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+ + + Bagdad Briefing + + + : Al Qaida, Isis und zurück

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Isis-Kämpfer am Montag in Mossul im Irak Bild: AP

Der an erstaunlichen Allianzen nicht arme Irak-Krieg ist um eine Nuance reicher: Kurz hinter der Grenze zu Syrien findet die Wiedervereinigung von Nusra-Front und dem Islamischen Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) statt – nach einem halben Jahr dschihadistischen Bruderkriegs.

          Dem Handshake fehlte es nicht an historischer Kraft: Sechs Monate nach Ausbruch heftiger Kämpfe zwischen den zwei stärksten dschihadistischen Verbänden in Syrien gaben sich ein tschetschenischer Isis-Kommandeur und ein ägyptischer Söldner der Nusra-Front am Mittwoch die Hand. Das berichtet die auf ein dichtes Netz an Informanten im Land bauende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Ort der Versöhnung: Albu Kamal, ein paar Kilometer hinter der syrisch-irakischen Grenze. Vier Tage nach der Vertreibung irakischer Soldaten aus dem Grenzort Qaim haben in dem seit Monaten heftig umkämpften Pulverfass nun auch die Dschihadisten die Oberhand gewonnen.

          Und in Abu Kamal ist den seit fast drei Wochen im Irak von Sieg zu Sieg eilenden Einheiten Abu Bakr al Baghdadis erstmals gelungen, ihre schärfsten Rivalen wieder einzubinden. Die Nusra-Front ist der syrische Ableger Al Qaidas. Noch vor einem Jahr kämpften der Islamische Staat und die Truppen Abu Muhammad al Golanis gemeinsam gegen die gemäßigte Freie Syrische Armee (FSA). Doch nachdem Isis-Chef al Baghdadi sich dem Befehl Al-Qaida-Oberhaupts Ayman al Zawahiri widersetzte, den Rücktritt aus Syrien anzutreten, kam es zum Krieg im Krieg: Hunderte Kämpfer sind allein seit Januar getötet worden. Der einst zum Sturz der Diktatur Baschar al Assads begonnene bewaffnete Aufstand spielte für die von ausländischen Kämpfern durchsetzten Dschihadisten-Einheiten kaum noch eine Rolle.

          Der lokale Ableger der Nusra-Front habe Isis deshalb die „Treue geschworen“, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, weil sie durch die Plünderung irakischer Armeekasernen zur militärisch stärksten Kraft des islamistischen Lagers geworden seien. Der Schritt werde jedoch zu Spannungen mit anderen Gruppen führen, die dem losen Oberkommando des Hohen Militärrats der FSA im türkischen Gaziantep unterstellt sind. 

          Anders als im Irak, wo Isis gemeinsam mit säkularen Baath-Kadern und alten Armeeoffizieren Saddam Husseins gegen die Herrschaft des schiitischen Machthabers Nuri al Maliki kämpft, ist in Syrien nicht die Assad-Diktatur der Hauptgegner von Isis, sondern die FSA – und die dschihadistischen Rivalen der Nusra-Front. Es gibt Berichte darüber, wie Assads Luftwaffe FSA-Stellungen zu Schutt und Asche bombte, in unmittelbarer Nähe gelegene Isis-Stützpunkte aber verschonte. Um den Krieg im Krieg zwischen Isis, rivalisierenden Islamisteneinheiten und FSA-Brigaden anzuheizen, setzt Assad indirekt auf die extremsten Vertreter der dschihadistischen Internationale: 500 Kämpfer allein aus Tschetschenien sollen in den Reihen al Baghdadis kämpfen, ein harter Kern mit Kriegserfahrung in Bosnien, Libyen, Afghanistan, dem Kaukasus und Somalia kommt hinzu.

          Anders als im Irak stößt die Isis-Herrschaft in Syrien deshalb auch auf große Ablehnung: Demokratieaktivisten, die zwei Jahre lang dem Terror von Assads Sicherheitsapparat friedlich widerstanden, haben inzwischen zu den Waffen gegriffen, weil sie sich von den ausländischen Dschihadisten keinen Gottesstaat aufzwingen lassen wollen. Ein Krieg im Krieg gegen die Allianz aus Al Qaida und Isis steht nun auch in Albu Kamal zu befürchten: Der FSA-Sprecher der Provinz Deir al Zor, Omar Abu Leyla, warnte Isis am Mittwoch davor, über die irakische Grenze in den Ort zu kommen. Das sei eine „rote Linie“, auf die die FSA militärisch antworten würde.

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