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Aufstand in Ägypten : Google will Opposition unterstützen

  • Aktualisiert am

Demonstranten beten am Sonntagabend im Zentrum von Kairo Bild: F.A.Z. Helumt Fricke

Der Internetanbieter Google will der Opposition das Twittern per Telefonanruf ermöglichen. Derweil plant die Regierung offenbar, das Mobiltelefonnetz zu kappen. Trotzdem sammeln sich Tausende auf dem Tahrir-Platz zum „Marsch der Million“.

          Die Internetfirma Google will der ägyptischen Opposition bei der Kommunikation helfen. Wie Google in seinem Firmenblog am Montag mitteilte, soll es möglich sein, per Telefonanruf zu twittern. Die Nachricht müsse als Voicemail bei mehreren internationalen Rufnummern hinterlassen werden. Die Nachrichten würden dann mit dem Schlagwort „egypt“ augenblicklich bei Twitter veröffentlicht. Sie können über dieselben Nummer empfangen oder im Internet gehört werden.

          Nach Google-Angaben arbeiteten eine kleine Gruppe von Experten von Twitter, Google und SayNow, einer Firma, die Google in der vergangenen Woche gekauft habe, an dem Service. Google schreibt in seinem Blog weiter, dass das Unternehmen hoffe, den Menschen in Ägypten in dieser sehr schwierigen Zeit bei ihrer Kommunikation helfen können.

          Eine Massendemonstration soll eine Woche nach Beginn der Proteste den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt zwingen. Heute wollen etwa eine Million Menschen zum Präsidentenpalast marschieren. Zur Behinderung der Anreise der Regimegegner sei der Eisenbahnverkehr unterbrochen worden, berichtete der arabische Nachrichtensender Al Dschazira. Zur Unterbindung der Kommunikation will die Regierung das Mobiltelefonnetz kappen. Das berichteten Medien und Regierungsvertreter in der Nacht zum Dienstag. Ein weiterer ägyptischer Internetprovider, die Noor Group, sei am Montagabend von Netz genommen worden.

          Das teilte Renesys mit, ein amerikanisches IT-Unternehmen aus New Hampshire, das für Internet-Anbieter die Sicherheit und die Infrastruktur des Netzes überprüft. Das sei der letzte Internetprovider gewesen, der funktioniert habe, hieß es in einem Medienbericht. Ungeachtet der Ausgangssperre gingen die Proteste auch in der Nacht weiter. Wie Al Dschazira berichtete, hielten sich Hunderte von Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo auf. Mubarak beauftragte seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman, mit der Opposition zu sprechen. Das Büro Suleimans sagte dem amerikanischen Nachrichtensender CNN, dass erste Kontakte zur Opposition geknüpft worden seien.

          Hinweise auf Gesprächspartner fehlen bisher

          Es gab nach CNN-Angaben aber keine Hinweise, welche Vorschläge gemacht worden seien. Auch lagen keine Reaktionen von Oppositionellen vor. Zudem fehlten Angaben über die Gesprächspartner. Im Vorfeld der Massendemonstration signalisierte das Militär, dass es nicht auf friedliche Demonstranten feuern werde. „Wir erkennen die Legitimität der Forderungen der Bürger an“, hieß es in der Erklärung der Militärführung, die am Montagabend veröffentlicht wurde. „Wir werden keine Gewalt gegen die Bürger einsetzen.“ (Siehe auch Ägypten: Armee will keine Gewalt einsetzen) Auch in Tunesien hatte die Armee im Gegensatz zur Polizei bei den Protesten gegen das Regime von Ben Ali Zurückhaltung geübt und damit die Achtung der Menschen gewonnen.

          Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei bekräftigte am Montag seinen Führungsanspruch innerhalb der Oppositionsbewegung. Angehörige der Opposition erklärten jedoch, in dieser Frage gebe es Differenzen. El Baradei will in eine Regierung der nationalen Einheit neben einem Vertreter der Muslimbruderschaft zwei Richter, einen Militär und diverse Oppositionspolitiker holen. Mubarak gab seinem neuen Ministerpräsidenten Ahmad Schafik am Montag die Order, angekündigte demokratische Reformen umzusetzen. In dessen Kabinett finden sich allerdings nur etwa ein Drittel neue Minister, wie bei der Vereidigung deutlich wurde. Treue Gefolgsleute des Regimes blieben im Amt.

          Merkel hält die Maßnahmen Mubaraks nicht für ausreichend

          Der amerikanische Präsident Barack Obama rief zu einem friedlichen „Übergang“ in Ägypten auf. Nach Angaben seines Sprechers Robert Gibbs wollen die Vereinigten Staaten „einen geordneten Übergang zu einer Regierung“ unterstützten, „die auf die Bestrebungen des ägyptischen Volkes eingeht“. Bundeskanzlerin Angela Merkel gab bei einem Besuch in Israel zu erkennen, dass sie die von Mubarak eingeleiteten Maßnahmen zur Beilegung der Unruhen für nicht ausreichend hält. Vor allem der Dialog der ägyptischen Regierung mit den protestierenden Menschen reiche nicht aus, sagte Merkel. Die EU will die Ägypter in ihrem Streben nach mehr Demokratie unterstützen, hält sich in der Kontroverse um Mubarak aber weitgehend zurück. (Siehe EU fordert Mubarak zu „offenem Dialog“ mit der Opposition auf)

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