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Aufruhr in Ägypten : Demonstranten drängen auf Sturz Mubaraks

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Für ein besseres Leben: Demonstranten am Sonntag in Kairo Bild: AFP

Am sechsten Tag in Folge demonstrieren in Kairo am Sonntag Tausende für den Sturz Präsident Hosni Mubaraks. Offenbar als Machtdemonstration ließen die Streitkräfte zu Beginn des Ausgehverbots am Nachmittag zwei Kampfflugzeuge mehrfach über Kairo hinweg fliegen. Die Zahl der Toten erhöhte sich über Nacht auf 150. Mubarak traf am Vormittag mit seiner Militärführung zusammen.

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          Der Machtkampf zehrt am 82 Jahre alten ägyptischen Herrscher. Das Staatsfernsehen zeigte Präsident Husni Mubarak am Sonntag beim Besuch eines Militärkomplexes, der als nationales Hauptquartier bezeichnet wurde. Mubarak machte auf dem Videomaterial einen ermüdeten und niedergeschlagenen Eindruck. Es war sein erster Auftritt vor den Kameras seit seiner Ansprache am Freitag.

          Die Sicherheitslage im Land, in dem seit Dienstag Unruhen herrschen, geriet unterdessen außer Kontrolle: Tausende Häftlinge machten die Straßen unsicher. Sie hatten die chaotische Lage zur Flucht genutzt. Offenbar als Machtdemonstration ließen die Streitkräfte zu Beginn des Ausgehverbots am Nachmittag Uhr zwei Kampfflugzeuge mehrfach über Kairo hinweg fliegen.

          „Nein zu Mubarak“

          In der Nähe des Abu-Saabal-Gefängnisses in Kairo lagen dutzende Leichen auf der Straße, wie AFP von einem Sicherheitsvertreter erfuhr. In der Nacht seien innerhalb und außerhalb des Gefängnisses im Osten der Stadt Schüsse zu hören gewesen. Mehr als ein Dutzend Tote wurden in eine Moschee in der Nähe des Gefängnisses gebracht, in dem die Häftlinge zuvor gemeutert hatten.

          Nach den Plünderungen: Männer vor Supermarkt am Sonntag

          Die Armee riegelte das Stadtzentrum mit Sturmpanzern ab. An Kontrollpunkten zum Tahrir-Platz wurden die Demonstranten nach Waffen durchsucht, bevor sie passieren konnten. Die Demonstranten forderten neben dem Rücktritt Mubaraks auch den Abtritt des bisherigen Geheimdienstchefs Omar Suleiman, den Mubarak erst am Samstag zum Vizepräsidenten ernannt hatte, sowie des ebenfalls am Samstag ernannten neuen Regierungschefs Ahmed Schafik.

          Auch vor dem ägyptischen Museum, wo wertvolle Kunstschätze geplündert worden waren, standen Panzer. Auf Militärfahrzeugen standen Sprüche wie „Nein zu Mubarak“. Auf einem riesigen Transparent war zu lesen, das Militär solle sich „zwischen Ägypten und Mubarak“ entscheiden.

          Bewohner bilden Bürgerwehren

          Angesichts der Plünderungen bildeten die Bewohner in vielen Vierteln Kairos bewaffnete Bürgerwehren. Jugendliche übergaben Soldaten mutmaßliche Plünderer, die sie gefasst hatten. Während die Armee überall präsent war, war die Polizei, die in den vergangenen Tagen massiv gegen die Demonstranten vorgegangen war, auf den Straßen kaum noch zu sehen.

          Mubarak besuchte am Sonntag laut Staatsfernsehen die Kommandozentrale des Militärs, um sich über die „Sicherheitssituation“ zu informieren. Die staatliche Presse schlug am Sonntag einen neuen Ton an: Die traditionell Mubarak-treue Zeitung „El Gomhuria“ forderte einen „Wandel“ im Land.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama drängte Mubarak zur Umsetzung von demokratischen und wirtschaftlichen Reformen, die der ägyptische Präsident in einer Fernsehansprache angekündigt hatte. In einer gemeinsamen Erklärung forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron den 82-jährigen Präsidenten auf, einen Wandel einzuleiten.

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