sechs Monarchien im Golfkooperationsrat (GCC) auf jeden Fall verhindern wollen. Im Vordergrund steht die Absicht, den GCC als einen einheitlichen Sicherheitsraum intakt zu lassen. Andererseits hatten sich die GCC-Staaten für eine Flugverbotszone über Libyen und den raschen Sturz Gaddafis stark gemacht, damit in der arabischen Welt nicht ein ausstrahlender Unruheherd fortbesteht.

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