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+ + + Bagdad Briefing + + + : Hizbullah rekrutiert Christen gegen „Islamischen Staat“

  • -Aktualisiert am

Bemühungen zur Einhegung des Syrienkriegs: der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam (rechts) am Sonntag während eines Besuchs in Qatar Bild: AFP

Im Libanon setzt die „Partei Gottes“ im Kampf gegen den IS auf christliche Selbstschutzeinheiten. Die Bedrohung durch die sunnitischen Extremisten wächst.

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          In der libanesischen Sunnitenhochburg Sidon ist das Experiment nach hinten losgegangen: Vor fünf Jahren hatte dort die schiitische Hizbullah sunnitische Männer in kleinen Kampfeinheiten ausgebildet, um den Einfluss extremistischer Gruppen zu schwächen. Die so genannten Widerstandsbrigaden gerieten später jedoch mit lokalen Kräften aneinander, die eine Ausdehnung der von Generalsekretär Hassan Nasrallah geführten „Partei Gottes“ ins sunnitische Stammland verhindern wollten. Aus Sidon stammte der 2005 ermordete frühere libanesische Regierungschef Rafiq Hariri. Ein Sondergericht der Vereinten Nationen in Den Haag hat später vier Hizbullah-Mitglieder wegen des Anschlags angeklagt.

          Angesichts des Vormarschs des „Islamischen Staats“ versucht die Hizbullah nun dennoch wieder, nichtschiitische Bündnispartner in ihren Kampf gegen die sunnitischen Extremisten einzubinden. In der Region Dschezzin, berichten libanesische Zeitungen, seien christliche Angehörige der Freien Patriotischen Bewegung (FPM) Michel Aouns rekrutiert worden, um Anschläge der Terrorgruppe zu verhindern. Als „Christliche Widerstandsbrigaden“ bezeichnen Sicherheitskräfte die kleinen Einheiten, die im Auftrag der Hizbullah für Sicherheit in den Gebieten nahe der libanesischen Bekaa-Ebene sorgen sollen.

          Der hausgemachte Teil der Krise

          Mehr als sechzig Mann seien demnach bereits mit Gewehren ausgestattet worden; für 500 Dollar im Monat patrouillierten sie nachts in den Straßen christlicher Gemeinden der Gegend, um ein Einsickern sunnitischer Terrorzellen zu verhindern. Ziel sei es, 200 Mann unter Waffen zu bringen, berichtet der Beiruter „Daily Star“. Darauf hätten sich Hizbullah-Offizielle und Angehörige der FPM des früheren Armeechefs Aoun geeinigt. Zuletzt hatten Meldungen über die Festnahme angeblich mit Munition und Waffen ausgestatteter Syrer für Unruhe in der Region gesorgt.

          Solche Berichte stoßen im Libanon auf fruchtbaren Boden. Immer mehr gerät das konfessionell gespaltene Land in den Sog des Syrien-Krieges; in von der Nasrallah-Organisation kontrollierten Gebieten ist es im vergangenen Jahr verstärkt zu Anschlägen gekommen. Seit Monaten hat das Land keinen Präsidenten mehr, weil die politische Klasse zwischen Gefolgsleuten und Gegnern des syrischen Machthabers Baschar al Assad gespalten ist.  Auch deshalb versucht die Hizbullah, ihre traditionellen Schutzmechanismen zu erweitern.

          Dabei geht das Übergreifen des Konflikts auf den kleinen Mittelmeeranrainer nicht zuletzt auf ihr eigenes Konto: Weil die Parteimiliz seit zwei Jahren mit Hunderten Männern auf Seiten Assads kämpft, haben die Spannungen zwischen den Religionsgruppen zugenommen. Und noch etwas unterscheidet die Zedernrepublik von dem Bürgerkriegsland, was die Hizbullah gefährdet: Während sich der „Islamische Staat“ und der syrische Al-Qaida-Ableger der Nusra-Front in Syrien voneinander trennten, kämpften die beiden Terrorgruppen in der libanesischen Grenzstadt Arsal zuletzt Seite an Seite – gegen die Armee und gegen die Hizbullah.

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