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+ + + Bagdad Briefing + + + : Kerrys Rechnung geht nicht auf

  • -Aktualisiert am

Bedroht: Jordanische Panzer am Montag an der Grenze zum Irak Bild: dpa

Grenzen fallen, Fronten bröckeln: Kerrys Plan, in Amman eine Allianz gegen die Isis zu schmieden, hat einen empfindlichen Dämpfer erhalten: Die Aufständischen kontrollieren mittlerweile das Grenzgebiet zu Jordanien.

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          Auch am Dienstagvormittag sind die Gespräche noch nicht beendet gewesen: Lokale sunnitische Stammesführer verhandeln weiter mit Isis-Kämpfern über die Zukunft des einzigen offiziellen Grenzübergangs vom Irak nach Jordanien. Für die Regierung in Bagdad ist die Nachricht von dessen Verlust eine Katastrophe: Mit der Einnahme von Turabil durch die sunnitischen Aufständischen hat sie die Kontrolle über ihre Westgrenzen vollständig verloren. Weder an den drei Kontrollpunkten zu Syrien noch an dem zum haschemitischen Königreich haben staatliche Grenzer nun noch das Sagen.

          Und es könnte noch schlimmer kommen: Der Südirak werde bald „den Start eines großen Aufstands gegen die Regierung von Ministerpräsident Nuri Maliki erleben“, sagte ein Führungsmitglied des Rats der Aufständischen der Stämme, Ahmad al Dabbash, der saudi-arabischen Tageszeitung „Al Sharq al Awsat“.

          Zur Einnahme Turabils durch bewaffnete Gruppen sunnitischer Stämme, die sich der Offensive der Gruppe Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) angeschlossen haben, kam es nur Stunden vor der Ankunft John Kerrys in Bagdad am Montagmorgen. Dass die Dschihadisten nun auch noch das Grenzgebiet zu Jordanien kontrollieren, konnte dem amerikanischen Außenminister nicht gefallen – war er doch kurz zuvor in Amman gewesen, um mit Offiziellen dort eine Anti-Isis-Allianz zu schmieden, an der einflussreiche Stammesführer und islamistische Konkurrenz-Milizen von Isis gegebenenfalls einen gewichtigen Anteil hätten.

          Bündnis der Frustrierten

          Die Rechnung geht bislang nicht auf – im Gegenteil. Das Stammesrats-Mitglied Dabbash sagte, dass die Aufständischen „innerhalb von zwei Tagen die Provinz Anbar kontrollieren“ würden. Kurz vor Beginn des Fastenmonats Ramadan am Wochenende wäre das neben Ninive im Norden die zweite Provinz, in der sich die Regierungseinheiten aus den größeren Städten vollständig zurückgezogen hätten. Bis zur Einnahme des Grenzpostens in Turabil und der auf der strategisch wichtigen Verbindungsstraße zwischen Amman und Bagdad gelegenen Stadt Rutbah hatten die Truppen Malikis wenigstens den Süden Anbars noch in ihrer Hand. Doch wie zuvor im Nordirak hat das Bündnis aus frustrierten Stammesführern, sunnitischen Milizen wie der Islamischen Armee und Profiteuren des alten Regimes Saddam Husseins die Vormacht der staatlichen Armee gebrochen.

          Lediglich in der Nähe von Hawidscha beginnt die sunnitische Anti-Maliki-Allianz offenbar zu bröckeln. Fünfzig Kilometer westlich der Provinzhauptstadt Kirkuk lieferten sich am Montag den dritten Tag in Folge Isis-Milizionäre Kämpfe mit Angehörigen der Nakschbandi-Armee. Die Truppe setzt sich zusammen aus entlassenen Offizieren und früheren Kadern der Baath-Partei, die nach der amerikanischen Invasion 2003 entmachtet worden waren. In Hawidscha bilden sie den Kern des Aufstands gegen die Regierungstruppen.

          Nach Angaben von Bewohnern stellt Isis nur fünf Prozent der neuen Verwalter des Orts, in dem Sondereinheiten Malikis im April 2013 ein Massaker an 42 Zivilisten verübten, die friedlich gegen die Politik des autoritären Machthabers demonstriert hatten. Danach radikalisierte und bewaffnete sich der Aufstand, dessen politische Ziele zwei Wochen nach Beginn der Isis-Offensive immer klarere Züge annehmen: „Föderalismus ist die Lösung unseres Problems“, sagte Stammesratsführer al Dabbash „Al Sharq al Awsat“ und forderte einen Autonomiestatus statt der Zentralherrschaft aus Bagdad: „Die Sunniten können sich selbst regieren, ebenso wie die Kurden und die Schiiten.“

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