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Aufruhr auch in Syrien? : Der Herrscher macht auf Facebook-Jugend

  • -Aktualisiert am

Bei Jung und Alt populär: Baschar al-Assad Bild: REUTERS

Syriens Präsident Assad lockert die Blockade des Internet. Menschenrechtler fürchten, dass Oppositionelle so besser kontrolliert werden können. Dafür spricht, dass eine Bloggerin wegen vermeintlicher Spionage verurteilt wurde.

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          So rege wie in den vergangenen Tagen ging es auf der Seite des Staatschefs schon lange nicht mehr zu. „Der beste Präsident“, „der beste Präsident der Welt“ und ähnliches Lob hinterlassen Besucher zurzeit im Minutentakt auf der Facebook-Pinnwand Baschar al-Assads, ebenso ein Video, das ihn nach dem Besuch der Umayyaden-Moschee in Damaskus zeigt. Nur unter größten Mühen gelingt es seinen Bodyguards, die jubelnde Menge von ihm fernzuhalten, die Aufpasser stehen sichtlich unter Strom. Der 45 Jahre alte Herrscher hingegen genießt die Aufmerksamkeit und winkt seinen Anhängern immer wieder zu. Die Botschaft des Achtminutenfilms ist eindeutig: Rings um Syrien mögen die Potentaten stürzen, das Baath-Regime aber wankt nicht - dank seines bei Jung und Alt populären Führers.

          Mehr als 100.000 Freunde hat die im Sommer 2008 eingerichtete, in der Vergangenheit teils über Wochen nicht bespielte Seite inzwischen. Dass auf der Pinnwand des Präsidenten ausgerechnet am 10. Februar rege Aktivität ausbrach, hat einen einfachen Grund: Tags zuvor hob das Regime die Blockade von Facebook und Youtube auf, die seit November 2007 galt. Auch auf der Seite der First Lady, Asma al Assad, ist seit dem Tag einiges los. Die syrische Tageszeitung „Al Watan“ schrieb, das Ende der Sperre zeige „dass die Regierung Vertrauen in ihre Leistungen“ habe und nicht „fürchtet, durch diese beiden oder andere Seiten bedroht zu werden“.

          Ein erster Schritt der Liberalisierung also, nach Jahren der Schockstarre in dem Land, das „Reporter ohne Grenzen“ regelmäßig auf seiner Liste der „Feinde des Internets“ führt? Eine Lockerung, ausgelöst ausgerechnet durch die Erfolge tunesischer und ägyptischer Aktivisten, die eben jene so genannten sozialen Medien nutzten, um sicher ihrer Präsidenten zu erledigen? Wohl kaum. „Die Entscheidung, die Seiten wieder freizugeben, war vor allem ein PR-Coup“, sagt Anas Qtiesh, ein syrischer Blogger, der als Forscher am Berkman Center for Internet and Society der Harvard-Universität arbeitet. „Das Regime kann auf diese Weise sein Selbstvertrauen inmitten des Aufruhrs in der Region zur Schau stellen.“ Erst Anfang des Monats hatten Facebook-Nutzer an die Proteste ihrer Gesinnungsgenossen in Nordafrika anknüpfen wollen. Doch die Reaktion auf den „Tag des Zorns“, zu dem die Facebook-Gruppe „The Syrian Revolution“ eingeladen hatte, fiel erbärmlich aus: Lediglich Polizisten und Geheimdienstler fanden sich vor dem Parlament in Damaskus und anderen vermeintlichen Versammlungsorten in der Hauptstadt und in Aleppo ein.

          Der Geheimdienst weiß alles

          In der Vergangenheit inhaftierten Oppositionellen war das Scheitern der Internet-Initiative gar nicht so unrecht, sagen politische Beobachter in Damaskus. Mindestens zehn Personen seien vorgeladen worden, um sie vor Teilnahme an den Demonstrationen zu warnen. Darunter waren prominente Vertreter der Opposition wie Riad al Turk und Michel Kilo. Sie fürchten, dass die syrische Regierung noch erbarmungsloser gegen Großdemonstrationen vorgehen würde als die Führungen Ägyptens und Tunesiens. Als der Leiter des inzwischen geschlossenen Zentrums für Medien und Meinungsfreiheit, Mazen Darwich, dem britischen „Guardian“ vergangene Woche ein Interview gab, erhielt er tags darauf einen Anruf der Geheimdienste.

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