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Bagdad Briefing : Mit der Hizbullah gegen die Dschihadisten?

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Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah vor Anhängern in Beirut Bild: AP

Bei Amerli nördlich von Bagdad stehen Tausende schiitische Milizionäre bereit, um den Belagerungsring des „Islamischen Staats“ zu brechen. Auch die libanesische Hizbullah will den Kampf gegen die sunnitischen Dschihadisten in die eigenen Hände nehmen.

          Bislang konnten sich die schiitischen Milizen nördlich von Amerli noch auf die gefledderten Regierungstruppen verlassen: Am Donnerstag rückten Einheiten der irakischen Armee von Süden an das seit mehr als zwei Monaten belagerte Amerli vor, um die mehrheitlich schiitischen Turkmenen zu retten, die dort leben. Mehrere Dörfer seien zurückerobert worden, sagte ein Armeesprecher.

          Der UN-Sondergesandte Nickolay Mladenov hatte vergangene Woche vor einem „Massaker“ an den Bewohnern gewarnt. Aus Washington verlautete derweil, dass sowohl eine humanitäre wie eine militärische Operation infrage kämen – „oder beides“ –, um die eingeschlossenen Bewohner zu retten.

          Entscheidend für den weiteren Vorgang wird jedoch das Verhalten der Schiitenmilizen Asaib Ahl al Haq und der Badr-Organisation sein, die sich seit Tagen im Tuz Khurmatu nördlich von Amerli sammeln. Nach dem Massaker in einer sunnitischen Moschee vor einer Woche mit 70 Toten wächst die Gefahr konfessioneller Racheaktionen. Nach den Verbrechen des „Islamischen Staats“ der vergangenen Monate und der langen Geschichte sunnitisch-schiitischer Gewalt im Irak spricht vieles dafür, dass die Rückeroberung Amerlis begleitet sein wird von vielen Toten. Schließlich ist es den schiitischen Freiwilligenverbänden, die sich seit Juni dem Kampf gegen den „Islamischen Staat“ angeschlossen haben, bislang nicht gelungen, die sunnitische Terrortruppe aus Takrit oder Baidschi zu vertreiben. In Amerli soll das nun gelingen.

          Die Lehren aus dem schiitischen Scheitern im Irak offenbar gezogen hat die libanesische Parteimiliz Hizbullah. Um nicht wie ihre irakischen Glaubensbrüder in die Defensive zu gelangen, plant die von Generalsekretär Hassan Nasrallah geführte Organisation den Aufbau so genannter „Widerstandsbrigaden“, berichtet das Nachrichtenportal „Al Monitor“. In der an Syrien angrenzenden Bekaa-Ebene seien bereits Ausbildungslager eingerichtet worden, um Freiwillige von Hizbullah-Kadern für einen möglichen Angriff des „Islamischen Staats“ rüsten zu lassen.

          Erst Anfang August hatte die Terrorgruppe in der Grenzstadt Arsal mehrere libanesische Soldaten entführt. Die Gebirgsgemeinde grenzt direkt an das von der Hizbullah gehaltene Gebiet; ein Strang schiitischer Dörfer auf der syrischen Seite der Grenze wird seit zwei Jahren von der „Partei Gottes“ geschützt. Zwar gelang es der Nasrallah-Organisation, den Angriff auf Arsal abzuwehren, doch fürchten deren Kommandeure weitere Operationen des „Islamischen Staats“ rund um die Stadt Hermel im Norden der Bekaa-Ebene und in der Hafenstadt Tripolis.

          Für die in Syrien auf der Seite Präsident Baschar al Assads gebundene Parteimiliz wäre ein Erfolg der Dschihadisten dort eine Katastrophe. Ähnlich wie die sunnitische Terrorgruppe Ansar al Scharia im libyschen Misrata könnten die Milizen des „Islamischen Staats“ die Sunnitenhochburg am Mittelmeer nutzen, um ihren Nachschub an Waffen zu sichern. Die Expansion von Abu Bakr al Bagdadis „Kalifat“ auf den Libanon wäre dann nur eine Frage der Zeit. Genau das aber will die Hizbullah verhindern.

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