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Badr al Din : Hizbullah-Kommandeur in Syrien getötet

Zum „Märtyrer“ erklärt: Mitglieder der Hizbullah bei einer Trauerfeier für Mustafa Badr al Din Bild: Reuters

Mustafa Badr al Din war eine Schlüsselfigur der libanesischen Hizbullah und leitete deren militärische Operationen in Syrien. Nun ist er dort von einer Bombe getötet worden. Wer steckt hinter dem Anschlag?

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          Bei einer Explosion in der Nähe des Flughafens von Damaskus ist am Freitagmorgen Mustafa Badr al Din, der militärische Führer der libanesischen Hizbullah in Syrien, getötet worden. Die Hizbullah hielt sich mit öffentlichen Schuldzuweisungen zunächst zurück. Sie teilte nur mit, sie prüfe die Umstände dieser „großen Explosion“, machte aber niemanden für den Anschlag verantwortlich. Der libanesische Nachrichtensender Mayadeen TV, der der Hizbullah nahesteht, schrieb zunächst auf seiner Webseite, Bad al Din sei durch einen israelischen Luftschlag getötet worden, nahm diesen Bericht jedoch wieder von der Webseite.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

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          Die Hizbullah unterhält gemeinsam mit den iranischen Revolutionswächtern nahe des Flughafens von Damaskus eine Kommandozentrale. Dort soll Badr al Din auch gewohnt haben. Badr al Din leitete seit 2011 die militärischen Operationen der Hizbullah in Syrien. 2013 war er maßgeblich an der Rückeroberung der strategisch wichtigen Stadt Qusair beteiligt.

          Der Tod von Badr al Din ist für die Hizbullah ein schwerer Schlag. Badr al Din, der den Kampfnamen Dhu al Fiqar führte, war eine Schlüsselfigur für den Syrien-Einsatz, einer der Mitgründer der Hizbullah und Vertrauter des Hizbullah-Generalsekrtetärs Hassan Nasrallah. Die Hizbullah erklärte, Badr al Din, der noch am Freitag in Beirut beerdigt wurde, sei als „Märtyrer“ zurückgekehrt. In Beirut drohte der Hizbullah-Abgeordnete Nawar al Saheli Israel mit Vergeltung „zu gegebener Zeit“.

          Badr al Din : Hochrangiger Hizbullah-Kommandeur in Syrien getötet

          Aus Israel gab es am Freitag keine offizielle Stellungnahme. Das ist nicht ungewöhnlich. Bis vor wenigen Wochen hatte die israelische Regierung Angriffe in Syrien nie offiziell bestätigt. Zum ersten Mal teilte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Mitte April öffentlich mit, dass die Armee seit dem Beginn des Kriegs in Syrien „Dutzende Male“ jenseits der israelischen Grenze Ziele angegriffen habe, um zu verhindern, dass die Hizbullah fortgeschrittene Waffen erhält. Israel wird nicht zum ersten Mal vorgeworfen, auch führende Hizbullah-Mitglieder getötet zu haben. Die BBC zitiert amerikanische Geheimdienstquellen, nach denen 2008 die CIA und der israelische Mossad in einer gemeinsamen Aktion den damaligen Militärchef der Hizbullah, Imad Mughnijeh, getötet hätten. Mughnijeh, ein Cousin und Schwager von Badr al Din, war in Damaskus durch eine Autobombe getötet worden. 1983 sollen Mughnijeh und Badr al Din den Anschlag auf amerikanische Soldaten in Beirut geplant und durchgeführt haben, bei dem 241 Menschen getötet worden sind. Der 1961 geborene Badr al Din ist einer der fünf Mitglieder der Hizbullah, die das Sondertribunal für den Libanon in absentia für die Tötung des libanesischen Ministerpräsidenten Rafik al Hariri im Februar 2005 verurteilt hatte. Badr al Din soll das Attentat koordiniert haben.

          Im vergangenen Dezember war bei einer Explosion in Damaskus Samir Kuntar ums Leben gekommen, der in Israel wegen eines Terroranschlags zu lebenslanger Haft verurteilt war, bei einem Gefangenenaustausch aber freikam. Er soll am Ausbau der Präsenz der Hizbullah auf dem syrischen Teil der Golanhöhen beteiligt gewesen sein. Mughnijehs Sohn Dschihad war vor eineinhalb Jahren auf den Golanhöhen bei einem Israel zugeschriebenen Luftangriff getötet worden. Er galt als treibende Kraft beim Aufbau einer neuen Hizbullah-Front auf dem Golan. Im Januar 2015 waren bei dem Luftschlag sechs libanesische Hizbullah-Mitglieder und zwei Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden umgekommen. Die Hizbullah griff daraufhin eine israelische Armeepatrouille an und tötete zwei Soldaten.

          Mutmaßlich zögerte die Hizbullah, mit dem Finger auf Israel zu zeigen, weil eine Schuldzuweisung ohne anschließende Vergeltung als Schwäche ausgelegt würde. Das kann sich die Hizbullah in ihrer derzeitigen Lage genauso wenig wünschen, wie einen neuen Waffengang mit dem israelischen Militär. Denn der Syrien-Einsatz an der Seite von Machthaber Baschar al Assad wird gerät für die Hizbullah zunehmend zum Kraftakt. Neben dem Konterfei des „Märtyrers“ Badr al Din hängen auf den Straßen der schiitischen Hochburgen Bilder vieler junger Männer, die auf den syrischen Schlachtfeldern gefallen sind. Es regt sich Unmut. Die Hizbullah bringt in Syrien große Opfer, aber ein Sieg ist nicht in Sicht. Es herrschen in den Reihen der Parteimilizionäre inzwischen Zweifel, ob die Eroberung der syrischen Stadt Aleppo aus der Hand der Rebellen überhaupt gelingen kann. Zuletzt erlitten die Milizionäre und iranischen Revolutionsgarden dort bittere Verluste.

          „Immer mehr ihrer Anhänger stellen den Syrien-Einsatz in Frage“, beobachtet Hanin Ghaddar, eine libanesische Journalistin und Hizbullah-Expertin. „Jedes Mal, wenn die Organisation einen Verlust erleidet, wird der Druck größer, und der Tod von Mustafa Badr al Din ist ein sehr schwerer Verlust.“ Er fällt in eine Zeit, in der es Spannungen unter den Assad-Verbündeten gibt. Schon nachdem Samir Kuntar im Dezember 2015 bei einem Luftangriff getötet wurde, kursierte das Gerücht, Russland und Israel hätten zusammengearbeitet. Im Fall von Mustafa Badr al Din gibt es unter Militärbeobachtern die Interpretation, der Angriff sei eine russische Botschaft an Iran. Danach würden die iranischen Revolutionsgarden – anders als von Russland gewünscht – die militärischen Ambitionen Assads unterstützen, während Russland daran interessiert sei, den politischen Prozess zur Beilegung des Syrien-Konflikts zu retten.

          So berichtete die israelische Webseite Debka über Meinungsverschiedenheiten zwischen Badr al Din und mit anderen Akteuren. Nach großen eigenen Verlusten habe er das syrische Regime und Iran angegriffen, da sie die Hizbullah als Kanonenfutter an der Front einsetzten. Er habe Russland angeklagt, die Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft einzuschränken. Zudem habe er, ohne sich mit dem Generalsekretär der Miliz, Hassan Nasrallah, abzustimmen, begonnen, Einheiten der Miliz an die syrisch-libanesische Grenze zurückzuziehen.

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