https://www.faz.net/-gq5-7qfie

Aufstand im Irak : Obama lässt sich die Ruhe nicht nehmen

Der amerikanische Präsident Barack Obama Bild: dpa

Angesichts der Offensive sunnitischer Kräfte im Irak bleibt Obama unbeirrt: Bevor Amerika militärisch eingreift, sollen sich die Volksgruppen verständigen. Damit will sich der Präsident alle Optionen offen halten.

          4 Min.

          Barack Obama nimmt sich Zeit. Immer verzweifelter haben die Iraker auf ihre „dringende Notlage“ nach dem Vormarsch der Dschihadisten verwiesen. Immer boshafter haben die Republikaner dem Präsidenten Tatenlosigkeit im Angesicht einer angekündigten Katastrophe unterstellt. John Boehner, der „Speaker“ im Repräsentantenhaus, warf dem Oberbefehlshaber sogar vor, er habe ein Schläfchen gehalten, während sich im Nahen Osten die Terroristen formierten. Doch Obama lässt sich die Ruhe nicht nehmen. Bevor er übers Wochenende nach Kalifornien flog, ließ er am Freitag in Washington wissen, er werde frühestens in einigen Tagen entscheiden, ob Amerika den Irakern vielleicht mit Luftschlägen helfen wird. „Auch wenn sich die Dinge im Irak sehr schnell entwickelt haben“, sagte er, „so brauchen wir mehrere Tage zur Planung.“ Zunächst müsse man sich ein klares Lagebild verschaffen, „damit, wenn ich tatsächlich Aktionen befehlen sollte, diese gezielt, präzise und wirksam sind“.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Es ist überdeutlich, dass sich der Präsident schwertut, das amerikanische Militär schon wieder im Irak einzusetzen, wo sein Vorgänger George W. Bush 2003 einen in Obamas Augen „dummen Krieg“ angezettelt hatte. Kampftruppen auf irakischem Boden schließt er kategorisch aus. Mit dem Rest wartet er allerdings nicht nur ab, weil er die innen- und außenpolitischen Risiken noch gründlicher abwägen möchte. Die scheinbare Unbekümmertheit, mit der sich der Präsident der Alarmstimmung entzieht, soll den Druck auf Bagdad erhöhen. Klipp und klar hat Obama Ministerpräsident Nuri al Maliki zu verstehen gegeben, dass der Schiit mit keiner militärischen Unterstützung rechnen dürfe, solange er Washingtons Wünsche nach einer Einheitsregierung weiter in den Wind schlage. Er werde es nicht zulassen, bekundete Obama, dass Amerika von den Irakern wieder in einen Konflikt „hineingezogen“ werde und unter großen Opfern den Deckel auf dem Kessel halte, ohne dass sich die Führer der Volksgruppen verständigten, wie sie einen prekären Frieden gemeinsam sichern könnten.

          Iran hält Bündnis mit Amerika für denkbar

          Der Hebel, den Washington als wichtigster Waffenlieferant der Iraker ohnehin schon in der Hand hält, hatte nicht genügt, um Maliki zur Versöhnung mit den Sunniten zu bewegen. Der Iraker ignorierte Obamas Mahnungen – und am Ende beschleunigten die Amerikaner trotzdem die Lieferung von Rüstungsgütern und Geheimdienstinformationen, weil auch sie den aus Syrien einsickernden Terroristen Einhalt gebieten wollten. Doch jetzt reicht es Obama. Er nimmt weitere Geländegewinne der Dschihadisten in Kauf, um Maliki keinen Ausweg zu lassen. Gleichzeitig will er so die anderen Golfstaaten drängen, sich stärker für die Stabilisierung des Iraks zu engagieren.

          Als Obama am Freitag an die „Nachbarn“ des Iraks appellierte, ihrer „Verantwortung“ gerecht zu werden, wird er allerdings kaum von einer Waffenbrüderschaft mit den iranischen Revolutionsgarden geträumt haben. Doch das schiitische Regime in Teheran, auf das Maliki sich stützt, soll schon Milizen in den Irak geschickt haben. Präsident Hassan Rohani bestritt auf einer Pressekonferenz zwar jede Absicht, Truppen zu entsenden. Aber man könne über eine Allianz mit Washington nachdenken, fügte der Iraner auf Nachfrage der BBC an, „wenn wir sehen, dass Amerika sich den Terrorgruppen im Irak oder anderswo entgegenstellt“.

          Topmeldungen

          Aufregung in Spanien : Barcelona wittert Verschwörung im Videokeller

          Hartnäckig hält sich die Legende, Real Madrid gewinne seine Titel mit Hilfe der Schiedsrichter. Nun entscheidet der Videoreferee mehrfach für die Königlichen. Die Gegner schimpfen. Dafür erhält Real unerwartete Rückendeckung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.