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+++ Bagdad Briefing +++ : Krieg im Libanon

  • -Aktualisiert am

Mit einem Kind unter dem Arm flieht ein libanesischer Journalist vor den Kämpfen zwischen libanesischer Armee und sunnitischen Milizen in Tripolis Bild: dpa

Es waren die schwersten Kämpfe seit August: 28 Menschen kamen am Wochenende bei Gefechten zwischen der Armee des Landes und Dschihadisten in der Sunnitenhochburg Tripolis ums Leben.

          Die Schulen in Tripolis haben an diesem Montag geschlossen. Libanons Erziehungsminister Elias Bou Saab ordnete diesen Schritt an, nachdem bei Kämpfen in der Hafenstadt nahe der syrischen Grenze am Wochenende 28 Menschen getötet wurden, darunter elf Zivilisten. Zehn Kämpfer des Al-Qaida-Ablegers Nusra-Front, die sich hier der Unterstützung des „Islamischen Staats“ sicher sein können, wurden von Soldaten getötet.

          Das blutige Wochenende in der sunnitisch dominierten Mittelmeermetropole könnte der Auftakt eines dritten Krieges nach denen in Syrien und dem Irak sein, in dem die Terrorgruppe die vom Westen unterstützten Kräfte vor sich her treibt. Seit August, als Einheiten des „Islamischen Staats“ in die libanesische Grenzstadt Arsal eindrangen und dort einen Soldaten entführten, waren es die heftigsten Kämpfe in der Zedernrepublik. „Die Sicherheitskräfte und die Armee haben die volle Unterstützung des Staates in ihrer Schlacht, um den Terrorismus zu zerschlagen“, sagte Ministerpräsident Tammam Salam am Sonntag. Es bleibe „keine andere Wahl“ als die Dschihadisten „mit allen Mitteln zu eliminieren“.

          Bagdadi setzt auf Unruhe im Libanon

          Doch die Taktik Abu Bakr al Bagdadis spricht dafür, dass der Libanon vorerst nicht mehr zur Ruhe kommt. Immer dann, wenn seine Einheiten unter Druck gerieten, schlug er anderswo zurück: In Kobane, als die Angriffe der von Amerika geführten Antiterrorallianz auf den Mossul-Staudamm zu stark wurden; in Falludscha, als die irakisch-kurdischen Peschmerga im Nordirak Boden gut machten.

          Nun also der Libanon, das vielleicht fragilste der vier arabischen Nachbarländer Syriens. Anderthalb Millionen Flüchtlinge hat der kleine Mittelmeeranrainer seit Beginn der Proteste gegen Baschar al Assad im März 2011 aufgenommen. Weil die politische Klasse in Beirut in Anhänger und Gegner des Diktators gespalten ist, ist seit einem halben Jahr kein Nachfolger für Staatschef Michel Suleiman gefunden worden, der Präsidentenpalast in Babdaa steht leer. Und das zerstrittene Parlament steht kurz davor, die vor anderthalb Jahren verfassungswidrig verlängerte Legislaturperiode weiter auszudehnen.

          Auf den zerfallenen Strukturen des libanesischen Staats finden der „Islamische Staat“ und der Al-Qaida-Ableger der Nusra-Front den perfekten Nährboden, ihren in Syrien 2012 begonnen Feldzug fortzuführen. Unter Hunderttausenden meist sunnitischen Flüchtlingen, die sich in die Bekaa-Ebene und die kargen Landstriche des Akkar rund um Tripoli zurückgezogen haben, gibt es genug, die den „Heiligen Krieg“ ein Leben in Elend und Armut vorziehen.

          Libanons schwache Streitkräfte, gerade von Saudi-Arabien mit Milliardenhilfen aufgerüstet, sind bereit, den Kampf aufzunehmen. „Für die Armee gelten drei Neins“, sagte ein Offizier der Beiruter Tageszeitung „Daily Star“ während der Gefechte in Tripolis. „Nein zu einem Waffenstillstand, nein zu Sicherheitskorridoren für Terroristen und Nein zu selbst ausgerufenen Sicherheitszonen“. Die Schulen in der Hafenstadt an der Grenze zu Syrien könnten noch länger geschlossen bleiben, steht zu befürchten.

          Zwei libanesische Soldaten lehnen am Samstag an einer Wand in der von Kämpfen erschütterten Hafenstadt Tripolis, im Norden des Landes Bilderstrecke

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