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Aus Mali und Niger nach Libyen : Gaddafi rekrutiert Söldner unter den Tuareg

  • -Aktualisiert am

Kämpfer des „Justice and Equality Movement” (JEM) in Darfur Bild: AFP

Ein Großteil der Söldner des libyschen Machthabers Gaddafi kommt offenbar aus den Nachbarländern Mali und Niger. Die Summen, die den Kämpfern gezahlt werden, reichen von einigen hundert bis zu 1000 Dollar für jeden Kampfeinsatz.

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          Der libysche Machthaber Muammar Gaddafi rekrutiert offenbar im großen Stil Söldner in seinen südlichen Nachbarländern, insbesondere unter den Tuareg in Mali und Niger. Nach Angaben von malischen Regionalabgeordneten aus der nordmalischen Stadt Kidal, einem traditionellen Siedlungsgebiet der Tuareg, haben sich bereits Hunderte Männer nach Libyen aufgemacht.

          Unter ihnen befinden sich nach Angaben des Bürgermeisters von Kidal zahlreiche ehemalige Rebellen. Gemutmaßt wird auch, dass einer der letzten Rebellenführer der malischen Tuareg, Ibrahim Ag Bahanga, sich inzwischen in Libyen aufhalte. Mali und Niger waren in den neunziger Jahren Schauplatz von Tuareg-Aufständen, die mutmaßlich von Libyen unterstützt wurden.

          Bis zu 1000 Dollar für jeden Kampfeinsatz

          Der Vorsitzende des Regionalrats von Kidal in Mali, Abdou Salam Ag Assalat, zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sehr besorgt über die Anwerbung von Söldnern unter den Tuaregs. „Wenn diese Leute zurückkommen und ihre Waffen mitbringen, kann das abermals den ganzen Sahel destabilisieren“, sagte er. Zwar seien die Sicherheitsdienste bemüht, die überwiegend jungen Tuareg von ihrem Vorhaben abzubringen, doch sei das angesichts der von den Libyern in Aussicht gestellten Bezahlung „aussichtslos“.

          Die Summen, die genannt werden, reichen von einigen hundert Dollar bis zu 1000 Dollar für jeden Kampfeinsatz, was im armen Sahel ein Vermögen darstellt. Inzwischen sei sogar eine regelrechte Infrastruktur für den Transport der Söldner entstanden, die von Mali aus mit geländegängigen Lastwagen quer durch den nigrischen Teil der Sahara in den Süden Libyens gebracht würden.

          Diese Region ist zudem das Rückzugsgebiet von Aqmi, wie der nordafrikanische Ableger des Al-Qaida-Terrornetzwerkes genannt wird. Eine andere Route soll über die Ortschaft Zouar im Norden Tschads führen, was die tschadischen Behörden allerdings bestreiten. Libyen und Tschad hatten sich in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen erbitterten Krieg um die Kontrolle des Tibesti-Gebirges geliefert, an dessen Rand Zouar liegt.

          Lange gemeinsame Geschichte mit dem libyschen „Revolutionsführer“

          Verlässliche Angaben über die Zahl der Söldner in Gaddafis Reihen liegen allerdings nicht vor. Die in Paris ansässige „Internationale Föderation der Menschenrechtsligen“ (FIDH) schätzt die Zahl der schwarzafrikanischen Söldner auf 6000 Mann, von denen wiederum 3000 in der Hauptstadt Tripolis stationiert sein sollen. Hinweise, dass insbesondere Rebellen aus der ostsudanesischen Krisenregion Darfur auf Seiten Gaddafis kämpfen, wie sie von der sudanesischen Regierung vor Wochenfrist in Khartum verbreitet worden waren, konnten bislang nicht bestätigt werden. Allerdings lebt einer der sudanesischen Rebellenführer, Khalil Ibrahim, in Tripolis. Ibrahim führt die Rebellengruppe „Justice and Equality Movement“ (JEM) und hatte im Mai vergangenen Jahres Zuflucht in Libyen gesucht, nachdem er zuvor nicht nach Tschad hatte einreisen dürfen.

          Die 1,5 Millionen Tuareg, die auf die Länder Algerien, Mali, Niger und Libyen verteilt leben, verbindet indes eine lange gemeinsame Geschichte mit dem libyschen „Revolutionsführer“. Zwischen 1990 und 1995 war es in Mali und in Niger zu Aufständen der Tuareg gekommen, die Autonomie für ihre Siedlungsgebiete forderten, weil sie die schwarzafrikanischen Regierungen ihrer jeweiligen Länder ablehnten. Beide Rebellionen erhielten Unterstützung aus Libyen. Sowohl Mali als auch Niger konnten die Konflikte 1995 nach politischen Konzessionen an die Tuareg beilegen.

          Seit 2007 aber ist es in beiden Ländern vereinzelt wieder zu Angriffen von Tuaregs gekommen, in Mali auf staatliche Einrichtungen, im nigrischen Arlit auf wichtige Industrieanlagen wie die zum französischen Konzern Areva gehörenden Uranminen. Insbesondere im Fall von Arlit war in der nigrischen Presse über einen möglichen libyschen Hintergrund spekuliert worden, worauf die libysche Führung mit einer Verleumdungsklage reagiert hatte.

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