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+++ Bagdad-Briefing +++ : Zu wenig, zu spät

  • -Aktualisiert am

Rauch steigt über dem bislang von Isis gehaltenen Kampfgebiet vor der Stadt Naojul auf. Bild: AFP

Syriens Luftwaffe hat offenbar weitaus flächendeckender im Irak zugeschlagen als bisher berichtet. Gefallen kann Obama die neue Anti-Isis-Allianz nicht. Doch seine Aufstockung der Militärhilfe für Syriens Rebellen ist zu gering.

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          Für Amerikas Präsidenten Barack Obama wird die Lage immer vertrackter: Nach dem Eingeständnis Ministerpräsident Nuri al Malikis, dass Syrien Stellungen der Terrorgruppe Isis auf irakischem Territorium bombardiert habe, findet er sich plötzlich auf einer Seite mit Baschar al Assad wieder.

          Der soll den Angriff auf Kämpfer des Islamischen Staats im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) unter anderem deshalb befohlen haben, um eine Ausweitung des Isis-Einflusses auf Jordanien zu verhindern. Das berichtete am Donnerstag die libanesische Tageszeitung „Al Safir“ unter Berufung auf syrische Sicherheitskreise.

          Weitaus flächendeckender als von Maliki zugegeben habe die syrische Luftwaffe in den vergangenen Tagen demnach zugeschlagen. Nicht nur nahe des Grenzorts Qaim, sondern in „sechs irakischen Regionen“ sollen Kampfflieger Angriffe auf Isis-Stellungen geflogen haben. „Durch die Antiterror-Allianz werden die Karten in Syrien, im Irak und in Jordanien neu gemischt“, heißt es in „Al Safir“. Die Vereinigten Staaten seien über das Vorgehen nicht vorab unterrichtet gewesen. Auch im gemeinsamen Operationszentrum von irakischen, jordanischen, syrischen und iranischen Sicherheitskräften in Bagdad seien amerikanische Militärs nicht zugelassen, schreibt die kuweitische Tageszeitung „Al Rai al Aam“.

          Vor diesem Hintergrund erscheint die Aufstockung der amerikanischen Militärhilfe für Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) logisch. Die moderate Anti-Assad-Allianz kämpft seit fast zwei Jahren einen Zweifrontenkrieg: Gefechte mit Regimeeinheiten führen die syrischen Oppositionseinheiten ebenso wie mit Isis und extremistischen Sunnitengruppen. Dass Obama der FSA nun 500 Millionen Dollar zukommen lassen will, zeigt, dass er am Ende doch noch eine innersyrische Alternative zu Assad aufbauen helfen will. Die Hilfe kommt allerdings zu spät, und sie ist viel zu gering: Weil Washington versäumte, die FSA zu einem Zeitpunkt zu stärken, als dschihadistische Gruppen wie Isis und die Nusra-Front noch schwach waren, wurden sie in den letzten zwei Kriegsjahren an den Rand gedrängt.

          Nur so konnte sie sich rüsten zum Marsch auf Bagdad, der westlichen Diplomaten zufolge angesichts anhaltender Kämpfe in anderen Teilen des Landes allenfalls aufgeschoben ist. Am Sonntag beginnt der Fastenmonat Ramadan. Vorerst stehen die Zeichen in der Hauptstadt auf Politik. Hinter den Kulissen wird bereits um die Verteilung der Posten gestritten: Am kommenden Dienstag sollen im Hochsicherheitstakt der Grünen Zone gelegenen Parlament die im April neu gewählten Abgeordneten vereidigt werden. Es ist der Auftakt zu einer wahrscheinlich langen Regierungsbildung.

          Es könnte der letzte Versuch sein, die militärische Lage im Land mit politischen Mitteln zu lösen. Allen voran Ministerpräsident Nuri al Maliki, dessen „Staat des Rechts“-Koalition die Wahl gewann, setzt auf den von der Verfassung vorgeschriebenen Prozess, um seine Kritiker nicht noch weiter gegen sich aufzubringen.

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