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+++ Bagdad Briefing +++ : Bröckelnde Allianzen

  • -Aktualisiert am

Ein Fahrzeug der irakischen Sicherheitskräfte in Hawidscha - zurückgelassen Mitte Juni, jetzt haben die Isis-Kämpfer die Stadt wohl wieder verlassen Bild: REUTERS

In Hawidscha begehren alte Baath-Partei-Angehörige gegen die Vorherrschaft des Islamischen Staats auf. Ohne ausländische militärische Unterstützung wird es nicht gelingen, die Dominanz der Dschihadisten in der Anti-Maliki-Allianz zu brechen.

          „Komplett gesäubert“ sei Awja, sagte der Militärsprecher Ministerpräsident Nuri al Malikis, nachdem Regierungseinheiten am Freitag das Heimatdorf Saddam Husseins eingenommen hatten. Gemeinsam mit schiitischen Freiwilligenverbänden war die Armee zuvor in den Ort eingerückt, 30 Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat und ihrer Verbündeten seien getötet worden. Die Strecke zwischen Awja und Samarra soll sich nun wieder unter Kontrolle der staatlichen Streitkräfte befinden – ein fünfzig Kilometer langer Streifen, der nur hundert Kilometer nördlich von Bagdad liegt.

          Hier hatte der 2006 hingerichtete Diktator seine Machtbasis; sunnitische Verwandte aus Awja und seiner Geburtsstadt Takrit sowie andere Angehörige des al-Bunasir-Stammes band Saddam Hussein in den Verteidigungsring ein, die ihm seine Herrschaft sicherten. Mehr als ein Jahrzehnt später aber ist es der Islamische Staat, der ein starkes Netzwerk aufgebaut hat, das es den Regierungstruppen so schwer macht, im sunnitischen Dreieck zurückzuschlagen: Auch in der vierten Woche seit dem Vormarsch der Dschihadisten von Mossul nach Süden ist es ihnen nicht gelungen, Takrit zurückzuerobern.

          Weiter nördlich bröckeln jedoch die Allianzen, die den Siegeszug der Truppen Abu Bakr al Baghdadis überhaupt erst ermöglicht haben. In Hawidscha, gelegen vierzig Kilometer westlich der Provinzhauptstadt Kirkuk, sind in der vergangenen Woche 15 Menschen getötet worden bei Kämpfen zwischen dem Islamischen Staat und Angehörigen der Naqschbandi-Armee. Die Einheit wird geleitet von Ibrahim Izzat al Duri, dem „Kreuz-König“ im amerikanischen Kartenspiel von 2003, das die meistgesuchten Iraker des alten Regimes führt. Er ist seit 2007 Vorsitzender der im Untergrund tätigen Baath-Partei.

          In Hawidscha, wo bei der Auflösung eines Protestcamps durch Spezialeinheiten Malikis im April 2013 mehr als vierzig Menschen getötet wurden, war die Naqschbandi-Armee von Beginn an die stärkste Kraft. Nur fünf Prozent der Aufständischen dort gehören dem Islamischen Staat an, sagt ein irakischer Journalist aus der Stadt. Baghdadis Männern sei es in den vier Wochen seit Beginn ihrer Offensive nicht gelungen, die anderen sunnitischen Gruppen ihr unterzuordnen. Den Treueschwur, den der Islamische Staat seit Ausrufung seines Kalifats vor einer Woche verlangt, sind sie nicht bereit zu schwören.

          Die unter den eher weltlich orientierten Verbündeten Baghdadis einflussreiche Vereinigung muslimischer Gelehrter im Irak hatte den Zwang zum Treueschwur bereits Anfang der Woche stark kritisiert. Die Ausrufung des Kalifats sei erfolgt, „ohne die Söhne des Irak und ihre Führer zu befragen“, teilte die Organisation mit. Am Ende werde es den Herrschenden als Vorwand dienen, das Land zu teilen. Da die sunnitischen Zweckalliierten des Islamischen Staats mit wenig Unterstützung rechnen können – weder von der irakischen Armee noch von Iran oder den Vereinigten Staaten – dürfte das das wahrscheinlichste Szenario für die Zukunft sein.

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