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Aufruhr in der arabischen Welt : „Tag des Zorns“ in Syrien

  • -Aktualisiert am

Eine Mahnwache in Damaskus am vergangenen Samstag Bild: dapd

Im Internet rufen junge Aktivsten für heute zu Protesten gegen Syriens Präsident Bashar al Assad auf. Der säkulare Autokrat lässt auch schon einmal die Islamisten von der Leine, um sich dem Ausland als Garant für Stabilität zu präsentieren.

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          Die Mahnwache dauerte nicht lang. Nur kurz nachdem syrische Unterstützer der ägyptischen Demokratiebewegung am Mittwochabend in Damaskus zusammen gekommen waren, trieben Sicherheitskräfte sie mit Schlagstöcken auch schon wieder auseinander. Einige der Demonstranten wurden verhaftet, darunter der Menschenrechtler Suheir Atassi. Wenig später kam er frei, berichtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

          So glimpflich davon kommen dürften Demonstranten in Damaskus, Aleppo oder Homs künftig nicht, sollten sie sich in den nächsten Tagen wirklich auf die Straße wagen. Wie schon zuvor in Tunesien und in Ägypten haben nun auch junge syrische Aktivisten im Internet zur Protesten aufgerufen. „Syriens Tag der Wut“ lautet das Motto, unter dem die Facebook-Gruppe „The Syrian Revolution“ mobilisiert; mehr als 14.000 Unterstützer fand der Aufruf bis zum Freitag. Unmittelbar nach dem Mittagsgebet sollten die Proteste beginnen – nicht nur in Syrien selbst, auch vor Botschaften des Landes in Kanada, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Frankreich und Deutschland. Das Ziel: ein Ende der Alleinherrschaft der Baath-Partei, freie Wahlen, uneingeschränkter Zugang zu Medien und die Freilassung aller politischen Gefangenen.

          Nicht nur weil der Zugang zu Facebook in Syrien offiziell blockiert ist, dürften sich die Proteste in Grenzen halten. Die „Syrian Revolution“-Macher geben selbst zu, dass sie deshalb vor allem mit Aktionen im Ausland rechnen. Denn in Syrien haben Assads Sicherheitsdienste die Netz-Aktivisten fest im Griff: Mindestens vier Blogger wurden seit 2008 verhaftet und zu Haftstrafen verurteilt, mehr als 200 Homepages sind laut „Reporter ohne Grenzen“ nicht zugänglich, darunter die Videoplattform Youtube: Um Filmaufnahmen einer Demonstration der kurdischen Minderheit zu zensieren, wurde der Zugang zu der Seite im August 2007 gekappt.

          Bild: dpa

          „Das war ein intellektueller Aufstand“

          „Syrien und Libyen werden die letzten Länder sein, in denen es zu Protesten kommt“, sagt Radwan Ziadeh, Gründer des Zentrums für Menschenrechtsstudien in Damaskus, der zurzeit an der Harvard-Universität in den Vereinigten Staaten lehrt. „Die Syrer haben Angst, weil sie wissen, dass die Armee sofort schießen wird, sollten sie sich auch auf die Straße wagen.“ Auch knapp drei Jahrzehnte nach dem Massaker von Hama, bei dem im Februar 1982 Tausende Zivilisten getötet wurden, sei die Erinnerung an die brutale Reaktion des Staates noch frisch. Damals hatten die Muslimbrüder das Regime von Baschars Vater Hafez al Assad mit einer Serie von Anschlägen zu stürzen versucht. Mit der militärischen Zerschlagung des Aufstands endete die Opposition gegen die Diktatur des 1970 durch einen Putsch an die Macht gekommenen Luftwaffengenerals.

          Erst nach dem Amtsantritt Baschar al Assads im Juni 2000 kam es wieder zu Protesten gegen das Regime der Baath-Partei, die seit 1963 die Geschicke der Syrischen Arabischen Republik lenkt. Doch die Hoffnung, der vor seinem Wechsel in die Politik in Großbritannien als Augenarzt tätige Assad würde demokratische Reformen einleiten, zerschlugen sich schnell. Auch Ziadeh zählte zu den Aktivisten des „Damaszener Frühlings“, von denen viele im September 2000 verhaftet wurden. „Das war ein intellektueller Aufstand, mit dem das Regime umgehen konnte“, sagt er gut ein Jahrzehnt später. „Was Assad heute droht, sind die Proteste unzufriedener, perspektivloser Jugendlicher und der unterdrückten kurdischen Minderheit.“ Immer wieder in den vergangenen Jahren kam es in den kurdisch besiedelten Gebieten im Nordosten Syriens zu Demonstrationen. Berichten zufolge soll die syrische Armee ihre Präsenz dort Ende Januar verstärkt haben.

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